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Konzertreihe mit Beharrlichkeit: 60 Jahre "Meisterwerke - Meisterinterpreten" in Dresden

Konzertreihe mit Beharrlichkeit: 60 Jahre "Meisterwerke - Meisterinterpreten" in Dresden

Keine Frage: Der Beginn eines solchen Jubiläumskonzertes hätte fröhlicher und schwungvoller ausfallen können. Doch die bedächtige Sinfonia "Al Santo Sepolcro" h-Moll von Vivaldi, ein ungewohnt ernstes Spätwerk des Barockmeisters für eine reine Streicherbesetzung, war aus gutem Grund an diese Stelle gesetzt.

Seit 60 Jahren gibt es die Kammermusikreihe "Meisterwerke - Meisterinterpreten", die im März 1954 vom Dresdner Musikwissenschaftler Gottfried Schmiedel (1920-1987) und Musikern der Staatskapelle Dresden zum Leben gebracht wurde und sich seither eines fast ungebrochen starken Zuspruchs erfreuen darf. Dem Andenken Schmiedels galt auch, so erklärte es Andreas Priebst, Leiter der Reihe und Vorsitzender des Meisterwerke - Meisterinterpreten e.V., der nachdenkliche Beginn des Programms.

Eine nicht wenig wechselvolle Geschichte kann die beharrlich fortgeführte Konzertreihe vorweisen. Von den Anfängen in gewerkschaftlicher Trägerschaft und als reines Podium für Streichquartette gegründet, änderte sich die Ausrichtung nach gut zehn Jahren zur anspruchsvollen Kammermusikreihe mit weitem Repertoire bis hin zu zeitgenössischer Musik, als die sie bis heute verstanden sein will. Zunächst noch auf Wanderschaft in der Stadt, kamen die "Meisterwerke" nach Stationen in der Aula der Nexö-Oberschule oder im Saal der Reformierten Kirche schließlich für fast 40 Jahre im Gemeindesaal der Christuskirche unter und etablierte sich damit in Strehlen. Nach fruchtbaren Jahren unter der Ägide des DDR-Kulturbundes musste ab 1990 eine neue Form der Organisation herbei, die sich endlich in der Gründung eines Vereins fand, der nunmehr seit 16 Jahren die Konzerte enthusiastisch am Laufen hält. Im Ballsaal des Hotels "Königshof" bekam man ein neues Domizil und konnte dem Stadtteil ebenso treu bleiben, wie dem musikalischen Anliegen. Vom musikwissenschaftlich untersetzten Charakter der Konzertreihe, deren Name im Lauf der Jahre diverse Modifizierungen erfuhr, hat man sich mittlerweile gelöst. Aber auf unkomplizierte Wege mit leichter Klassik oder schnell gestrickten Programmen aus bekanntem Barockrepertoire ist man nicht eingeschwenkt, und das Publikum dank es mit stets vollen Reihen.

Auch das Konzert mit den Dresdner Kapellsolisten zum Jubiläum blieb dem Grundgedanken ernsthafter Gestaltung verpflichtet. Zwar spielte das Kammerorchester unter Leitung von Helmut Branny mit Mozarts Mailänder Sinfonie B-Dur an zweiter Stelle ein Stück, das sich ausdrücklich vom dunklen Werk Vivaldis unterschied. Aber es fehlte nirgends an einer kraftvollen Deutung. So unverstellt der jugendliche Mozart dem Vergnügen freien Lauf ließ, so tief grub Branny nach dramatischen Momenten, und noch im leichtfüßigeren Rondo-Satz jagten sich die Kontraste.

Das Programm hatte die Besonderheit, eigentliche Quartett-Literatur - wie als Verbindung zu den Ursprüngen der Reihe - in Orchesterfassung vorzustellen. Mozart schrieb das betreffende Stück eigentlich für vier Musiker, Franz Schuberts "Der Tod und das Mädchen" ist schlicht eines der essentiellen Werke unter den Streichquartetten. Einer Idee Gustav Mahlers folgend, präsentierten die Dresdner Kapellsolisten ihre eigene Fassung des d-Moll-Quartetts. Darin wurde Schuberts Streben nach sinfonischen Dimensionen ohne Weiteres deutlich, aber auch inhaltlich potenzierten sich die Sätze aus sich selbst.

Hervorgehoben werden muss die musikalische Disziplin des Ensembles, denn die Schwierigkeiten werden nicht eben geringer, wenn man die Stimmen mehreren Spielern aufträgt. Doch in Klangsinn und guter Intonation erschöpfte sich das Spiel längst nicht. Die fesselnde, vielschichtige Art des Vortrages - besonders farbenreich im Variationssatz und mit stark gegeneinander gesetzten Charakteren im Scherzo - sorgte für ein eindrückliches Erlebnis. Und so darf es in Strehlen weiterhin gern bleiben.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.05.2014

Hartmut Schütz

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