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Kunstaktion in Dresden: Mit dem Holzbett an der Haltestelle

Kunstaktion in Dresden: Mit dem Holzbett an der Haltestelle

Nicht immer hat Sebastien sein Bett für sich allein. Es kommt schon mal vor, dass er es mit Betrunkenen, fußmüden Passanten oder tobenden Kindern teilen muss.

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Die französischen Künstler Clement (r) und Laurent (M, im Bett) und Sebastien (3.v.r.) haben auf der Straße ihr Quartier aufgeschlagen, während die Autos im Stau stehen.

Quelle: dpa

Im Moment steht das grob gezimmerte Holzbett an einer Haltestelle, an einer stark befahrenen Straße im Szeneviertel Dresden-Neustadt. Während Sebastien Kaffee kocht, schläft Laurent nebenan seelenruhig inmitten des Trubels. Straßenbahnen rattern vorbei, Fußgänger bleiben neugierig stehen, schießen Fotos.

Vor rund zwei Wochen startete das französische Künstlertrio Laurent, Sebastien und Clement mit seiner Aktion „384 Stunden“ an der Universitätsbibliothek Dresden. Seither haben sie ihr mobiles Wohnzimmer an verschiedenen Orten in Dresden aufgeschlagen, an der Einkaufsmeile Prager Straße oder auf der Augustusbrücke. Weit sind sie nicht gekommen. Gerade einmal sechs Kilometer, rechnen sie vor. Kein Wunder, schließlich schleppen sie ihre selbstgezimmerten Möbel - drei Betten, drei Tische und ein paar Stühle - Meter für Meter mit. „Da kommen wir kommen nur langsam voran.“

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Die französischen Künstler Clement (r) und Laurent (M, im Bett) und Sebastien (3.v.r.) haben auf der Straße ihr Quartier aufgeschlagen, während die Autos im Stau stehen.

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Darum geht es den Franzosen auch nicht, vielmehr wollen sie mit den Menschen ins Gespräch kommen. Als einzigen Luxus leisten sie sich eine Espressomaschine, bei einem Kaffee plaudert es sich angenehmer. „Über Kunst, die Welt und das Leben im öffentlichen Raum. Unsere Gegenstände stehen allen offen.“ Ihre Aktion kann man auch als Sozialstudie begreifen. „Denn man erfährt viel über eine Stadt und ihre Menschen“, erzählt Sebastien.

Erfahrung haben sie auch in Paris, Venedig, Brüssel oder in der Schweiz gesammelt. „In Paris wollten alle unsere Möbel kaufen, weil sie dachten, das sind ausgefallene Designerstücke“, erzählt der 30-jährige Sebastien. Die Dresdner dagegen wollen plaudern, mehr über die Aktion erfahren. Einige bieten ihnen auch eine Dusche an oder bringen Frühstück ans Bett. An das Schlafen auf der Straße haben sich die drei Künstler mittlerweile gewöhnt. Wenn es regnet, genügt ihnen eine Plastikfolie, die sie über ihr Bett spannen.

Ihre letzte Station ist an diesem Samstag das Festspielhaus Hellerau, dort wird der Abschluss des Festivals für urbane Kultur „Street Culture“ gefeiert. Rund 90 nationale und internationale Künstler haben hier in den vergangenen zwei Wochen Straßenkunst in den Mittelpunkt gerückt - von Breakdance und Rap, bis hin zu Graffiti und verschiedenen Aktionen. „Die Straßenkultur hat es mittlerweile in Galerien und Museen weltweit geschafft“, sagt Festspielhaus-Sprecherin Katja Solbrig. Immer wieder würde sie neu aus der Subkultur gespeist.

Das mobile Wohnzimmer der Franzosen hat für Solbrig auch eine politische Brisanz: In den vergangenen Wochen sei schließlich immer wieder darüber diskutiert worden, was Wohnen kosten darf. „Da geht es auch darum, wem der öffentliche Raum gehört.“

Zwar freut sich das französische Künstlertrio zunächst auf ein Dach über dem Kopf, aber Pläne für das nächste Projekt gibt es schon: Auf dem Broadway wollen sie samt ihrem Holzbett einmal quer durch New York ziehen. „Dafür müssen wir aber etwas mehr Zeit einplanen, vielleicht einen Monat“, sagt Sebastien.

Christiane Raatz, dpa

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