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Kulturstiftung der Dresdner Bank feiert zwanzigjähriges Engagement

Kulturstiftung der Dresdner Bank feiert zwanzigjähriges Engagement

Nicht alles, was Banken immer skrupelloser tun, verdient den Protest der Straße. Am heutigen Dienstag feiert beispielsweise die Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank ihr zwanzigjähriges Bestehen.

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Bernhard Freiherr von Loeffelholz

Einen passenderen Ort als das Societätstheater konnte die Stiftung für die Feierstunde nicht auswählen. Der Wiederaufbau des 1999 eröffneten Bürgertheaters war eines der ersten und bislang das teuerste Projekt der Stiftung. Aus dem Stiftungskapital von damals 20 Millionen Mark wurden sechs Millionen direkt für das Theater abgezweigt. Heute fördert die Stiftung aus Erlösen, die das Stiftungsvermögen von 7,7 Millionen Euro abwirft. Seit 1991 sind rund 11 Millionen Euro in Dresdner Kulturprojekte geflossen.

Die Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank gehört zwar heute neben der Erich-Ponto-Stiftung der Dresdner Bank und anderen zu einem Pool von Stiftungen der Commerzbank. In ihrer Art aber war und ist sie beispiellos. Keine andere Bank hat je einer einzigen Stadt eine besondere Kulturstiftung gewidmet. Zu danken ist dies einerseits der generellen Kulturfreundlichkeit der Dresdner Bank. Andererseits war das Engagement in Dresden nach der friedlichen Revolution auch eine Widmung an die Stadt, in der die Bank 1872 ihre Geschäfte aufnahm und die ihr den Namen gab. Der Vereinigungsprozess Deutschland sollte auch als ein kultureller Prozess begriffen werden.

Die Stiftung, die heute von Geschäftsführer Ralf Suermann geleitet wird, gönnt sich zum runden Geburtstag eine geschmackvoll gestaltete Broschüre und einen von jungen Filmemachern gestalteten zwölfminütigen Videoclip. Verwundert sucht man in beiden Veröffentlichungen aber den Namen des Mannes vergeblich, der die Weichen für das Dresdner Engagement maßgeblich stellte und in Sachsen mittlerweile eine kulturpolitische Institution ist: Bernhard Freiherr von Loeffelholz, den Wolfgang Röller, ehemaliger Vorstandschef der Dresdner Bank AG, einmal den "Kulturminister der Dresdner Bank" nannte. Denn das Vorstandsmitglied betreute im Ehrenamt auch noch den Kulturkreis der Deutschen Wirtschaft im BDI. Heute nennt von Loeffelholz seine acht Jahre als geschäftsführender Vorstand der Kulturstiftung "meine spannendste Zeit überhaupt". Mit der Pensionierung 1999 zogen er und seine Frau nach Radebeul. Sein kritisches kulturpolitisches Engagement führte ihn dann unter anderem an die Spitze des Sächsischen Kultursenats.

Die Fördertätigkeit der Stiftung zielte von Anfang an auf Kunst, Wissenschaft und den Städtebau. Das erste Großprojekt sollte ein Gebäude sein, das nach der Sanierung auch kontinuierlich als Spielstätte genutzt werden würde, erinnert sich von Loeffelholz. Die Wahl fiel also auf das Societätstheater, 1776 ebenfalls durch privates Engagement ins Leben gerufen. Diese Entscheidung verweist auf eine weitere Besonderheit der Dresdner Kulturstiftung. Sie ist keine reine Förderstiftung, sondern leistet als operative Stiftung auch inhaltliche Arbeit. "Ich habe das alles sehr persönlich aufgezogen", sagt Freiherr von Loeffelholz, der die relativ große Freiheit der ersten Jahre schätzte und nutzte. Bei seinen intensiven Dresdner Kontakten hätten Begeisterung und Kompetenz neben dem Geld die entscheidende Rolle gespielt.

Wer weiß schon noch, dass die Gründungshilfe für die Dresdner Sinfoniker auf einer gemeinsamen Zugfahrt nach Frankfurt mit Markus Rindt besprochen wurde? Eine Unterstützung, die sich beispielsweise im jüngsten "TonLagen"-Projekt des Orchesters in Hellerau fortsetzte. Der junge und damals noch nicht so renommierte Dresdner Kammerchor erhielt einige Jahre sogar eine institutionelle Förderung. Die Loschwitzer Kirche verdankt der Stiftung den Turm und Teile der Empore. In den Wiederaufbau der Frauenkirche flossen eine Million Mark. Die Rote Armee war aus Hellerau noch nicht abgezogen, da engagierte sich die Stiftung schon für die Festspielhaus-Pioniere um Detlev Schneider. Zahlreiche Produktionen von norton.commander mit Harriet Maria und Peter Meining und andere Inszenierungen förderte sie seither dort.

Breiten Raum nimmt die Nach- wuchsförderung ein, angefangen von 1,5 Millionen Euro Stipendien für TU-Wissenschaftler über den START- Schüleraustausch bis hin zu zahlreichen Künstlerstipendien in verschiedenen Genres. Die Jüngsten probieren sich in der Erich-Kästner-Schreibwerkstatt der Villa Augustin aus oder schätzen die Museumsführer mit den Sixtina-Engeln Angelus und Uriel der Kunstsammlungen. Um den Nachwuchs ging es auch in der Orchesterakademie der Philharmonie und der Staatskapelle.

Eine komplette Aufzählung der Stiftungsleistungen würde diese Seite sprengen. Im vorigen Jahr standen 347 000 Euro Fördergelder zur Verfügung. Dass die Dresdner Bank von der Commerzbank geschluckt wurde, blieb ohne negative Auswirkungen auf die Stiftung, die ihre rechtliche Selbständigkeit und ihren Namen behielt. "Bewährtes bewahren, um Zukunft zu ermöglichen, und Zeitgenössisches fördern, damit Vergangenes verständlich wird", formuliert Kuratoriumsvorsitzender und Commerzbank-Chef Martin Blessing die Stiftungsgrundsätze.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.10.2011

Michael Bartsch

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