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Kunstausstellung Kühl zeigt Bilder der Dresdner Maler Wilhelm Lachnit und Johannes Kühl

Kunstausstellung Kühl zeigt Bilder der Dresdner Maler Wilhelm Lachnit und Johannes Kühl

Mit Wilhelm Lachnit (1899-1962) und Johannes Kühl (1922-1994) gedenkt die Kunstausstellung Kühl zweier Künstler, die auf besondere Weise eng mit der Galerie verbunden waren.

Ein Vergleich ihrer Biografien und die Bezugnahme auf Schüler und Weggefährten verleihen der Ausstellung besondere Brisanz.

Die Arbeiten Lachnits geben Einblick in die Vielfalt seiner Ausdrucksmöglichkeiten und verstehen sich als Ergänzung zur Ausstellung "Refugium und Melancholie" in der Städtischen Galerie, die ausschließlich Gemälde zeigt und dabei auch Leihgaben der Kunstausstellung Kühl einbezieht. Da ein Großteil des Œuvres 1945 beim Angriff auf Dresden im Atelier verbrannte, ist es um so erfreulicher, frühe Zeichnungen, Aquarelle und Radierungen, die noch aus der Studienzeit und kurz danach entstanden, in der Nachbarschaft späterer Arbeiten zu sehen.

Wilhelm Lachnit, der neben Dix zu den Mitbegründern der Neuen Sachlichkeit in Dresden gehörte, war 1933 auch von der Aktion Entartete Kunst betroffen. Nach einer Atelierrazzia und drei Wochen Haft, gegen die Erich Fraaß mit einem Protestschreiben Unterschriften sammelte, litt Lachnit dennoch unter Gestapo-Aufsicht und Arbeitsbeschränkungen. Thematisch wandte er sich Stillleben und politisch unanfechtbaren Mythologien zu. Seine sachliche, veristische Malerei wich einer lockereren Art. In dieser Situation, in der die Diffamierung "Entarteter Kunst" mittlerweile ganz Deutschland erfasst hatte und weitere Arbeiten Lachnits beschlagnahmt wurden, zeigte Heinrich Kühl in seiner privaten Galerie 1937 erstmals Lachnit.

Die jetzige Ausstellung belegt diese Zeit mit Ölbildern der 30er und 40er Jahre, in denen der Maler Aktgruppen als eindringliche allegorische Psychogramme schuf, die das elementare Schutzbedürfnis des nackten Menschenlebens mittels mehr enthüllender als schützender Tücher betonte. Wie bewusst er um Ausdruck rang, beweisen altmeisterlich weiß gehöhte Chiaroscuro-Studien mit Kohle auf farbigem Tonpapier und eine Rötelzeichnung.

1942 war er wieder bei Kühl in der Ausstellung Junger Künstler. Sein Werk wird seitdem durch die Jahrzehnte dort kontinuierlich in Einzel- und Gemeinschaftausstellungen auch an den neuen Standorten an private Kunstfreunde und an Museen vermittelt (nach Ausbombung der Galerieräume in der Kleinen Brüdergasse auf der Zittauer Straße und seit 1999 nun in der Nordstraße). Nach Kriegsende begann für Lachnit eine fruchtbare Schaffenszeit. Er erhielt eine Professur an der Akademie der Bildenden Künste und arbeitete an repräsentativen baugebundenen Aufträgen, unter anderem für den Kongresssaal des Hygienemuseums. Ein Wandbild in Emailletechnik konnte er nicht vollenden, doch zeigt die Ausstellung kleine, farbenprächtige Probearbeiten.

In der jungen DDR wurden die Hoffnungen auf eine freie Kunstentfaltung bald in den Auseinandersetzungen um den Formalismus in der Kunst zerrieben. Lachnit und seine Schüler wurden exemplarisch zum Spielball engstirniger Kulturpolitik. Trotz allem wirkte sein Werk schulbildend im Sinne eines lyrischen, metaphorischen Realismus, ohne dass es unmittelbare Nachfolger in direkter stilistischer Abhängigkeit gegeben hätte. Dafür stehen Arbeiten von Helmut Gebhardt, Siegrid Stefanov, Hilde Stilijanov und Inge Thies-Böttner, die als Lachnit-Schüler nur erschwert oder gar nicht zum Diplom zugelassen worden waren. Auch sie fanden in der Kunstausstellung Kühl, soweit sie die DDR nicht verlassen hatten, ihr Podium.

Johannes Kühl setzte die Arbeit seines Vaters als Galerist fort. Zugleich gab er seine eigene Tätigkeit als akademischer Maler auf. Sein frisches, aufgeschlossenes Jugendbildnis vermittelt eine Vorstellung davon, mit welchem Elan er 1938, mit 16 Jahren, als jüngster Kunststudent in die Akademie aufgenommen und schon 1940 Meisterschüler bei Rudolf Schramm-Zittau wurde. Ideologiefrei wie dieser, suchte er zunächst malerisch impressiv sein Umfeld zu reflektieren.

Krieg und Gefangenschaft unterbrachen seine Entwicklung, wovon eine räumlich groß angelegte Zeichnung vom "Gefangenenlager Chartres 1946" zeugt. Als Kühl 1946 nach Dresden zurückkehrte, fand er sein Elb-Pompeji in "brandigen und branstigen Erdtönen" (D. Schmidt). Auch Johannes Kühl geriet in den Strudel von Aufbauwillen und rascher Ernüchterung. Sein künstlerisches Suchen außerhalb platter Agitation, das sich schließlich Möglichkeiten der informellen Expression erschloss, wurde vor der Öffentlichkeit in enge Schranken gewiesen. Außer in der väterlichen Galerie, die eine Zeit lang die einzige private Kunsthandlung der DDR war, fand er selten Möglichkeiten, seine Werke auszustellen. 1966 zeigte er in der Gedächtnisausstellung für seinen Vater ein letztes Mal eigene Werke. Danach hielt er sie aus dem nunmehr von ihm geleiteten Galeriebetrieb fern, um seine ganze Kraft für einen offeneren Umgang mit der Kunst einzusetzen.

Bis 12. Mai, Kunstausstellung Kühl, Nordstr. 5. Di-Do 11-18, Fr 11-19, Sa 10-14 Uhr und n.V. Tel. 0351-8 04 55 88

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.04.2012

Jördis Lademann

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