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"Kunst im Werden" zeigt in der SLUB Dresden Arbeitsschritte von Mitgliedern der Akademieklasse Bildende Kunst

"Kunst im Werden" zeigt in der SLUB Dresden Arbeitsschritte von Mitgliedern der Akademieklasse Bildende Kunst

Im Buchmuseum der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) ist wieder einmal eine interessante Kunstausstellung zu sehen.

Sie - ihr Titel "Kunst im Werden" verrät es - will am Prozess des "Machens" teilhaben lassen. Die Idee dazu hatte der Bildhauer und Objektkünstler Jürgen Schön (Jg. 1956), seit 2002 Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste. Im Jahr ihres 15. Gründungsjubiläums inspirierte er seine Kollegen der Klasse Bildende Kunst, Schritte ihres Schaffens sichtbar zu machen. In Ermangelung eigener Ausstellungsräume der Akademie stellen sich 18 namhafte Künstler mit Skizzen, Entwürfen, aber auch schriftlich Niedergelegtem über ihre Absichten oder gewonnene Eindrücke vor. Ergänzend werden Filme präsentiert, die einen Teil der Akademiemitglieder, darunter Strawalde und Max Uhlig, beim Arbeiten zeigen, einen Blick in ihre Ateliers gewähren und/oder ihre Ansichten zum künstlerischen Schaffen vermitteln.

Mit traditionellen Entwurfsskizzen, Skizzenbüchern, aber auch Materialsammlungen zeigen sich Künstler wie Wieland Förster, Carsten Nicolai, Günther Uecker, Max Uhlig, Jürgen Schön, Eberhard Göschel, Michael Morgner, Ralf Kerbach, Hartwig Ebersbach und Gerda Lepke. Wieland Försters (Jg. 1930, 1996 Gründungsmitglied der Akademie) Skizzen etwa mündeten direkt in Skulpturen: in die Bronze "Beginn 2000" und ins "Idol". Carsten Nicolai (Jg. 1965, seit 2002 Akademiemitglied) hat seine Materialsammlung "Anti Reflex" eingebracht, welche die Ausstellung in der Frankfurter Schirn (2005) vorbereitete. Ebenfalls der Vorbereitung einer Ausstellung (1989 in Chicago) diente Günther Uecker (Jg. 1930, seit 1996 Akademiemitglied) eine umfangreiche Zeichnungsfolge der Ruinen eines römischen Aquädukts, der Römersteine, im Zahlbachtal bei Mainz, die er in 47 Radierungen und eine Installation umsetzte. Von Max Uhlig (Jg. 1937, 1995/96 Akademiegründungsmitglied) entdeckt man neben entspannten Ölkreidezeichnungen vom Strandleben an der Außen-Alster Weinstockstudien aus Südfrankreich, die zu einigen der bekannten größeren Arbeiten führten. Bei Ulrich Lindner (Jg. 1938, Akademiemitglied seit 1998) scheint der Weg umgekehrt: Er benutzt "fertige" Fotografien. Teile dieser montiert er, fotografiert sie erneut, bearbeitet sie zu seinen Fotografiken.

Ausstellungsinspirator Jürgen Schön steuerte Skizzenbücher bei - jedes während einer Reise mit schnell, teils im Vorbeifahren wahrgenommenen Beobachtungen gefüllt. Eberhard Göschel (Jg. 1943, Akademiemitglied seit 1996) überrascht mit seinen Skizzenbüchlein: Sie zeigen unter anderem mit wenigen Strichen notierte Silhouettenvarianten von Dresden. Michael Morgner (Jg. 1942, Gründungsmitglied 1996) beteiligt den Betrachter am Entstehen des Künstlerbuches "Ecce Homo" (1994). Am Schluss lässt er aus Entwurfszeichnungen per Asphaltabklatsch von Radierplatten noch eigenständige Kunstwerke werden. Im gleichen Genre bewegt sich Ralf Kerbach (Jg. 1956, seit 2010 Akademiemitglied) mit seinen Skizzen für das Künstlerbuch "Porzellan", das zu Texten von Durs Grünbein entstand. Ein Leporello von Hartwig Ebersbach (Jg. 1940, Akademiemitglied seit 1996) dagegen dokumentiert im Nachhinein den Entstehungsprozess des Gemäldes "Regenbogenreiter Wuyi". Und Gerda Lepke benutzt eine gebundene Serie von Radierungen mit Arbeiterporträts von 1986 heute als Arbeitsblätter.

Mitunter bleibt die "Kunst im Werden" auch eine Option, die nur potenziell auf ein "fertiges" Kunstwerk hinausläuft. In diese Kategorie fällt etwa Thea Richters (Jg. 1945, Akademiemitglied seit 1998) Leporello "Harzduft", das auf Kindheitserfahrungen mit der Welt ihrer Großeltern beruht. Gleiches gilt für Cornelia Schleimes (Jg. 1953, seit 2000 Akademiemitglied) Bildtagebücher aus Kenia, in denen auch wunderbare Aquarell-Tuschzeichnungen der Tierwelt festgehalten sind. Vergleichbar damit ist auch das Tagebuch, das Gundula Schulze Eldowy (Jg. 1954, Akademiemitglied seit 2010) im Jahr 2004 in Peru führte und das unter anderem den Einfluss des amerikanischen Fotografen Robert Frank auf sie verdeutlicht. Osmar Osten (Jg. 1959, seit 2002 Akademiemitglied) wiederum füllt Skizzenhefte mit kleinen bildhaften Notaten und Texten, die manchmal an konkrete Poesie erinnern. Oft findet sich hier jener hintergründige Humor, der auch seine Malerei prägt.

Beispiele dafür, wie wenig Prätentiöses zum autonomen Kunstwerk werden kann, finden sich ebenso. Bei Strawalde (Jg. 1931, seit 1998 Akademiemitglied) scheiterte 1993, obgleich er zuvor den Darmstädter Kunstpreis erhalten hatte, die damit verbundene Ausstellung. Den Ärger darüber ar- beitete er am Katalog eines früheren Preisträgers (Parmiggiani) ab, schuf daraus über Jahre ein Künstlerbuch. Gotthard Graubner (Jg. 1930, Gründungsmitglied 1996) ist mit einem "Sickerbuch" (1964) vertreten, dessen Seiten flächig von den Farben überzogen sind. Walter Libuda (Jg. 1950, seit 1998 Akademiemitglied) hat reizvolle Minibuchobjekte geschaffen.

Wer seinen Eindruck von der "Kunst im Werden" vertiefen möchte, ist bei der Finissage am morgigen Mittwoch richtig, bei der Künstlerfilme gezeigt werden, und anschließend ein Gespräch mit Strawalde und Max Uhlig der Frage "Wo beginnt Kunst?" nachgehen soll.

Lisa Werner-Art

Bis 5. November (verlängert), geöffnet Mo-Sa 8-18 Uhr

Finissage: 26. Oktober, 19 Uhr, Vortragssaal SLUB

Katalog 15 Euro

www.slub-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.10.2011

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