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Künstlervermittlung Viviendo will Dresdner Musiker unterstützen

Frische Ideen Künstlervermittlung Viviendo will Dresdner Musiker unterstützen

Zwei studierte Musiker haben es sich das Ziel gesetzt, das Haifischbecken des Musikbusiness zu entern. Mit ihrer Künstlervermittlung Viviendo wollen Philipp Schoof und Marcel Schrenk junge Musiker unterstützten und vieles besser machen, was woanders schief läuft.

Philipp Schoof (r.) und Marcel Schrenk

Quelle: Nicole Czerwinka

Dresden. Konzerte in wechselnden Städten, begeisterte Fans, das Hobby zum Beruf gemacht – so verführerisch das Musikerdasein vielleicht erscheinen mag, der Markt ist hart umkämpft und der Karrierestart oft steinig. Allein die Dresdner Hochschule für Musik Carl Maria von Weber (HfM) entlässt jedes Jahr rund 150 Absolventen auf den freien Markt, von denen nur die wenigsten eine Anstellung am Theater oder im Orchester finden. Zwei studierte Musiker haben es sich dennoch das Ziel gesetzt, dieses Haifischbecken zu entern. Mit ihrer Künstlervermittlung Viviendo wollen Philipp Schoof und Marcel Schrenk junge Musiker unterstützten und vieles besser machen, was woanders schief läuft.

„Kennengelernt haben wir uns an der Dresdner Musikhochschule und haben dann auch bald verschiedene musikalische Projekte gemeinsam aufgebaut“, erzählt Philipp Schoof. Er selbst hat Jazzsaxophon und Klarinette an der HfM Dresden studiert, sein Compagnon Marcel Schrenk hat seinen Abschluss in den Fächern Klavier und Hammondorgel gemacht. Weil sie gemerkt haben, dass ihnen das Management genauso viel Spaß bereitet wie die Musik, beschlossen sie, ihre eigene Agentur zu gründen. „Wir sind dann einfach mal ein Wochenende nach Prag gefahren, haben Ideen gesammelt, einen Businessplan geschrieben und losgelegt“, erzählt Schoof.

Im November 2015 war die Musikagentur Viviendo in Dresden geboren. „Wichtig ist uns ein breites Portfolio, trotzdem wollen wir aber nicht willkürlich Künstler aufnehmen. Die Qualität muss stimmen, und sie müssen zu uns und unseren Kunden passen“, erklärt Philipp Schoof. Kunden, damit meint er sowohl Privatkunden, die für ihre Hochzeit oder den Geburtstag einen musikalischen Beitrag buchen, als auch Firmenkunden, die oft gern ein ganzes Komplettpaket mit Catering und Moderation haben wollen. „Dafür kooperieren wir wiederum mit anderen Agenturen“, sagt Schoof. Doch auch seine alte Hochschule ist von Anfang an ein wichtiger Partner seiner Firma.

„Wir wollen junge Musiker in Dresden fördern, ihnen den Einstieg ins Berufsleben leichter machen. Es gibt viele wahnsinnig tolle Musiker an der Hochschule“, sagt der junge Gründer. Die HfM bildet sowohl Klassiker auch Jazzmusiker aus, so kann die Agentur auf ein breites, qualitativ hochwertiges Portfolio zurückgreifen und nahezu jeden Kundenwunsch erfüllen.

Seit November haben Schoof und Schrenk bereits etwa 60 Auftritte an Studenten aus Dresden vermittelt . Ganz wichtig sei neben der musikalischen Qualität dabei aber auch die Zuverlässigkeit der Künstler. Kommt der Musiker zu spät zum Kunden, ist der wiederum unzufrieden – und das fällt auf alle Beteiligten negativ zurück.

Als Schnittstelle zwischen Musikmarkt und Ausbildung versuchen Philipp Schoof und Marcel Schrenk die jungen Musiker daher auch für das Berufsleben fit zu machen. Eine tiefere Kooperation mit dem Career Service der Hochschule sei bereits angedacht. „Das Problem ist, dass sich Studenten oft zehn Stunden am Tag mit Musikmachen beschäftigen, aber nicht wissen, was sie wert sind und wie man eine Rechnung schreibt“, erklärt Schoof.

Umgekehrt sei auch bei den Kunden kaum ein Verständnis dafür da, warum ein musikalischer Beitrag eben Geld kostet. Faire Bezahlung ist jedoch das oberste Gebot der Viviendo-Gründer, und so müssen sie oft auch bei ihren Kunden Aufklärungsarbeit leisten, denn 500 Euro Gage für ein ganzes Sinfonieorchester sind eben doch zu wenig.

Neben der Künstlervermittlung übernehmen Philipp Schoof und Marcel Schrenk zudem das Booking für etablierte Künstler wie auch für Nachwuchsmusiker. So war die junge Agentur ab Ende Juli mit ihrem ersten großen Auftrag auf einer besonderen Tour durch Brandenburg: Die Young Voices sind ein Auswahlensemble, das in der Trägerschaft des Verbandes der Musik- und Kunstschulen Brandenburg e.V. alle zwei Jahre aufs Neue aus Laien und Studenten zusammengestellt wird, um gemeinsam ein CD-Projekt und eine Tournee zu verwirklichen. Nach Konzertreisen nach China, den Libanon, Amerika und Südafrika haben die 24 Sänger zwischen 18 und 24 Jahren dieses Mal eine Wandertournee durch kleine Ortschaften Brandenburgs unternommen. Über 200 Kilometer weit führte die Strecke von Calau bis Chorin, am Tag legten die Young Voices dabei etwa 15 bis 20 Kilometer zurück – alles zu Fuß, und gaben elf Konzerte an unterschiedlichen Orten.

Die beiden Dresdner Agenturgründer hatten die gesamte Tourplanung für dieses Projekt übernommen, inklusive der Organisation von Auftrittsorten, Übernachtungen und Catering. Ein vergleichsweise recht großes Projekt, das nicht nur Musik aufs Land bringt, sondern auch noch den Tourismus fördern soll – und das ebenfalls zeigt, wie lustig das Musikerleben am Ende doch sein kann, wenn man gute Ideen hat und es versteht, diese richtig am Markt zu platzieren.

Von Nicole Czerwinka

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