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Kribbelnde Ausstellung in Dresden - Senckenberg zeigt die Welt der Spinnen

Kribbelnde Ausstellung in Dresden - Senckenberg zeigt die Welt der Spinnen

André Reimann hält Spinnen für ideale Haustiere. „Man kann getrost in den Urlaub fahren. Die kommen mehrere Wochen ohne Nahrung aus“, sagt der Biologe. Der 36-Jährige ist Sammlungsmanager bei den Wirbellosen Tieren im Dresdner Senckenberg Museum.

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Eine präparierte Walzenspinne (Solifugae) auf der Hand einer Mitarbeiterin der Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen. (

Quelle: Arno Burgi)

In seinem Büro ist er von etwa 12.000 Spinnen umgeben. Die lagern in Alkohol konserviert in gläsernen Gefäßen. Wenn lebende Exemplare wie Zitterspinnen oder Winkelspinnen auftauchen, regt sich in Reimann kein Jagdtrieb. Nie würde er dem Reflex vieler Menschen folgen, Spinnen zu zerdrücken oder mit dem Staubsauger zu entfernen.

Im Fall seiner eigenen Haustiere ginge das auch schwerlich. Daheim hat Reimann acht Vogelspinnen - kein ungewöhnliches Geschenk in seinem Bekanntenkreis. „Wenn sie sich vermehren, hat man plötzlich 500 Vogelspinnen und ein kleines Platzproblem.“ Irgendwie findet er die behaarten Spinnen sogar kuschelig. „Wenn man sie streichelt, fühlt sich das wie Plüsch an“, bestätigt Senckenberg-Pressesprecherin Birgit Walker. Doch Reimann ist Profi genug, Tiere nicht zu vermenschlichen und hat auch Respekt. „In manche Terrarien fasse ich nicht rein. Der Biss einer Vogelspinne ist extrem schmerzhaft.“

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Aufbauarbeiten für eine neue Sonderausstellung, die sich dem Thema Spinnen widmet.

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Derzeit bereiten Reimann, Walker und die Biologin Katrin Schniebs eine Schau vor, die unter dem Titel „Faszination Spinnen“ von Freitag an im Japanischen Palais in Dresden zu sehen sein wird. Tatsächlich gibt es so viele interessante Details, dass man sich der Spinnen-Welt nur schwer entziehen kann. Wer weiß denn schon, dass diese Insekten mit acht Augen schauen oder wie etwa Wurfnetzspinnen über „Nachtsichtgeräte“ verfügen. Es gibt Spinnen, die kleine Frösche fressen, und es gibt Arten, die auf dem Wasser laufen und mit Klauenschlägen Jungfische angeln.

Bei der Jagd nach Beute wird ein ganzes Arsenal an Tricks und Techniken verwendet. Da geht es bei weitem nicht nur darum, die Opfer im Netz sich verheddern zu lassen und auszusaugen. Die tropischen Wurfnetzspinnen schleudern ein extra gesponnenes Netz auf die spätere Mahlzeit. Lassospinnen fangen ihre Beute mit einem etwa fünf Zentimeter langen Faden, an dem eine Art Leimtropfen klebt. Springspinnen schleichen sich an und kommen dann wie Kung-Fu-Kämpfer angeflogen. In jedem Fall wird das Opfer mit einem giftigen Biss gelähmt und so zur Verdauung vorbereitet. Auch hierfür haben Spinnen ein spezielles Verfahren entwickelt, wie die Ausstellung veranschaulicht. Da ihr Mund - anders als der von Schlangen - nur sehr klein ist, muss zunächst ein Verdauungssekret in das Opfer gepumpt werden. Später wird die Beute als Flüssignahrung wieder eingesaugt. Bei manchen Arten ist das ein aufwendiges Verfahren. So braucht eine Zitterspinne bis zu 16 Stunden, um eine Mücke restlos leer zu saugen.

Auch bei der Fortpflanzung geht es bisweilen rustikal zu. Da gibt es Männchen, die sich nach der Paarung als Nahrung anbieten, um beim Weibchen überhaupt zum Zug zu kommen - auch wenn das Ende bitter ist. Das Netz einer Spinne ist eine Wissenschaft für sich und ein wahres High-Tech-Produkt. Reimann zufolge kann die Zugfestigkeit eines Spinnenfadens viermal so hoch wie die von Stahl sein. In einigen Regionen der Erde wurden sie einst zum Fischfang genutzt. Die Dehnbarkeit der Netze ist extrem. Wenn ein Insekt darin landet, schnellt es keineswegs mit gleicher Geschwindigkeit zurück - andernfalls könnte die Beute leicht wieder aus der Falle katapultiert werden. Die Spinne lagert in den Knotenpunkten des Netzes „Reserveschnur“ ein, um das Netz so geschmeidig zu machen.

Ein Kapitel der Ausstellung befasst sich mit dem Ekel vieler Menschen vor Spinnen. Im Mittelalter wurden sie mit Teufel und Hexen in Verbindung gebracht, so mancher Gifttrank kam nicht ohne Spinnen- Zutat aus. Katrin Schniebs hat selbst an Arachnophobie - der Angst vor Spinnen - gelitten, aber erfolgreich eine Selbsttherapie gemacht. „Heute kann ich manche Spinnen zumindest auf die Hand nehmen“, sagt die Wissenschaftlerin. Das Unheimliche an Spinnen führt sie vor allem auf deren ruckartige Bewegungen und die Lautlosigkeit zurück. Auch die acht Beine der Spinnen sind für Zweibeiner offenbar zu viel.

In manchen Kulturen allerdings sind Spinnen positiv besetzt. Nach einem russischen Aberglauben etwa darf man keine Spinnen in der Wohnung töten, weil erst sie das Geld ins Haus brächten. In Südostasien haben viele Menschen sie zum Fressen gern - als Delikatesse liefern sie Eiweiß und Ballaststoffe. Auch mit manchem Missverständnis räumt die Dresdner Schau auf. Beispielsweise hat das Sprichwort „Spinne am Morgen bringt Kummer und Sorgen“ so gar nichts mit den Achtbeinern zu tun. Vielmehr ging es um die Armut jener Menschen, die früher mit Wollespinnen ihr täglich Brot verdienen mussten.

Von Jörg Schurig, dpa

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