Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Google+
Krieger ohne Krieg - Dead Western am Sonnabend in der Scheune Dresden

Krieger ohne Krieg - Dead Western am Sonnabend in der Scheune Dresden

Und es begab sich, dass im US-amerikanischen El Cajon/Kalifornien vor 33 Jahren ein Junge namens Troy Daniel geboren wurde. Es ist keine geheime Stadt, wie es in der kunsterzieherischen TV-Sendung "Secret City" hieß, El Cajon ist nur eine kleine Stadt.

Voriger Artikel
Schönheitskur für Königsdenkmal vor Dresdner Semperoper
Nächster Artikel
Fehlende Sternstunden

Der Amerikaner Troy Daniel Collins alias Dead Western tritt oft mit Indianer-Bemalung auf die Bühne.

Quelle: PR

Und Troy Daniel verlässt eines Tages nicht nur diese Stadt, sondern zugleich Mutter und Vater Collins, die ihm Glück wünschen auf dem Weg und wissen, dass sie den umtriebigen Junge eh nicht würden halten können. Teenie Troy Daniel geht und fühlt sich stark im nächstgrößeren Sacramento, wo er bleiben wird. Und nennt sich demgemäß Troy Mighty. Es wird ein paar Jahre dauern, bis er sich hinter dem nächsten Pseudonym versteckt.

Als Dead Western hat er bis zum Sommer 2013 drei CDs und ein paar 7-Inches herausgebracht. Bis zur ersten aber taucht Troy zunächst ein in die heilsame, manchmal unheilvolle, auf alle Fälle grelle Welt der Comics, die ihn inspiriert, selbst künstlerisch tätig zu werden: Er gestaltet CD-Hüllen, T-Shirts und Tourposter. Nebenbei wird gedichtet.

Bis 2008 "Soften Your Screams Into Sings" erscheint, gefolgt von "Suckle At The Supple Teats Of Time" (2010). Zur zweiten Platte ist dann auch das Dresdner Label Discorporate Records an Bord, packt Dead Western ins überaus "wertige" Portfolio und übernimmt speziell die Infizierung des deutschsprachigen Raums mit dem hoch spannenden, sehr eigenwilligen Folk, ja, Folk des Troy Daniel Collins aus Sacramento, U.S.A. Der wiederum ist längst auf Weltreise, spielt unzählige Konzerte in Clubs, Cafés, Plattenläden. Auch in Dresden.

Die aktuelle Tour von Dead Western ist eine als Trio. Sie begann Mitte Juni in Prag, führte nach Italien, Holland, Spanien, in die Schweiz und zurück nach Dresden, wo sie mit einem Auftritt in der Scheune beendet wird. Hier sollte am kommenden Wochenende eigentlich ein weiteres Philosophiefestival stattfinden. Das wurde abgesagt, weil es "organisatorische Probleme" gegeben hätte. Schön, dass wenigstens das Konzert von Dead Western bleibt und somit das Motto des Festes - "Denkfiguren" - in Ehren gehalten wird. Mutmaßlich ist Troy wieder bemalt im Gesicht. Wie ein Indianer. Wie ein Krieger ohne Krieg.

Dead Westerns Konzept eines Dunkel-Folks hat sich auch auf der aktuellen CD "Everything, Eternally" kaum bis nicht verändert. Wissend, dass er vor allem mit seiner verwittert-sonoren Stimme immense Wirkung erreicht, einem Bariton, der klingt, wie Zeitlupe aussieht, verzichtet Troy Mighty weiter auf Strophe-Refrain-Strophe-Schemen, setzt nicht einmal Fließreime, sondern ist zehn Stücke lang ein herber Erzähler, der über brillantes Licht, alles Nötige uns herum, über Heimkehr und Kollaps, eigene Wege, kleinste Dinge, alte Zeiten parliert. "Meine Texte", sagt er, "sind Amalgam aus dem, worüber ich nachdenke, und dem, worüber ich nachdenken sollte. Durchaus abstrakt. Ein Deal zwischen Gedanke und Energie. Die Stücke sitzen manchmal für Monate in mir, bis die nächsten Worte kommen." Wenn sie ein jeder dann frei interpretiere, sagt Troy Mighty noch, sei ihm das recht.

Die Arrangements sind wieder von feiner Finesse. Um schlichte akustische Saiten paaren sich gedoppelte Psycho-Violinen, mal ein Glockenspiel, mal eine Bassklarinette, mehr Percussion als Schlagwerk. Die Tempi bleiben gebremst, die Narkotika im Anschlag. Dead Western schafft im Verein mit Anup Pradhan, Kevin Corcoran, Caley Monohan-Ward und Jon Bafus den Spagat zwischen zärtlicher Berührung und sperriger Unnahbarkeit, zwischen Pathos und fragilem Kunstlied. "Schönes Schaudern" haben wir das mal genannt. In allem aber geht es Troy Mighty darum, alles Angestrengte aus seiner Musik zu verbannen. Im Fließen und Mäandern liegt seine Kraft. Im Rätsel auch, im Ungelösten, denn wo sollen wir hin mit all den Antworten?

Ein Troubadour der Neuzeit. Einer, der nicht von allen feinen Sinnen ist. Einer, der die Vergleiche - zu Cave, Walker, Waits - nicht zu scheuen braucht, dem man aber mit einem ausgewiesenen Alleinstellungsmerkmal am nächsten kommt.

iDead Western Trio: Scheune, Alaunstr. 36-40; Sonnabend um 21.30 Uhr, Tickets an der Abendkasse: 7 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.07.2013

Andreas Körner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr