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Kunst trifft Kunstkritik - das "Kritische Kabinett" in Dresden

Kunst trifft Kunstkritik - das "Kritische Kabinett" in Dresden

Professionelle Kunstkritik gehört spätestens seit den Pariser Salons zum festen Bestandteil der Kunstbetriebs. Entgegen der gängigen Annahme aber wird mit Verrissen eher gegeizt.

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Die Kunstkritik in Bild und Ton ist der überraschende Aspekt im Kunstraum geh8.

Quelle: Eckehard Fuchs

Vielmehr ist der heutige Anspruch, Aspekte der Kunst auszuleuchten, die der berühmte Laie in den kurzen Momenten, die er dem einzelnen Werk schenkt, nicht erfasst. Da sich Kunstkritik meist in geschriebener Form artikuliert, findet das unmittelbare Kunsterlebnis vor, nach, oder ganz ohne den Genuss derselben statt.

Dieser Entfremdung wirkt das "Kritischen Kabinett" entgegen. Mittels einer Idee, beider man sich fragt, warum sie bis jetzt nie in dieser Form umgesetzt wurde. Das Projekt, mit dem der Kunstraum geh8 sein fünfjähriges Bestehen feiert, stellt vier Werke und vier Kritikerstimmen direkt gegenüber. Film- und Tonaufnahmen lassen die wie die Künstler anonym gebliebenen Kritiker beim Besprechen der von ihnen ausgewählten Kunst erlebbar werden.

Das funktioniert, dank der ganz unterschiedlichen Kunstwerke - Assemblage, Installation, Video und Malerei/Installation -, die den Betrachter bereits ohne Stimme im Ohr anziehen. Und dank der Kritiker, die ebenso variantenreich ihre Interpretationen ausbreiten, mal lyrisch, mal sach- lich-nüchtern oder mit gespielter Empörung. Immer jedoch von mehreren Standpunkten aus gesehen, die selbst dem Kunstkenner noch eine andere Sicht eröffnen können. Vor allem das Triptychon mit dem Titel "Sandbank", einer Elblandschaft mit zwei? Brücken, wird Dresdnern im Gedächtnis bleiben.

Neben dem in seiner Einfachheit bestens verständlichem Konzept entspinnen sich weitere Prozesse. Vergleichskriterien einer Kritik bieten sich beispielsweise auch für die anderen Werke an - der Betrachter verleiht sich neue Kompetenzen. Doch Didaktik muss nicht zwangsläufig im Mittelpunkt stehen. Die Gegenüberstellung der Kunst und ihrer Kritik sind bewusste Arrangements, sie können mit distanziertem Blick als Zwiegespräche gelten, bei denen der Besucher nur Mäuschen spielen darf. Andererseits kann er sich auch von der Kritik lö- sen und sie selbst als künstlerische Ausdrucksform abstrahieren. Für Liebhaber soziologischer Ansätze stellt sich die Frage: warum hat der Kriti- ker gerade diese Auswahl getroffen und gerade diese Assoziationen gefunden?

Intensive Debatten über Kunst entstehen oft in Ausstellungen, bei denen sich die Menschen besonders dicht drängen, so dass jedes Werk zwangsläufig unter die Lupe genommen wird. Genau das passiert hier bereits bei einer minimalen Anzahl von Besuchern durch die Konzentration auf wenige Werke und Kritiken von fünf bis fünfzehn Minuten Länge. Sie sind danach eingeladen, auf der Eingangswand Begriffe für das Erlebte zu notieren. Als "Performative Installation" bezeichnen die Macher das Agieren der Kritiker, das jedenfalls im positiven Sinne als perforativ wahrgenommen wird, ein Ineinanderfließen mehrerer Disziplinen erlaubt.

Das frisch konstituierte "Kritisches Kabinett" soll weiterhin bestehen bleiben. Mit den "Zutaten", die hier vorgestellt und auch gesammelt werden, sind weitere Projekte geplant. Es könnte sogar zu einer konkreten, öffentlichen Debatte der Akteure kommen, die sich bis jetzt untereinander nichts zu sagen hatten. So lädt der Titel "Das Kritische Kabinett: Teil 1/Aufstellung" nicht zuletzt zur Antizipation, ach was, zum Hinfiebern auf eine Fortsetzung ein. Cornelia Posselt

"Das Kritische Kabinett: Teil 1/Aufstellung", noch bis 9.9. im Kunstraum geh8 auf der Gehestraße 8, geöffnet Fr.-So. 15-19 Uhr oder nach Vereinbarung

www.geh8.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.09.2012

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