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Kultur in entleerten LandschaftenVeranstaltungsreihe zu Kultur und demografischem Wandel in Sachsen

Kultur in entleerten LandschaftenVeranstaltungsreihe zu Kultur und demografischem Wandel in Sachsen

Die großen kulturpolitisch beratenden Institutionen in Sachsen fühlen sich durch die demografische Entwicklung alarmiert. Eine Karte, die die regionalen Bevölkerungsprognosen verzeichnet, spiegelt ziemlich exakt die Grenzen der ehemaligen DDR als Schrumpfungsregionen wider.

Nur Dresden, Leipzig, der Raum Jena-Erfurt, Rostock und die Umgebung Berlins können mit Zuwächsen rechnen. Nun sorgt zwar das sächsische Kulturraumgesetz in vorbildlicher Weise für den Erhalt von Kulturangeboten auch in der Fläche. Doch angesichts rückläufiger Einnahmen der öffentlichen Hände versuchte schon 2007 ein Theater- und Orchestergutachten, Perspektiven für die größten Kultursubventionsempfänger in Sachsen zu entwickeln. 2009 veranstaltete die Kulturstiftung im Hygienemuseum eine Tagung unter dem Titel "Kultur als Chance? Konsequenzen des demografischen Wandels".

Nun starten die Sächsische Akademie der Künste, der Kultursenat und die Kulturstiftung Sachsen am kommenden Montag erneut eine Veranstaltungsreihe zu den Perspektiven von Kunst und Kultur bis 2020 in Sachsen. Unter dem provokanten Titel "Kern und ,Rest'?" wird es zum Auftakt im Dresdner Blockhaus um "Kultur in entleerten Landschaften" gehen. Bis zum kommenden Jahr sind Veranstaltungen zu Industrie- und Militärbrachen, zu neuen Formen der Literatur im Internet, zu Perspektiven der Kino-, Theater- und Orchesterlandschaft sowie ein Vorort-Panel in Döbeln geplant. Vergleichbare Entwicklungen in anderen europäischen Kulturregionen sollen diskutiert werden.

Engelbert Lütke Daldrup, Sekretär der Klasse Baukunst in der Akademie der Künste, wies bei der Vorstellung des Programms auf Statistiken hin, wonach 1989 in den Landkreisen noch drei Viertel der Bevölkerung lebten. In wenigen Jahren werde es nur noch ein Drittel bei steigendem Altersdurchschnitt sein. Sachsen wird voraussichtlich besonders stark betroffen sein und bis zum Jahr 2025 den bundesweit höchsten Anteil an über 80-jährigen Einwohnern aufweisen. Die Schlussfolgerungen für eine kulturelle Grundversorgung aber dürften nicht nur als "Abwehrschlacht" verstanden werden, betonte Daldrup. Der notwendige Umbau könne auch nicht allein unter fiskalischen Gesichtspunkten erfolgen, ergänzte Akademiesekretär Klaus Michael.

Auch die Veränderungen des "kulturellen Kanons", mithin also der Nachfrage und der Standards, müssen nach Auffassung von Manuel Frey aus der Kulturstiftung berücksichtigt werden. Frey machte darauf aufmerksam, dass wir in einer gewachsenen, nicht in einer "geplanten" Kulturlandschaft leben. Nunmehr aber seien "strategische Weichenstellungen nötig". Der Kultursenat sieht kulturelle Belange im Entwurf des neuen Landesentwicklungsplanes "völlig unterbelichtet", wie Vizepräsident Hans-Peter Lühr formulierte. Darüber und über den künftigen Finanzierungsrahmen für Kultur im Landeshaushalt wurde kürzlich bei einer gemeinsamen Sitzung von Kultursenat und Kulturausschuss des Landtages gesprochen.

Zunächst bestehe zwischen Künstlern und Kulturverantwortlichen noch Verständigungs- und Selbstfindungsbedarf, konstatierte Engelbert Lütke Daldrup. Mit Strategievorschlägen wolle man aber schon auf politische Entscheidungsträger Einfluss nehmen. Für das Wissenschafts- und Kunstministerium stellte Norbert Haase fest, dass es zumindest keinen "Reflex" gebe, bei schwindender Bevölkerung auch das Kulturangebot abzubauen. Mit dieser Haltung befinde sich das Ministerium im Einklang mit den Kulturpolitischen Leitlinien, die noch während der Amtszeit von Ex-Ministerin Eva-Maria Stange (SPD) formuliert wurden. Einen für Administrationen typischen "Reflex" aber verriet Haase schon einmal nebenbei: Man suche derzeit einen Stifter für einen Kunstpreis "Kultur und Demografie".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.05.2012

Michael Bartsch

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