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Krieger ohne Gesicht - Werkschau der Bildhauerin Hede Bühl in der Galerie Beyer Dresden

Krieger ohne Gesicht - Werkschau der Bildhauerin Hede Bühl in der Galerie Beyer Dresden

Hede Bühl (geb. 1940 in Haan bei Düsseldorf) gehört zur Generation der Kriegskinder. Ihr Vater blieb im Krieg. Das Trauma der Gesichtslosigkeit beschäftigte sie vornehmlich als Künstlerin.

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Hede Bühl: Wächter (1977).

Quelle: Heinz Weißflog

Vor allem in den frühen Arbeiten, die z.B. in ihrem unprätentiösen Denkmal für Kriegsopfer der Nazizeit auf dem Burgplatz in Duisburg einen Höhepunkt fanden, beginnt eine intensive Beschäftigung mit Schuld und eigenen Ängsten. Ihre großen Krieger-Büsten und andere Köpfe artikulieren das Trauma, einige tragen kreuzförmige Binden um die Augen, sind in Kokons eingeschnürt oder weisen große Gesichtsdeformationen auf. Hede Bühl hat in der Klasse von Joseph Beuys an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf von 1958-53 Bildhauerei studiert, neigte aber früh dem eher feingliedrig und sorgfältig an der Form arbeitenden, in der Tierplastik bewanderten Ewald Mataré zu, in dessen Atelier sie 1963-65 arbeitete.

Mit der ersten Ausstellung von Hede Bühl in Sachsen überhaupt gibt die Galerie Beyer einen Werküberblick über ihre Kunst in der Zeitspanne von 1977-2005. Gezeigt werden mittelgroße Plastiken und Skulpturen, zum Teil aus mit Blei ummantelten Gips, Bronzen, Steine (Diabas und schwedischen Granit) sowie Malerei (Pastelle auf Teerpapier), in denen sie sich mit dem Thema "Kopf" auseinandersetzt. Der Kopf als Sitz des Bewusstseins wird zum neuralgischen Punkt im Schaffen von Hede Bühl, die Form vom Schädel abstrahiert. In jüngster Zeit entstanden monumentale, über zwei Meter hohe Rundplastiken aus poliertem Metall (sie konnten wegen ihrer Größe nicht in der Galerie gezeigt werden), bei denen der Ausdruck stark formalisiert und reduziert wurde. Plötzlich, so glaubt man, ist eine neue Dimension in ihrer Arbeit erreicht. Die Erinnerung an Krieg und Nachkrieg scheinen abgearbeitet. Aufgesockelt präsentieren sich die Köpfe und Urnenformen in dunkler, fast bedrohlicher Gebärde. In ihrer martialischen Expressivität erinnern sie an die Skulpturen von Lothar Böhme, mit dem Hede Bühl eine jahrelange Künstlerwahlverwandtschaft verbindet. Durch ihn wurde Bernd Beyer 2007/08 während einer Ausstellung der Akademie der Künste Berlin auf Hede Bühl aufmerksam.

Mittelpunkt der Ausstellung bei Beyer bildet die übergroße Kopfskulptur "Bocca" (zu dt. Mund) von 1983. Eine zentrale Arbeit auch im Werk der Bildhauerin. Die stark deformierte Form macht geltend, dass die Auseinandersetzung mit Vergangenem in den 80er Jahren anhielt, aber bereits Formenreduzierungen vor sich gehen, freier aufgefasst, sich fast verselbstständigt haben. Der "Wächter" (1977) dagegen ist eine muskulöse Kriegerfigur ohne Gesicht, dem heroische Form und Heldenverehrung abhanden gekommen sind. Blind steht er da wie alle von ihnen, entmachtet und ohne Individualität. Einflüsse von Brancusi, asiatischer Kunst und des Buddhismus wirken in den Prozess der Formenfindung hinein. Archaisches gewinnt eine formbildende Dimension, Vereinfachung tritt auf den Plan. Bei den Köpfen im hinteren oberen Raum der Galerie mutiert der Kopf zur Urne mit feinen funeralen Gravuren, Strichen und Einschnitten. Der große Bronzekopf von 1988 (4/4) dominiert den hinteren unteren Raum, in dem sich auch zwei fein polierte Steine befinden. Die Pastellmalerei auf Teerpapier ist sowohl Orientierung für das plastische Schaffen als auch selbstständige Äußerung zum Thema. Die Blätter sind großformatig und durch heftige, die Kontur umfassende, abtastende Strichformationen gekennzeichnet und als Kopf noch zu erkennen. Rote, ockerfarbene und schwarze Lineaturen bezeichnen streng und bindenartig den jeweiligen Kopf.

iBis 27. Juli, Galerie Beyer, Saitenstraße 4b. Mi.-Sa. 15-20 Uhr und nach Vereinbarung, Tel. 0351/89 96 00 75

www.galerie-beyer.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.07.2013

Heinz Weißflog

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