Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Google+
Künstlerisches Kleinod: Werke Hermann Langes in der Galerie Finckenstein in Dresden

Künstlerisches Kleinod: Werke Hermann Langes in der Galerie Finckenstein in Dresden

In einer Kabinettausstellung erinnert die Galerie Finckenstein an den zu Unrecht vergessenen Maler und Grafiker Hermann Lange (1890-1939) mit einer Auswahl seines umfangreichen Werkes, darunter Zeichnungen, Aquarelle und ein Ölbild.

Voriger Artikel
Böttger-Saal im Dresdner Zwinger zeigt wieder ältestes Porzellan Sachsens
Nächster Artikel
Extremist in Sachen Imagination: Günter Herburger las in Dresden aus seinen kleinen wilden Romanen

Hermann Lange: "Freital (Burgk)", Aquarell.Repro: Galerie

In Galerien und Museen werden Werke von ihm bewahrt, darunter in den Städtischen Kunstsammlungen Freital und in der Städtischen Galerie Dresden, die jüngst ihren Bestand um mehrere Arbeiten Langes erweiterte.

Hermann Lange gilt als ein Vertreter der realistischen deutschen Malerei des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts. Künstlerisch reifte er in den 1920er Jahren und steht zwischen Neuer Sachlichkeit und einer regional aufgefassten, bodenständigen Kunst fern jeder Heimattümelei. Der in Freital wirkende ist hier vorwiegend mit Landschaften (Aquarelle) und Porträtzeichnungen vertreten, die zwar einen kleinen Radius abschreiten, aber dafür durch unverstellte Authentizität, Frische und Klarheit gekennzeichnet sind, manchmal mit einem Hauch Naivität durchsetzt.

Der in armen Verhältnissen groß gewordene Künstler (der Vater war Maurer und Sozialdemokrat) war nach einem Badeunfall linksseitig gelähmt und biss sich dank seines Talentes und seiner Beharrlichkeit bis zu einem Studium an der Dresdner Kunstakademie 1908 durch. Zwei Jahre zuvor hatte er sich als Schüler an der Königlichen Zeichenschule zu Dresden und bei dem Maler Karl Hanusch aus Niederhäslich weitergebildet. Im Jahr 1914 erhielt er eine finanzielle Unterstützung in Gestalt einer Prämie und eines Stipendiums durch die Akademie, 1915 war er Meisterschüler bei Prof. Carl Bantzer und 1918 studierte er bei Robert Sterl. Gegenstand von Hermann Langes Kunst - das kann man gut am Beispiel der Ausstellung in der Galerie Finckenstein nachvollziehen - ist die heimische Landschaft, konkret jene zwischen den Freitaler Stadtteilen Niederhäslich und Burgk, wo er auch eine Zeit lang in einer Arbeitersiedlung wohnte. Wichtig sind die "Fensterblicke", die den Künstler, der nicht gut zu Fuß war, besonders auszeichnen. Lange gab sich dem Motiv ganz hin und fand interessante Bildlösungen, wie bei "Freital (Burgk)", das, angeschnitten, eine Häuserreihe zeigt, vor welcher eine provisorische Holzbrücke für Baumaterial waagerecht aus dem Bild läuft. Der leuchtend gelbe Sandhaufen links im Bild, vor eher tristen Farbtönen, gibt dem Aquarell gleichzeitig Spannung und Ausgeglichenheit. Klare Konturen, fast zeichnerisch, machen die Aquarelle zu Kleinodien.

Durch ihre feine Tonalität und eine fast zierliche farbliche Ausführung werden Langes Bilder auch zu topografisch interessanten Zeugnissen einer sich damals rasant verändernden Landschaftlichkeit. Freital war 1921 zur Stadt geworden und entwickelte sich zu einem Ort der Montanindustrie und des Proletariats. Bei den zahlreichen Porträts, von denen einige gute Stücke in der Ausstellung zu sehen sind, handelt es sich meist um großformatige Kohle/Kreide/Graphit-Zeichnungen im Stil des um die Jahrhundertwende kultivierten Naturalismus, die an seinen Lehrer Richard Müller erinnern.

Mit seiner Frau Margarete wohnte er mitten unter den Arbeitern. Durch ihre Häuslichkeit und Fürsorge gewann der Maler die schlichte Wohnung unter dem Dach und den sie umgebenden Raum lieb, zeichnete und aquarellierte neben der "Straße" (Heimstättensiedlung) blühende Gärten ("Garten mit Rosenstrauch") und Bäume (Poisental), fand aber auch in der Betrachtung einfacher Dinge im Stillleben ("Stilleben mit Glühlampe", Öl, 1926) ein reiches Betätigungsfeld, die ihn mit einigen Arbeiten in die Nähe des Verismus brachten. In diesen Jahren arbeitete Lange als Lehrer an der Gewerbeschule zu Freital, war Mitglied der Künstlervereinigung "Neue Gruppe" 1925 und traf auf den jungen Schlosser Curt Querner, dessen Talent er erkannte und förderte.

Über Hermann Langes Realismus, der zum Teile schon einer heftigen Ablehnung der Kritiker ausgesetzt war, schrieb der Kunsthistoriker Hellmuth Heinz: "...für Hermann Lange war es kein lieblos nüchternes Festhalten des Alltäglichen, sondern tief erlebte Poesie eines Milieus, das der Maler gründlich kannte, weil er ihm entstammte. Lange gestaltete neben seiner kleinen Welt des Gegenständlichen auch das Landschaftliche, das eine große Liebe zu seiner Heimat offenbart...".

Bis 23. Dezember. Galerie Finckenstein, Obergraben 8a, Dresden. Kontakt: 0351/ 2 68 38 35, www.galerie-finckenstein.de, geöffnet: Mo-Fr 11-18 Uhr, Sa 10-15 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.12.2012

Heinz Weißflog

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr