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Künstlerinnen aus Dresden, Altenau und Venezuela in der Galerie Felix

Verteidigung des Aquarells Künstlerinnen aus Dresden, Altenau und Venezuela in der Galerie Felix

„Der Umgang mit den verfließenden Farben gehört zum Schwierigsten in der Malerei“ schreibt Liselotte Rojas Sanoja in ihrem Statement zur jüngsten Ausstellung in der Galerie Felix. Das Metier erfordert umfangreiche Erfahrungen und Kenntnisse aber auch eine besondere Konzentration und Geistesgegenwart.

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Maria Mednikova: Hiddenseer Landschaft (Ausschnitt).
 

Quelle: Repro:Galerie Felix

Dresden.  „Der Umgang mit den verfließenden Farben gehört zum Schwierigsten in der Malerei“ schreibt Liselotte Rojas Sanoja in ihrem Statement zur jüngsten Ausstellung in der Galerie Felix. Das Metier erfordert umfangreiche Erfahrungen und Kenntnisse aber auch eine besondere Konzentration und Geistesgegenwart. Zum Aquarell gibt es mehrere Wege: Einmal im Verfließenlassen der Farbe, ein andermal im genauen Berechnen der einander angrenzenden Flächen, bei dem die Kontur eingehalten werden muss. Nutzt der Künstler beim Verfließen den Zufall, der oft schöne Formen ergibt, so stellt sich beim Abzirkeln eine genau berechnete Formenhaftigkeit dar, die der kolorierten Zeichnung ähnelt. Letzteres scheint mir schwieriger. Die Galerie Felix demonstriert in einer Ausstellung die vielen Möglichkeiten des Aquarells am Beispiel von Handschriften von Künstlerinnen aus Dresden, Altenau (Brandenburg) und Venezuela, die sich unter dem Titel „Als die Farbe ins Wasser fiel“ mit jeweils vier und mehr Arbeiten präsentieren.

Um es gleich zu sagen: Die große Unterschiedlichkeit der Werke mag das optische Erlebnis beeinflussen, das mit einer sensiblen, nicht unumstrittenen Hängung an den Betrachter herangetragen wird. Die Hängung en bloc war in einem Fall aus verschiedenen Gründen nicht möglich: Christine Wahls Stillleben verlangen aber nach einer zusammenfassenden Schau, damit die Opulenz und Intimität ihrer Kunst richtig deutlich werden kann. Handelt es sich doch um Arbeiten mit der größten Dichte und Ausstrahlung im feinen Kolorit der die Formen ausfüllenden Farben. Maria Mednikovas aquarellierte Landschaften von Montenegro bis Hiddensee atmen Weite und Großzügigkeit in kräftigen, herzhaften Farben, ihre Stillleben dagegen bedürften noch größerer malerischer Genauigkeit und Sensibilität. Die Tanzbilder von Mechthild Mansel sind auf schlanke Kürzel reduzierte Bewegungsformen, mit ungewöhnlichen Farben wie Violett und Orangebraun realisiert. Ihre Landschaften (“Im Gestrüpp“, 1998) wurden großzügig und in einen Schwung durchkomponiert, sind bei der Dominanz von Grüntönen gestisch durchdrungen und auf Wesentliches reduziert. Rita Geißler stellt stillere Arbeiten vor: Die epische Breite ihrer Bilder wurzelt in der Fluss-und Meereslandschaft, lyrisch und fast minimalistisch vorgetragen (“Wolken über der Ostsee“, 2009).

Mit Wenigem kommt dagegen das Aquarell „Birken in Anklamer Stadtbruch“ (2015) aus. Es ergibt sich mit dem Weiß der Birken auf violettem Grund eine reizvolle Atmosphäre. Temperamentvoller dagegen sind die Arbeiten von E.R.N.A.: Tanzende Frauen in Ekstase und verschränkter Perspektive, Körper und geheimnisvolle Figurationen, locker vorgetragen und zum Teil erotisierend schön. Katharina Kretschmer zeigt acht szenische Bilder in ihren mit Tusche und Kohle verfeinerten Aquarellen zu dem 1984 durch den israelischen Theatermann Joshua Sobol geschriebenen und 2006 verfilmten Hoolcaust-Stück „Ghetto“, in dem der tragische Überlebenskampf der litauischen Juden in Vilnius beschrieben wird. Die Venezolanerin Helen Mortlock, die bereits in einer Einzelausstellung der Galerie Felix vorgestellt wurde, arbeitet auf relativ trockenem, sehr widerstandsfähigem Papier und mit besonders kleinem Pinsel die Feinheiten der Struktur von Pflanzen, Glas und weißen Stoffen heraus. Ihre genau beobachteten Bilder von wuchernden Pflanzen, deren Motive sie am Wegesrand findet, verströmen südliches Flair und einen Hauch von tropischem Regenwald.

Das Aquarell, das zunächst Studienzwecken und als Vorarbeit für das Ölbild diente (Dürer), entwickelte sich erst im 18. Jahrhundert zu einer eigenständigen Kunstform. Es ist eng verbunden mit Namen wie William Turner, Cézanne, Delacroix und Nolde. Liselotte Rojas Sanojas Anliegen ist es, mit dieser Ausstellung das Aquarell, „das hohes handwerkliches Können erfordert, zu verteidigen, in einer Zeit, in der die zeitgenössische Kunst in Konzepten schwelgt, die den Zugang zu ihr nicht leicht machen“ (L.R.S.).

bis 20. April. Galerie Felix, Pillnitzer Landstraße 7, geöffnet: Di-Fr 15-18, Sa & So 11-13 Uhr, Tel. .0351/ 32 25 57 27

www.galerie-felix.de

Von Heinz Weißflog

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