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Kulinarisches Jubiläumskonzert der Komponistenklasse Dresden

Kulinarisches Jubiläumskonzert der Komponistenklasse Dresden

Die Komponistenklasse Dresden konnte nicht nur ihr 30-jähriges Bestehen feiern, sondern durfte auch einen Preis des deutschlandweiten Wettbewerbs "Land der Ideen" entgegennehmen.

Bei über 2000 Bewerbern zu den ausgewählten 365 Beiträgen aus Kultur, Wissenschaft, Umwelt und Gesellschaft zu gehören, ist bemerkenswert. Juliane von Trotha von der Initiative "Deutschland - Land der Ideen" und Friedbert Damm als Vertreter des Partners Deutsche Bank zeigten sich bei der Preisverleihung im Konzertsaal der Musikhochschule ihrerseits überrascht von dem, was sie im Jubiläumskonzert zu hören bekamen. Nichts von Kinderliedern, dagegen wirklich Modernes befanden sie, obwohl der jüngste Komponist erst elf Jahre alt war. Die Auszeichnung nahmen Carola Vulpius vom Förderverein, die Kompositionslehrer Silke Fraikin und Johannes Korndörfer, Mitarbeiter Wieland Schwanebeck und Kompositionsschüler Paul Gertitschke entgegen.

Für die vielen oft seit Jahren mit der Arbeit in der Komponistenklasse vertrauten Konzertbesucher war Zeitgenössisches als Programm keine Überraschung. Aber das Feuerwerk aus Humor und neuer Musik, das Dirigent Milko Kersten und Bariton Henryk Böhm auch als Moderatoren gemeinsam mit dem Kammerensemble Neue Musik Berlin (Kirsten Harms, Violine; Winfried Rager, Klarinette; Alexandre Babel, Schlagwerk; Frank Gutschmidt, Klavier) abbrannten, war eine Überraschung und ein einziges Vergnügen. Und damit vielleicht ein Ausnahme beim Festival TonLagen, zu dem das Konzert gehörte.

Dirigent und Musiker verwandelten die Bühne in eine Küche, boten den einmaligen Anblick ernsthaft musikalischer Protagonisten in Kochschürzen und Kellneranzug, und beim wortspielerischen Titel "À la quarte" hätte man es ahnen müssen: Tiefe Teller sind nicht still. Alle Stücke kreisten ums Kochen oder Essen - alltägliche Vorgänge, die wenig Beachtung erfahren oder überbewertet sind. Die Möglichkeit einen Sänger in die Stücke einzubeziehen, potenzierte die Möglichkeiten für die jungen Komponisten nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich. Denn im Text eröffnet sich eine besondere Ebene.

Faust kennt man allenthalben aus Goethes Tragödie, nur einen Makel seines Hauptdarstellers hat der Dichter verschwiegen: Faust konnte nicht kochen. Clemens Kersten hatte diesen Konflikt, der einen modernen Mann fast ins Elend zu stürzen vermag, in einer urkomischen Gesangsszene verarbeitet. "Der süße Brei" von Paul Gertitschke erinnerte in seiner Leidenschaft nicht wenig an Schumanns "Märchenbilder". Doch bei allen romantischen Implikationen des Themas und vielen bildhaften Bezügen bewegten sich die zwölf Schülerinnen und Schüler der Klasse fern von historischer Klangmalerei. Abstraktion mischte Tom Haas mit expressivem Spiel (Morph), und Richard Kolm nutzte im "Kochduell" eine Fülle von Geräuschen. Was für ein skurriles Stück, das mit den Utensilien eines gedeckten Tisches gespielt wurde. Die Duellanten - Violine und Klarinette - saßen sich gegenüber.

Schlicht "Der Salat" betitelt war das interaktive Stück von Cornelius Acker, bei dem das Publikum zunächst die Zutaten wählen musste. Der Komponist hatte einen musikalischen Baukasten ersonnen, der fünf aus zehn Möglichkeiten kombinierte, und nur eine der vielen Varianten gab es schließlich zu hören. Die überschätzte Rolle des Küchenchefs als zeitgeisternder Philosoph persiflierten Goetz Bienert (Scherzo di cucina) und Ion Lopez Leal (Ein buntes Menü).

Im letzten Beitrag lieferten sechs ehemalige Schüler der Komponistenklasse (Max Wutzler, Raphael Gärtig, Julia Rarisch, Friedemann Hasse, Torsten Geipel, Text: Wieland Schwanebeck) einen herzerfrischenden Abgesang auf eine Obsession der Elterngeneration: "Hermann - Ein teigiges Drama in fünf Back-Akten". Ein Gemeinschaftswerk als Schluss eines ergiebigen Jahrganges der Komponistenklasse, dessen letzte Worte "Der Schlussakkord bleibt offen" die Neugier auf das nächste Konzert einschloss.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.10.2012

Hartmut Schütz

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