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Kornspeicher in der Elisabeth-Boer-Straße 7 sollte wirtschaftliche Unabhängigkeit der Albertstadt sichern

Kornspeicher in der Elisabeth-Boer-Straße 7 sollte wirtschaftliche Unabhängigkeit der Albertstadt sichern

Die DNN präsentieren in Zusammenarbeit mit dem Amt für Kultur und Denkmalschutz eine Veröffentlichungsreihe, die denkmalgeschützte Gebäude in Dresden vorstellt.

Der ehemalige Kornspeicher.

Quelle: Dirk Schumann

Heute: der ehemalige Kornspeicher Elisabeth-Boer-Straße 7.

Die Albertstadt entstand ab 1873 im Norden von Dresden. Sie wurde als Garnison der Sächsischen Armee geplant und mit den französischen Reparationszahlungen nach Ende des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 finanziert. Unter der Leitung der Königlich-Sächsischen Militärbaudirektion und der Architekten Hermann Nicolai und Gustav Rumpel wuchs eine eigenständige Stadt heran, in der 1890 ungefähr 20 000 Mann lebten. Um diesem neuen Militärbezirk eine wirtschaftliche Unabhängigkeit von der Stadt Dresden zu garantieren, wurden neben Kasernen, einer Garnisonskirche, Schießständen, Werkstätten und anderen militärischen Anlagen auch eigene Versorgungseinrichtungen, Lager und Magazine erbaut.

Dazu gehörte der Provianthof zwischen den Bahngleisen und der Königsbrücker Straße, der hauptsächlich der Lagerung und Verarbeitung von Lebensmitteln diente. Hier gab es Mehl- und Kornmagazine und ein Raufuttermagazin für die Versorgung der Pferde, die Garnisonsmühle und die angeschlossene Heeresbäckerei mit dem Brotmagazin. Ein Schlachthof und Nebeneinrichtungen zur Lebensmittelverarbeitung, -portionierung und -verpackung waren weitere Teile des Provianthofes. Innerhalb der Garnisonsversorgungsanstalt befand sich außerdem eine Dampfwaschanstalt, um die Bett- und Leibwäsche der Soldaten zu reinigen.

Vor und im Ersten Weltkrieg wurde der Militärkomplex erweitert. 1914-1915 entstand an der Königsbrücker Straße ein Verwaltungsgebäude, 1916 im Norden des Geländes eine große Munitionsfabrik. Nach dem Krieg und der damit verbundenen weitgehenden Entmilitarisierung des Deutschen Reiches siedelte sich zivile Industrie im Gebiet an, bis es ab 1935 wieder militärischen Nutzungen diente. Von den Bombenangriffen auf Dresden blieb das Areal weitgehend verschont.

1945 erfolgte die Eingemeindung der Albertstadt zu Dresden. In dem ehemaligen Militärkomplex entwickelte sich wieder ein Industriestandort, andere erhaltene Gebäude nutzte die sowjetische Armee noch bis 1994 für Lager- und Logistikzwecke.

Ein Teil der Provianthofanlage wurde im Jahr 1998 an einen privaten Investor verkauft. Er baute ihn nach dem Abriss nicht mehr verwendbarer Nebengebäude zu einem Einkaufszentrum um. Im Gebäude der ehemaligen Heeresbäckerei ist seit 1999 das Stadtarchiv untergebracht.

Die beiden ehemaligen Kornspeicher und die Kornmühle standen seit 1994 leer. Im Jahr 2008 wurde das südliche Kornmagazin abgebrochen. Das nördliche Speichergebäude dagegen dient nun dem benachbarten Stadtarchiv als Zwischenarchiv.

Für diese Nutzung musste das Gebäude bis auf die Außen- und Querwände komplett entkernt werden. Die Bodenplatte, Geschossdecken, Treppen und die Dachkonstruktion wurden nach ausführlicher bauarchäologischer Untersuchung und Bestandsdokumentation abgebrochen.

Der neue Innenausbau war an die verschiedensten sicherheits- und brandschutztechnischen Anforderungen anzupassen, ohne die Einheitlichkeit der restaurierten Fassaden und der rekonstruierten Dachlandschaft zu stören. Das Dresdner Architektenbüro Seehars und Steglich meisterte diese Aufgabe in enger Zusammenarbeit mit den Denkmalschutzbehörden. Seit Februar 2012 ist das Gebäude wieder in Betrieb. Damit ist ein weiterer Teil der einzigartigen Militäranlage Albertstadt dauerhaft erhalten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.05.2012

Claudia Posselt, Dirk Schumann

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