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Kreml-Schätze ab morgen im Dresdner Schloss zu sehen

Kreml-Schätze ab morgen im Dresdner Schloss zu sehen

Manchmal vergisst man fast, dass der Moskauer Kreml nicht nur Regierungssitz, sondern auch ein riesiger Museumskomplex ist. Eine Auswahl der dort behüteten Schätze - 140 Exponate - zeigt ab morgen eine Ausstellung im Dresdner Residenzschloss.

Sie ist gewissermaßen ein Gegenbesuch, war 2006 doch das Grüne Gewölbe der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit dem "Juwelenkabinett Augusts des Starken" zu Gast im Kreml. Für die nach Dresden gekommenen Preziosen wurden wieder einmal die noch im Rohbau befindlichen Paraderäume in Dienst genommen. Unter stark gedimmtem Licht entfalten hier Kunstwerke ihre Pracht, die einen Jahrhunderte langen Austausch zwischen Orient und Okzident spiegeln. Dunkles Kreml-Rot für Bespannungen und Teppiche vor und auf den rohen, fast schwarz wirkenden Wänden und Böden verleihen Gold und Silber wie auch unterschiedlichen Farben besonderen Glanz.

Orientalische Einflüsse spürbar

Die Exponate machen die einstige Bedeutung des Kreml als Kreuzungspunkt westlicher und östlicher Kulturen in anschaulicher Weise bewusst. Besonders gilt dies für die Zeit zwischen den Herrschaftsperioden Iwan des Schrecklichen und Peters des Großen. Iwan IV. (1530-1584) hatte sich 1547 zum Zaren erhoben und Russland mit despotischer Hand gestärkt. Peter der Große (1672-1725) dann setzte eine Zäsur, was die Bedeutung des Kreml betrifft, verlegte er doch 1712 die Hauptstadt Russlands nach Westen, ließ an der Newamündung das nach ihm benannte Sankt Petersburg erbauen. Damit zogen auch viele der Kunsthandwerker, die in den Kremlwerkstätten arbeiteten, dorthin. Das kulturelle und künstlerische Leben (natürlich auch das Machtzentrum Russlands) entwickelte sich fortan verstärkt im Austausch mit Westeuropa. So fasst das Motto der Schau "Zwischen Orient und Okzident. Schätze des Kreml von Iwan dem Schrecklichen bis Peter dem Großen" diesen Kontext zusammen.

Prunkvolle Erwerbungen und Geschenke, die von Gesandten übergeben wurden, lassen etwas von jener Macht und jenem Reichtum der russischen Zaren aufscheinen, die sie im politischen und wirtschaftlichen Gefüge zwischen Europa und Asien eine bedeutende Rolle spielen ließen, was dem heutigen Betrachter oft kaum bewusst ist. In den Kremlwerkstätten wiederum ließen sich Kunsthandwerker von den unterschiedlichsten Einflüssen inspirieren, schufen Kostbarkeiten, die Europäisches, Orientalisches und Altrussisches miteinander verbanden. Von beidem lassen sich in der in fünf Kapitel gegliederten Schau interessante Beispiele finden: Besonders in den ersten Sälen spürt der Besucher den starken orientalischen Einfluss, der sich an den Austausch mit dem Osmanischen Reich, aber auch Persien knüpfte. Gleichwohl ist auch hier Europa präsent - etwa mit venezianischen Stoffen für Gewänder. Ebenso aber kamen solche aus der Türkei, wie der golddurchwirkte seidene Hauskaftan des Patriarchen Nikon aus dem 17. Jahrhundert belegt.

Interessant ist auch die sichtbare Verknüpfung von Zar und russisch-orthodoxer Kirche, deren Oberhäupter in ihrer Prachtentfaltung dem Erstgenannten wohl nicht nachstanden (in Ungnade gefallen, drohte gleichwohl Verbannung oder Tod, wie das Beispiel des Metropoliten von Moskau unter der Regentschaft Iwans des Schrecklichen zeigt). Der Bogen spannt sich in diesem Bereich von der großen Ikone "Anbetung des Kreuzes" (Moskau 1676-1681), die unter anderen den Zaren Alexej Michailowitsch zeigt, zu einem samtenen Wachgewand der Leibgarde des Zaren, türkisch anmutenden Waffen, Kettenhemden, Helmen sowie einem kostbaren türkischen Paradeschild (Mitte 17. Jh.). Zu entdecken ist auch eine typisch russische Trinkkelle (Kowsch) Iwans des Schrecklichen (nach 1563). Sie ist eine der Leihgaben aus dem Grünen Gewölbe. Andere (insgesamt sind es gut 20) stellten das Kupferstich-Kabinett (Zarenporträts), die SLUB und die Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel zur Verfügung.

Am Eingang zum zweiten Raum fällt dann besonders eine persische Helmmaske (16. Jh) auf. Den wörtlich zentralen Platz nehmen Erzeugnisse der Werkstätten des Kreml ein. In ihnen entstanden auch wunderschöne Emailarbeiten, darunter eine Deckeldose (1694), die deutliche westeuropäische Einflüsse zeigt. Die Schau endet schließlich mit einem "Paukenschlag": Im letzten Saal scheinen sich barocke Silber- und Goldschmiedearbeiten mit Herkunft aus Amsterdam, Augsburg, Nürnberg, Hamburg und anderswo in Fülle, Pracht und Größe gegenseitig übertreffen zu wollen. Es handelt sich um Erwerbungen der Zaren, oft aber auch Geschenke verschiedener europäischer Gesandtschaften. Eines der gezeigten Prunkstücke für ein der Machtrepräsentation dienendes Silberbuffet ist der Adler mit Zepter und Reichsapfel von Abraham I Drentwett (Adler) und Heinrich Mannlich (Sockel), entstanden zwischen 1663 und 1671 in Augsburg. Platz gefunden haben auch einige Freundschaftsgeschenke Peters des Großen an August den Starken, darunter der große Saphir, den Letzterer 1698 erhielt, sowie Drechselarbeiten von des Zaren Hand.

"Keine politische Dimension"

Abschließend sei darauf verwiesen, dass die Schau ihren Platz in unmittelbarer Nachbarschaft zur Türckischen Cammer gewissermaßen auch an einem Kreuzungspunkt zwischen Orient und Okzident hat. Sie setzt zudem den Austausch zwischen den Staatlichen Kunstsammlungen und russischen Museen fort und ist nicht zuletzt ein Beitrag zum "Russlandjahr in Deutschland und Deutschlandjahr in Russland 2012/2013". Gleichwohl sah beim gestrigen Pressetermin die Generaldirektorin des Staatlichen Kulturhistorischen Museums "Moskauer Kreml" Elena Gagarina - für alle, die es nicht wissen, es ist Juri Gagarins Tochter - keine spezielle politische, dafür aber umso mehr eine dem kulturellen Austausch dienende Dimension in der Schau. Zugleich unterstrich sie, dass "dieses Projekt speziell für Dresden konzipiert wurde". Zuvor hatte Hartwig Fischer, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, unter Verweis auf bisherige Aktivitäten in Petersburg und Moskau den "dringenden Wunsch nach Vertiefung der Zusammenarbeit" unterstrichen. Eine gute Basis dafür ist sicher auch das enorme Interesse russischer Besucher - laut Fischer waren es im ersten Halbjahr 190 000 - an den Dresdner Sammlungen. Lisa Werner-Art

ab 1. Dezember bis 4. März 2013, Residenzschloss 2. OG, geöffnet Mi-Mo 10-18 Uhr, Katalog 29,90 Euro

www.skd.museum

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.11.2012

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