Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Google+
Künstlerinnen der Dresdner Sezession 89 im Dialog - Ausstellung in der galerie drei

Künstlerinnen der Dresdner Sezession 89 im Dialog - Ausstellung in der galerie drei

Sinn zu suchen und Sinn zu stiften bleibt die zeitlose Aufgabe von Kunst in unserer Gegenwart, die von zunehmender Unsicherheit und gesellschaftlicher Irritation geprägt wird.

Voriger Artikel
Das Landesjugendorchester Sachsen feierte 20. Geburtstag in Dresden
Nächster Artikel
Wartungsintensiv und auch sonst unvollkommen: Kati Grasse gibt Tipps zur Männerdressur im Wechselbad

Petra Vohland ließ sich von der Stoffapplikation von Agathe Böttcher, o.T., 1988, inspirieren.

Quelle: Kunstfonds/Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Kunst ist nicht mehr gemeinsames Bindeglied der Menschen, sondern ein Zufluchtsort - ein Schlupfwinkel, zunehmend verbannt in den Bereich des Privaten. Dem entgegenzuwirken war immer schon die Zielrichtung der Dresdner Sezessionistinnen. Es ist nicht das erste Mal, dass eine Zusammenarbeit mit dem Kunstfonds der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Früchte trägt. Zu den verschiedensten Ausstellungsprojekten konnten die Sezessionistinnen auf den großen Sammlungsfundus von nahezu 25000 Werken aller Kunstgenres zurückgreifen, und so wurde die Idee geboren, eine gemeinsame Ausstellung zu inszenieren, indem sich Künstlerinnen der Dresdner Sezesssion 89 jeweils ein Werk einer älteren Künstlerin aus dem Sammlungsbestand des Kunstfonds aussuchen und die Arbeiten in dialogischer Interaktion gemeinsam zusammenführen.

Zu einem wahrhaftigen Dialog gehört ein konzentriertes Zuhören, hier wohl mehr Schauen, das Respektieren des Gegenübers, das Erkennen eigener Gedanken und Emotionen und das Finden einer authentischen Sprache. Ein Dialog ist eine Form einer vertieften Begegnung, bei der sich eigene und fremde Wertvorstellungen berühren. Zwischen den Bildwerken entwickelt sich im Raum ein leises Gespräch, mit Antwort und Rückzug, ja es entspinnen sich Geschichten mit zaghaften Berührungspunkten, Korrespondenzen, ob formal oder inhaltlich. Der poetisch-minimalistische "Eisregen" von Annerose Schulze, Weiß in Weiß, aus Kreissegmenten zuammengesetzt, zart bestickt, auf löchrigem handgeschöpftem Papier, ist ein Gruß der Eiskönigin mit dem Gefühl von Ewigkeit, in Beziehung gesetzt zu einer Radierung von Renate Schubert aus den 70er Jahren, die die Kaskaden des Brunnens auf der Prager Straße thematisieren, vor denen, in sich versunken ein Liebespaar steht.

Die Seidenpapiercollage mit schwarzer Sonne von Christine Heitmann ist dem Paradies auf der Spur. Gegenüber vom Garten Eden behauptet sich ein zartes Aquarell von Elly Schreiter aus dem Jahre 1971 mit Einzeichnungen "In der Manege", hingehaucht wie eine Fata Morgana. Gerda Lepke hat mit dynamischen Pinselstrich ihren Atelierausblick mit Wolkenformationen über einer hügeligen grünen Wiese festgehalten. Sie hat sich eine rosafarbene Computergrafik von Charlotte Sommer-Landgraf aus dem Jahre 2006 ausgewählt.

Die blockhaft erdverbundene Sandsteinskulptur einer Frau mit Eule auf der Schulter von Christa Donner harmoniert mit der so lebendig modellierten Bronzekatze von Etha Richter, die sich vor allem als Tierbildhauerin einen Namen machte. Petra Vohland zeichnete einen Frauenkopf. Sie ließ sich auf eine Stoffapplikation von Agathe Böttcher ein, die eine Pflanze mit Paradiesvogel zeigt. Kerstin Quandt, deren seriellen Werken immer etwas Prozesshaftes eigen ist, war fasziniert von der Radierung "Gesichterwandel" aus dem Jahre 1981 von Monika Scholz, von der Biografisches nicht überliefert ist, außer dass sie im Jahre 1909 geboren ist.. Die Arbeit besitzt den Duktus der 20er Jahre. Man sieht eine einsame Frau mit aufgerissenen Augen, inmitten einer Männergesellschaft, eingeengt und bedroht von einer hohen Häuserschlucht. Kerstin Quandt nennt ihre mehrteilige Arbeit ebenfalls "Gesichterwandel", in genormter chiffrierter Welt nimmt sie Maß und fragt nach dem Maß der Dinge, wobei die Doppelgesichtigkeit von Menschen ebenso thematisiert wird. Die Tuschzeichnung "Fasane" von Gisela Moritz (1956) besticht durch eine am Naturerlebnis geschulte Linienführung, die in die Malerei von Gudrun Tren- dafilov "Flugversuche" überzugehen scheint.

Wie Jutta Damme thematisierte auch Karin Heyne Sport, wobei letztere sich wie die italienischen Futuristen an der Bewegung orientierte. Die Kleinplastik von Gabriele Reinemer, die der Quellnyhmphe Daphne gewidmet ist, steht kleinformatigen Radierungen von Marlies Lilge gegenüber, die sich mit Landschaft und Stillleben auseinandersetzen. "Im Gehäuse" liebäugeln Gepard und Frau miteinander, einem Holzschnitt von Angela Hampel, wobei das Bei-Sich-Sein im Reigen zur Carmina Burana von Gisela Meyer-Dennewitz beschwingt aufgebrochen wird.

Die kubisch versetzte, in sich gedrehte Bronzestele einer Frauenfigur von Susanne Voigt nahm sich Thea Richter als Pendant. Die Radierungen von Kerstin Franke-Gneuß, dynamisch bewegt zwischen Licht und Schatten, bilden einen wunderbaren Kontrast zum fein strukturierten Holzschnitt "Schneeschmelze im Großen Garten" von Renate Schubert (1973). Auch die Landschaft von Ruth Meier, in Holz geschnitten, findet eine Ergänzung im "Strandläufer" von Bärbel Kuntsche. Und was für eine wunderbare Eingebung von Christiane Latendorf, sich der gefesselten Taube von Elfriede Ducke anzunehmen.

bis 24. November, galerie drei, Prießnitzstr. 43, Tel. 0351/8026710. Die-Fr 14-18.30 Uhr, Sa 11-5 Uhr

www.sezession89.de

15.11., 19.30 Uhr, 13. Galeriekonzert mit dem Xavier Trio (Soul/Jazz)

16.11., 19.30 Uhr, Gespräch mit der Leiterin des Kunstfonds Silke Wagler

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.11.2012

Karin Weber

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr