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Künstler der Lausitz in der Ostsächsischen Kunsthalle in Pulsnitz

Künstler der Lausitz in der Ostsächsischen Kunsthalle in Pulsnitz

60 Künstler aus der Lausitz präsentieren in einem ersten Teil einer umfangreichen Ausstellung in Pulsnitz ihre Werke mit jeweils zwei Arbeiten.

In der Ostsächsischen Kunsthalle des Ernst-Rietschel-Kulturring e.V. wird die Provinz zum Weltmittelpunkt: Der Besucher von überall her erhält einen Einblick in das aktuelle Schaffen und Experimentieren, in die Auseinandersetzung mit Tradition und Moderne vom Realismus bis zur Pop Art und dem Informel. Was hier gewachsen ist, hat durchaus Niveau, wenngleich diesmal eine Vielzahl von Autodidakten beteiligt sind. Lehrer und Ärzte dominieren unter ihnen. Von den Studierten kennt man einen Großteil, weil sie im sächsischen Kunstschmelztiegel an der HfBK Dresden eine Ausbildung erfahren haben. Natürlich spürt man den Abstand von der Weltkunst in einer gewissen Kleinteiligkeit nicht nur im Format. Die Suche nach Ausdruck nimmt viele Anregungen der modernen Kunst auf und spiegelt sie wider. Die Übersetzung ins Regionale gelingt nicht immer.

Die nun zweite Ausstellung im neuen Kunstdomizil nach dem Erfolg der Ausstellung mit Werken von Walter Nessler versucht ein Spagat: Der Lausitzer Kunstraum ist heterogen und von Radeberg bis Zittau relativ disperat ausgeprägt. Viele Künstler wohnen auf den Dörfern, haben dort ihre Ateliers und ihr Refugium gefunden, darunter vor allem die Bodenständigen. Die Städte Bautzen, Bischofswerda, Kamenz (der sorbische Raum), Löbau und die Grenzregionen im Osten bis Dittelsdorf sind Fixpunkte und Schaffensorte von vielen Künstlern zum Teil mit Rang und Namen. Darunter auch junge, unbekannte Künstler, die nach vorn drängen. Bewährte Namen ebenso. Die Lausitzer Kunstregion im "Hinterland von Dresden" offenbart ihre Stärken im Malerischen und im bildhauerischen Experiment im Rahmen einer Traditionalität, wie es einige Arbeiten der Ausstellung deutlich zeigen.

Die Werke der beiden jüngst verstorbenen Maler Jens Hackel und Dietmar Wappler verweisen schon auf die Bandbreite der künstlerischen Auffassungen: Hier das traditionelle Stilleben mit seinem feinfühligen Bau aus Flaschen, Vasen, Gläsern und Töpfen in einer sensiblen tonigen Farbigkeit, dort der der Popart verwandte "Stier" im Großformat, zweiseitig auf Folie mit auffälligem Schwarz und Rot bemalt und von beiden Seiten begehbar. Dazwischen bewegen sich alle künstlerischen Äußerungen, angefangen mit den verträumt-schwärmerischen ortsgebundenen Landschaften von Falk Nützsche aus Bischofswerda, die in einer Staffelung von vorn nach hinten Nähe und Ferne zusammenbinden. Zusammen mit Rolf Werstler war Nützsche Schüler des Radeberger Malers Rosso Majores. Mit Jens Hackel gründeten die drei die "Freie Gruppe Oberlausitz". Werstlers Themen spannen sich zwischen Meer (vor allem der Ostsee), auf Reisen aufgenommenen Motiven und bodenständigen Zitaten in der Besinnung von in Dresden gewachsener Kunst (T. Rosenhauer), wie das Ölbild "Weißbrot mit Äpfeln". Lutz Jungrichters Stilleben mit "Schlachtabfall" und "Verpackte Gegenstände" finden zu einer drastischen, fast surreralen Ausdrucksweise in veristischer Manier. Almut Zielonkas Stadtlandschaften mit ihren kubisch gebauten Räumen widmen sich der Einsamkeit und Verlorenheit des Menschen in der Großstadt zwischen Aufbruch und Niedergang.

Der Sorbe Jan Buck aus Nebelschütz wählt die eher dunklen Stimmungen. In seinen beiden Ölbildern von Fischen und Parks bedient er sich einer expressiven, leicht abstrahierenden Darstellungsweise. Zwei frühe Ölbilder von Werner Juza (Wachau) brechen mit der Idylle des sächsischen Dorfes. Leicht ironisch und düster ist die Hommage an den Wald mit seinen sterbenden Bäumen. Die bekannte Grafikerin Thea Kowar aus Ringenhain stellt sich mit Lithografien zum Roman "Hundert Jahre Einsamkeit" des kolumbianischen Schriftstellers G.Garcia Marquez vor. Gottfried Zawadzkis Mischtechnik "Roter Abendhimmel" schwelgt in der Kraft der Elemente und folgt seinem Konzept vom Werden und Vergehen, der Schöpfung, die sich in Natur und Kosmos verkörpert. Unter anderem für Geschichtsprozesse, Kalligrafie, Judentum und Archaik interessiert sich auf ganz eigenwillige Art Günter Tiedeken. Seine Mischtechniken vom "Selbst VII" und "Jäger" (beide 80er Jahre) spiegeln den Zweifel am Leben, das Suchen des Menschen und die Hinfälligkeit der Existenz vom Anbeginn seiner Geschichte. Archaik und Moderne berühren sich immer wieder.

Im Großformat präsentiert Christoph Wetzel das Ölbild "Der Violinenvirtuose Albrecht Menzel". Die außerordentliche Nähe zum Menschen wird durch einen scharfsichtigen, sezierfreudigen Verismus verstärkt. Reizvoll und altmeisterlich wirken die beiden Kreide- bzw. Kohlezeichnungen, darunter ein weiblicher Akt, der ganz mit dem floral wirkenden Mantelstoff verschmilzt und sich ihm anvertraut.

Mit Collage und Exlibris beschäftigt sich der Neugersdorfer Grafiker Peter Israel. So nimmt er in seinen ihnen die skurrile Welt der Verwandlung auf, bei der er die Dinge schließlich auf den Kopf stellt (der "Heilige Sebastian" wird mit Injektionsspritzen traktiert). Frühe Schwarz-Weiß-Fotografien von Evelyn Richter (Neukirch) erzählen von DDR-Tristesse und Leere in einer deprimierenden Stadtlandschaft, die von heute aus gesehen durchaus ihren eigenen Charme hat. Die Welt der Industrie hat der Fotograf Jürgen Matschie abgelichtet. Man begegnet ihr in den Maschinenräumen des Kraftwerkes Boxberg und ist überrascht von der surreal anmutenden Struktur aus Rohren und Armaturen. Barbara Wiesner vereint Bild und Skulptur in ihrer dreiteiligen Tafel "Sinnende" (2009) aus bemaltem Mahagoniholz. Der Bildhauer Jürgen Cominotto hat seine Terrakotten bemalt: Zwei Köpfe Haupt an Haupt in Janushaltung ("Talking Heads") und einen Traumkopf mit einer Venus auf der Stirn ("Luna"). Stark regional bezogen ist die Bronzebüste der Gräfin Cosel (Leihgabe aus dem Stolpener Museum) von Detlef Herrmann sowie seine "Kleine Hockende" aus Stolpener Basalt.

Bis 4. November. Ostsächsische Kunsthalle des Ernst-Rietschel-Kulturring e.V. Pulsnitz, Robert Koch Str. 12. Anfahrt über Helios-Kliniken. Do, Fr, So 14-17 Uhr. Tel. 035955/4 42 46.

www.ostsaechsische-kunsthalle.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.10.2012

Heinz Weißflog

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