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Kreuzchor lässt Edward Elgars "The Dream of Gerontius" bei den Dresdner Musikfestspielen erklingen

Kreuzchor lässt Edward Elgars "The Dream of Gerontius" bei den Dresdner Musikfestspielen erklingen

Mit der alten Größe des britischen Empires, das den diesjährigen Dresdner Musikfestspielen den Titel gibt, bringt man musikalisch wohl am ehesten den Namen Edward Elgar in Verbindung.

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Auftaktkonzert in der Dresdner Kreuzkirche.

Quelle: Oliver Killig

Doch unter Elgars Werken ist gerade das 1900 entstandene Oratorium "The Dream of Gerontius" auf den Text von John Henry Kardinal Newman (1801-1890) eins der Stücke, das der Vorstellung vom "Empire" am wenigsten entspricht. Diese großangelegte Meditation über das Thema Tod, über das Seelenheil und die Begegnung mit Gott aus katholischer Sicht scheint, vergleichbar dem hiesigen spätromantischen Gegenstück - Brahms' "Ein deutsches Requiem" - nur im kirchlichen Jahreskreis platziert so wirken zu können, wie vom Komponisten gemeint. Dem Festivalpublikum war mit dem Dresdner Bass René Pape ein international renommierter Solist angekündigt, doch dieser fiel krankheitsbedingt aus. In Alastair Miles fand sich ganz kurzfristig ein grandioser Ersatz, und Miles wurde mit seiner Deutung der Basspartie auch zum musikalischen Kristallisationspunkt des Konzerts in der Kreuzkirche.

Erfreuliches bot die von Kreuzkantor Roderich Kreile geleitete Aufführung noch mehr. Die beiden Chöre, der Dresdner Kreuzchor und Vocal Concert Dresden (Einstudierung: Peter Kopp) schmolzen klanglich ideal zusammen und präsentierten ein tadellos fundiertes, abgerundetes wie frisches Klangbild. Stimmlich gab es nichts zu deuteln, vom oft nötigen Piano bis zum wuchtigen Ausbruch war alles präsent. Ebenso mühelos überzeugte das Spiel der Janácek Philharmonie Ostrava. Das Orchester brachte neben der notwendigen Fülle und Tragfähigkeit viele feine Farben samt fast immer vorbildlicher Intonation und Spielfreude ein. Mit mehr Differenzierung und Impulsen von Seiten den Dirigenten wäre dieses Potential noch tiefer auszuschöpfen gewesen.

Auch wenn für Elgar und den Librettisten der Widerstreit zwischen einem modernen Menschenbild und der katholischen Betrachtung des Sterbens nicht zentral gewesen sein dürfte, schieben sich für die heutige Interpretation des Oratoriums als quasi Konzertstück die inhaltlichen Mühen des Textes in den Vordergrund. Solche Konflikte ganz bewältigt zu haben, ließ sich unter den drei Solisten nur dem eingesprungenen Alastair Miles (Priester, Todesengel) bescheinigen, der mit Eindeutigkeit Text und Musik zusammenfasste. Miles' beindruckender Stimme entsprach der warme und bis in die Höhe klare Mezzosopran von Marlene Lichtenberg (Engel). In der Titelpartie hingegen war Tomás Cerný mit seinem lyrischen Tenor öfter überfordert, so dass sich der erste wirkungsvoll konturierte Moment spät mit dem Auftritt des Priesters entwickelte. Also fast am Ende des ersten Teils. Stimmiger konnte Roderich Kreile dann den zweiten Teil gestalten, in dem die großen, expressiven Chorpassagen über die weniger ausdrucksvollen Passagen der Tenorpartie hinweg halfen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.05.2013

Hartmut Schütz

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