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"Kronjuwelen": Sachsen lädt zu den 20. Silbermann-Tagen u.a. nach Freiberg, Dresden ein

"Kronjuwelen": Sachsen lädt zu den 20. Silbermann-Tagen u.a. nach Freiberg, Dresden ein

Angesichts der Tatsache, dass die von Gottfried Silbermann für den Freiberger Dom gebaute Orgel 2014 ihr 300-Jähriges feiert, sind 20. Silbermann-Tage eine wahrlich kurze Zeitspanne, aber dennoch Grund genug, auch das kleinere Jubiläum zu feiern.

Es geht, wie Albrecht Koch, Freiberger Domorganist, Künstlerischer Leiter der Silbermann-Tage und Präsident der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft, betont, immer um Erneuerung, um Kreativität, um Musikalität, damit das kunst- wie musikhistorisch so wertvolle Erbe auch im 21. Jahrhundert lebendig gehalten und mit anderen Facetten stets wieder neu erfahrbar wird. Also setzen er und das Team, das die Silbermann-Tage organisiert, sowohl auf Tradition als auch Aufbrüche, auf Ungewöhnliches und neugierig Machendes, verbinden Internationalität mit der starken und wichtigen Verwurzelung einer Kultur in ihrem über die Jahrhunderte gewachsenen Umfeld.

Am 4. September beginnen sie, die diesjährigen Silbermann-Tage, die seit 2010 im jährlichen Wechsel mit dem Musikfest Erzgebirge stattfinden und die der Freistaat Sachsen mit 40 000 Euro fördert. In der Kirche Reinhardtsgrimma, eingebettet in die liebliche, den Künsten aufgeschlossene Landschaft, gastieren das 2003 in Moskau gegründete "pratum integrum baroque orchestra" und die Solisten Sergei Filtchenko (Violine), Susanne Regel (Oboe) und Hans Fabius (Orgel).

Das Festival, das 1978 in staatlicher Regie zum ersten Mal durchgeführt wurde, bietet in seiner 20. Ausgabe bis zum 15. September hochkarätige Konzerte, den XI. Internationalen Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerb, Exkursionen, Familienprogramm und mehr. Im Mittelpunkt stehen die barocken Instrumente des sächsischen Hof- und Landorgelbaumeisters Silbermann (1683-1753), die Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) "Kronjuwelen sächsischer Orgelbaukunst" nennt.

Erstmals aber, so Albrecht Koch, soll in diesem Jubiläumsfestival das Silbermannsche Schaffen insgesamt gewürdigt werden, also neben seinen Orgeln auch Hammerflügel und Cembalo zum Einsatz kommen. Denn in seiner Werkstatt am Freiberger Schlossplatz schuf der Meister neben 45 Orgeln - von denen 34 heute noch erhalten sind - mehr als 200 besaitete Tasteninstrumente. Mit der Weiterentwicklung der zu seiner Zeit neuen Hammerklavier-Mechanik habe Silbermann, so Koch, einen bedeutenden Beitrag zur Verbreitung und Entwicklung der Klaviermusik als neuer Musikgattung beigetragen. Auch der große Johann Sebastian Bach wusste das zu würdigen.

Und so zählt der heute gefeierte Pianist und Cembalist Andreas Staier zu den Gastkünstlern der Silbermann-Tage 2013 und wird auf Nachbauten eines Flügels des Italieners Bartolomeo Cristofori, der als Erfinder des Klaviers gilt, und eines Silbermann'schen Hammerflügels Werke u.a. von Bach und D. Scarlatti spielen, am 14. September im Atrium der Uhrenmanufaktur Glashütte. Im in Glashütte ansässigen Deutschen Uhrenmuseum wird am 2. September anlässlich der 20. Silbermann-Tage die Sonderausstellung "Klingendes Erzgebirge - Reichtum einer Landschaft" eröffnet. Neben dem Orgelbau befasst sie sich mit den historischen Hammerflügeln Silbermanns und Cristoforis und stellt eine Verbindung zum Uhrmacherhandwerk her, das die Stadt an der Müglitz überall in der Welt bekannt gemacht hat.

Das Cembalo steht im Mittelpunkt des Konzertes der Französin Céline Frisch, die am 10. September auf Schloss Augustusburg musizieren wird. Zu den insgesamt 16 Konzerten an zwölf Orten gehören "Silbermann.theatralisch" mit dem Stuttgarter Komponisten und Organisten Jürgen Essl und "bildhaften" Werken von Scheidemann, Kuhnau, Kerll und Essl (5.9., Freiberg, Dom) und "Romantisch: Cello und Orgel" mit dem Cellisten Jan Vogler und dem Organisten Albrecht Koch (6.9., Annaberg-Buchholz, St. Annenkirche). "Klang.Zeit.Raum" widmet sich der Organist und Komponist Michael Radulescu, der auch Vorsitzender der Jury des diesjährigen Orgel-Wettbewerbs ist, an dem großen Instrument der Dresdner Kathedrale (9.9.), der Orgel, die Silbermanns größte und letzte werden sollte und deren Vollendung 1755 der Meister selbst nicht mehr erleben konnte.

"Silbermann.Jazz" mit dem Leipziger Gewandhausorganisten Michael Schönheit und dem Thomas-Gabriel-Trio erklingt in der Freiberger Jakobikirche (11.9.), und im Dom der sächsischen Bergstadt erinnert der Franzose Michel Bouvard (Orgel) an das (verpasste) musikalische Duell Bach - Marchand (12.9.).

Das Programm "Bach im Kontext.Vater unser im Himmelreich" mit dem Gesualdo Consort Amsterdam widmet sich Bachschen Kantaten und Motetten (13.9., Stadtkirche Zöblitz); einen Kantatengottesdienst u.a. mit dem Freiberger Domchor gibt es am 15. September in Jakobi Freiberg, der von Óscar Payá, Preisträger des 1. Internationalen Meisterkurses "dirigieren.interpretieren" des Musikfestes Erzgebirge 2012, geleitet wird. Und zum Abschluss des Festivals singt der Leipziger Thomanerchor unter Thomaskantor Georg Christoph Biller im Freiberger Dom (15.9.), mit dabei werden dann auch die Preisträger des XI. Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerbs 2013 sein.

Jubiläen soll man mit Jung und Alt, Groß und Klein feiern: Am 7. September wird dies zünftig in der Silbermann-Stadt Freiberg getan. Am Nachmittag drehen sich Musik und Gespräch im Dom natürlich um die "Königin der Instrumente"; danach setzen "Bach.Nyman.Glass" mit dem sonic.art Saxophonquartett (Konzerthalle Nikolaikirche) und "Silbermann.lounge" (Dom) mit Daniel Beilschmidt (Orgel) und Johannes Malfatti (Live-Elektronik und Sound) das Festprogramm fort. Beide Gastspiele werden Hörgewohnheiten aufbrechen, besonders mit Klangfarben arbeiten und auf jeden Fall Spannung bringen.

Am Morgen des 8. September gibt es einen von mdr figaro live übertragenen musikalischen Gottesdienst aus der George-Bähr-Kirche Forchheim; in Frauensteins Stadtkirche beginnt 10 Uhr ein Familiengottesdienst, ab 11 Uhr laden Burg, Silbermann-Museum und Stadtkirche zum Familientag ein, den 16 Uhr das Konzert "Ich öffne die Tür weit am Abend" mit dem Liedermacher Gerhard Schöne, dem Saxophonisten Ralph Benschu, Jens Goldhardt (Orgel) und Kurrendekindern des Erzgebirges krönt.

Außerdem sind zu den 20. Silbermann-Tagen besondere Begegnungen geplant: Im Rahmen eines Ziel3-Projektes zur Förderung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit organisiert die in Freiberg ansässige Gottfried-Silbermann-Gesellschaft thematische Exkursionen, bei denen Orgelfreunde aus Deutschland und Tschechien die böhmisch-sächsische Orgellandschaft entdecken und darüber in einen Austausch treten können (Informationen und Anmeldung unter Tel. 03731/2 06 53 69). Dazu kooperiert die Silbermann-Gesellschaft mit dem "Verein zur Rettung der St. Bartholomäuskirche zu Smolnice".

Kartentelefon: 03731/2 06 53 69

www.silbermann.org

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.09.2013

Kerstin Leiße

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