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Kulturpalast: Arbeiter demontieren alles, was erhaltenswert ist – Baustart im Oktober

Kulturpalast: Arbeiter demontieren alles, was erhaltenswert ist – Baustart im Oktober

Von außen ist noch nichts zu sehen. Der Kulturpalast sieht verlassen aus, Bauarbeiten im Inneren lassen sich nur erahnen. Seit August sanieren sie das 1969 eingeweihte Gebäude.

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Der leere Zuschauerraum des Kulturpalastes.

Quelle: Dietrich Flechtner

Der 59-jährige Dresdner Architekt Peter Hinkel hat dafür als Projektleiter den Hut auf.

Niemand kennt das Gebäude im Herzen der Stadt besser als Hinkel, der seit 2009 im städtischen Hochbauamt mit dem Projekt befasst ist. „Ich glaube, dass wir nur mit wenigen bösen Überraschungen rechnen müssen“, sagt er. Decken, Böden und Säulen wurden angebohrt, um Traglasten und Schadstoffe zu ermitteln. „Risiken sind bei Altbausubstanz nie ganz auszuschließen“, weiß der Architekt, „aber ich denke, wir haben zu 90 Prozent vorgesorgt.“

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Ab März soll der Dresdner Kulturpalast umgebaut werden.

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Auch das Statik-Problem – immerhin soll die Bibliothek mit ihren schweren Regalen in den Kulturpalast einziehen – sei bekannt. „Bestimmte Deckenbereiche können die Lasten nicht aufnehmen. Die müssen ertüchtigt werden“, so Hinkel. Er habe die alten Pläne von 1963/64 gewälzt und mit den Planern abgestimmt, wo nachbessert werden müsse.

Er ist froh, dass es bald richtig mit der Sanierung losgeht. „Es war nicht einfach, während der Verzögerungen die Planungsbüros bei der Stange zu halten.“ Zehn verschiedene Planer muss er koordinieren, das Büro für Gebäudetechnik konnte er allerdings nicht halten. „Das ist uns abgesprungen, wir mussten neu ausschreiben. Das schlägt sich in der Planung nieder, da kommt alles zum Stillstand.“

Gegenwärtig sind Bauarbeiter damit beschäftigt, all die Gegenstände und Materialien auszubauen, die erhalten oder wieder eingebaut werden sollen. Etwa der Granitfußboden im Foyer. „Lausitzer Granit. Beste Qualität“, schwärmt der Architekt. Überhaupt sei im Kulturpalast das Beste vom Besten verbaut worden, was die DDR zu bieten hatte. Zwei Mitarbeiter erfassen jedes einzelne Stück und nummerieren es. Vieles wird im Stadtarchiv zwischengelagert, bevor es wieder seinen Platz im Kulturpalast findet.

Für anderes wie das berühmte Kippparkett sucht die Stadt Käufer oder Interessenten. „Vielleicht gibt es irgendwo ein Theatermuseum, dass die Konstruktion ausstellen will?“, meint der Projektleiter. Die Alu-Gitter an der Bühne im Festsaal kommen ins Lapidarium und werden ausgestellt. „Da können wir der Nachwelt zeigen, wie es einmal im Kulturpalast ausgesehen hat.“

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In den vergangenen Jahren hatte es verschiedene Umbaupläne gegeben.

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Gespenstisch wirkt der große Saal mit den ausgebauten Sitzen im Parkett. Er ist das Kernstück der Sanierung, seine Kubatur ist bald Geschichte. Die Länge bleibt zwar bestehen, dafür wird der neue Saal schmaler. Die entstehenden Räume sollen für kleine Foyers genutzt werden, sagt Hinkel.

Ist der Abbau des Erhaltenswerten fertig, beginnt die Entkernung des Gebäudes. Dann werden die Bauleute weniger zimperlich zur Sache schreiten. Für den Abtransport des Bauschuttes wird der Lastenaufzug an der Gebäuderückseite genutzt, mit dem früher die Bühnentechnik in den Saal transportiert wurde.

Die Fassade des Kulturpalastes wird erneuert, bleibt aber in ihrer Struktur erhalten. Die Glasfront spiegelt dann aber nicht mehr, sondern soll transparent sein. Der Balkon wird so ertüchtigt, dass Konzertbesucher in der Pause mit einem Glas Sekt auf den Altmarkt schauen können.

„Der Clou ist aber die Belüftung“, sagt Hinkel. „Durch aufgeklappte Flügel in der Fassade entsteht ein natürlicher Luftzug. Wir brauchen keine Klimatisierung.“ Im Erdgeschoss neben der früheren Ticketzentrale donnert ein Presslufthamer. „Hier entsteht der Anschluss zur Tiefgarage unter dem Altmarkt“, erläutert der Projektleiter. Der Tunnel sei schon da. Im Zuge des Umbaus erfolge nun auch der Durchbruch, so dass die Besucher bei Regen trockenen Fußes ins Haus gelangen können.

Für Hinkel ist die Sanierung des Kulturpalastes eine Herzensangelegenheit. „Ich bin Urdresdner und habe hier selbst Musik gemacht und Theater gespielt“, sagt er. Als die Stadt einen Projektleiter für den Umbau suchte, sei es für ihn keine Frage gewesen, sich zu bewerben. „Was für eine Herausforderung“, meint er mit einem gewissen Stolz in der Stimme.

Anfang Oktober soll der Umbau des Kulturpalastes sichtbar werden, verspricht Axel Walther, Geschäftsführer der Stesad und der Kommunalen Immobilien Dresden GmbH & Co KG, die für das Bauvorhaben verantwortlich ist. „Dann werden wir an der Ecke Schlossstraße eine Baustellentafel aufstellen, das Gebäude erhält einen Bauzaun.“ Die Stadt werde den offiziellen Baustart feiern, so Walther. „Es handelt sich ja um ein Kulturprojekt, bei dem es viel zittern gab, ob es überhaupt klappt“, erinnert er an die schwierige Frage der Finanzierung. In dem Budget von 81,5 Millionen Euro sei ein namhafter Betrag eingepreist, um Risiken beim Bau abzufangen. „Der Risikorahmen beträgt acht Millionen Euro“, so Walther.

Thomas Baumann-Hartwig

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