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Kunstausstellung Kühl in Dresden zeigt Bilder von Christine Schlegel und Peter Graf

Kunstausstellung Kühl in Dresden zeigt Bilder von Christine Schlegel und Peter Graf

Christine Schlegel (Jg. 1950) muss man in Dresden nicht vorstellen. Seit 2001 ist sie wieder in der Stadt. Bevor sie 1986 aus der DDR ausreiste, war sie in der hiesigen, aber auch der Berliner Szene gut vernetzt.

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Christine Schlegel. Die Herrin und die Zugehfrau. 2012. Repro: Kunstausstellung Kühl

In jüngerer Zeit sieht man die Ergebnisse ihrer Arbeit verschiedentlich auch bei Kühl. Und man kann Christoph Tannert kaum widersprechen, wenn er meint: "Introvertiert figurativ und zugleich das Unbewusste gestaltend, arbeitet Christine Schlegel in bester Dresdner Tradition an ihren Fantasiegeschöpfen. ... In Kompositionen, die das Gesehene mit dem Geschauten verbinden, füllt übrigens in erster Linie die Farbe Erkundungsfunktion aus und gibt Auskunft über den Grad der ästhetischen Durchdringung menschlichen Daseins".

Wenn die Künstlerin ihre aktuelle Ausstellung bei Kühl mit "Vorhang auf" überschreibt, so wird all dies sichtbar: Die subtile Handhabung der Farbe, die Assoziationskraft ihrer Bildkompositionen, die erlebten Alltag, von fern Gehörtes, bewusst und unbewusst Empfundenes, aus der Kunstgeschichte Verinnerlichtes auf einzigartige Weise zusammenbringt, ebenso eine feine, durchaus weiblich-emanzipatorisch gestimmte, von großer Lebenserfahrung gespeiste Ironie, die einen speziellen Blickwinkel auf das Welttheater eröffnet. Nicht zu übersehen ist, dass Christine Schlegel unter die medial glanzvolle Oberfläche unserer Tage schaut, was sich vielleicht nicht in jedem Fall erschließt, aber in vielen Fällen doch - den allseitig interessierten Betrachter vorausgesetzt. Und sollte die Kombination von eigener Assoziationskraft und dem Wissen um die Bezugsebenen mal nicht funktionieren, dann bleibt immer noch die Malerei als solche. Etwa bei dem Bild "Siesta", das die großen Kollegen des Impressionismus aus Frankreich heraufzubeschwören scheint.

Was wohl niemandem entgeht, Schlegel bewegt vieles: Eine Gesellschaft etwa, die ihren Kindern nicht die Liebe bietet, die ihnen zukommen müsste. Auf ihren Bildern sind sie meist allein, wie beim "Spiel am Sonntagnachmittag". Überhaupt die Familienbeziehungen! Auch "Familiensaga(s)", wie von ihr gemalt, sind nichts Ungewöhnliches. Hinter der Fassade der Wohlanständigkeit sind bekanntlich manche "Leichen im Keller" zu finden, darunter "gefallene" oder missbrauchte Mädchen. Frauen stehen überhaupt besonders im Blickfeld der Künstlerin. Es ist kein Zufall, dass diese an Gestalten aus Modemagazinen erinnern - leicht übersteigert noch, so dass weibliche Erotik fremd, männlich, ja sexistisch geprägt scheint. Dabei ist Schlegel keineswegs bierernst. So malt sie - ganz edel - ein nicht vorhandenes "Höschen", was gleich an (sogenannte) Stars erinnert, die mal kurz ihren Verzicht darauf für die Paparazzi blitzen lassen. Solche und andere "Dressur" der Weiblichkeit nimmt sich die Malerin gern vor. Bei den "Neuen Zuchterfolgen" weiß man nicht, ob der Rabe oder die "Robe" gemeint ist. Und die "Arme(n) Häschen"? Sind die Frauen oder die Hasen die "Armen"? Da bleibt manches Geheimnis, was der Kunst gut ansteht.

Nicht ganz so groß ist dieses allerdings, wenn der "Afrikaner - seine Laubegaster Fähre (holt)". Trotz eines Outfits vergangener Zeiten: Dieser Herr blieb dem Unternehmen das Geld schuldig, wie man auch in dieser Zeitung lesen konnte. "Paris" wiederum (oder jede andere Metropole) scheint auch nicht mehr ganz das zu sein, was man sich ersehnt. Sicherheitsmaßnahmen überall, nur notdürftig versteckt (im Bild) hinter impressionistischen Blumenbuketts. Und davor ein kleines dunkelhäutiges Mädchen, einsam und beobachtet.

Im Übrigen: "Wer ein Tier hat, ist nicht einsam" heißt ein anderes, der in explodierender Schaffensfreude überwiegend 2012 entstandenen Bilder der Schau, womit noch ein Kapitel Schlegelscher Weltsicht aufgeschlagen ist. Häufig tummeln sich Hunde und Katzen auf ihren Bildern - mehr gehegt als die Kinder. Das ist gewiss nicht die Naturliebe, die die Künstlerin schätzt und pflegt. Gerade in diesem Punkt - ihr Bild "eigentlich tierlieb" zeigt regelrechte Seelenverwandtschaft - wie auch in ihrer unglaublichen Phantasie trifft sie sich mit dem von ihr seit Jugendtagen geschätzten, "Im Kabinett" präsentierten Peter Graf, der im Juni seinen 75. Geburtstag beging (über die große Ausstellung in der Kunstsammlung Freital berichteten auch die DNN). Die kleine bei Kühl gezeigte Auswahl verblüfft wie immer mit Grafs unverwüstlichen Ideenreichtum, seinem unvergleichlichen leisen Humor, letztlich seiner besonderen Weltsicht, die auch ein dementsprechendes Bildrepertoire hervorbringt, etwa den "Engel vor der Windschutzscheibe" oder DB, der "über den Alpen über die Alpen" malt. Sarkastisch wird es beim "Herrn Bleifuß", der hier als tolle Farbskizze auftritt. Typisch Graf sind auch die Drinnen/Draußen Kompositionen "Bei Sommers brennt noch Licht" und ein Bild, das den Maler (?) beim nächtlichen tete à tete in der Wohnung zeigt, daneben ein gedeckter Tisch, draußen ein Vogel, in der Ferne die Radebeuler (?) Landschaft. Alles ist voller Anspielungen, auf frühere Bilder, auf Freunde, auf Konstellationen aus der (Kunst)Geschichte - wie die Fischer im Boot, das von der Romantik inspirierte Drinnen und Draußen. Und nicht zuletzt: die abstrakten Bilder, die manchmal etwas aus dem Blick geraten, aber malerisch nicht weniger interessant sind.

Bezüge vielfältiger Art findet man auch bei Christine Schlegel - sie nennt Künstlerinnen wie Silvia Plath, die Dichterin, die nach ihrem Suizid mitunter zur Ikone des Feminismus gemacht wurde, oder die wegen ihren jüdischen Abstammung aus Österreich emigrierte Malerin Marie-Louise von Motesiczky. Aber auch einen Dresdner mit Saxophon "entdeckt" man: "DD aus DD". Und dann sind da noch "Das Kind des Romantikers", das in seiner Konstellation durchaus an Friedrichs "Mann über dem Nebelmeer" denken lässt, während "Das "Früchtchen" sich auf ein in Venedig gesehenes Renaissancebild bezieht. Anregungen über Anregungen in dieser Schau, gekleidet in ansehenswerte Malerei! Man sollte sie sich nicht entgehen lassen.

Bis 22. September, Di-Do 11 bis 18, Fr 11-19, Sa 10-14 Uhr, Nordstraße 5

www.kunstausstellung-kuehl.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.09.2012

Lisa Werner-Art

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