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Konzerte mit Maria João sowie mit Gianluigi Trovesi und Ensemble FisFüz bei den Jazztagen in Dresden

Konzerte mit Maria João sowie mit Gianluigi Trovesi und Ensemble FisFüz bei den Jazztagen in Dresden

Wer den Dienstag vom US-Schicksalsdatum zum Dresdner Jazztag erheben wollte, stand vor einer fast ebenso schwierigen Wahl wie das Stimmvolk im Geburtsland des Jazz.

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Maria Joao im Societaetstheater.

Nach einem Konzert mit Maria João und Mário Laginha im Societaetstheater hätte man bleiben und dem Paul Kuhn Quartett lauschen können oder musste sich sputen, um rasch Gianluigi Trovesi zu erreichen, der gemeinsam mit dem Ensemble FisFüz in Klotzsche aufspielte.

In diesem Fall hat sich die Mobilität ausgezahlt. Nichts gegen die Legende Paul Kuhn, aber Trovesis italienisch frischer Klarinettenklang passte einfach besser auf den portugiesischen Blümchenjazz von Maria João. Die inzwischen 56-jährige Sängerin steckte in einem bunten Rock mit floralen Aquarellmotiven und schmückte ihren schicken Schopf mit einer beeindruckenden Blüte. "Die is' so süß", tönte es aus dem Publikum, womit gewiss die hinreißende Gestik, das betörende Augenspiel, kokette Kopfbewegungen, scheinbar selbstvergessene Tänze und ganz, ganz freche Lippenspiele gemeint gewesen sind. Diese Frau fasziniert selbst noch mit einem Atemorkan, den sie ins Mikrofon haucht, huscht oder hurrikant. Sie hat diesmal Geschichten erzählt, Geschichten mit für ihre Verhältnisse erstaunlich viel Text; erst später verfiel sie in diese einzigartig rasanten Lautmalereien, für die sie berühmt geworden ist. Diese treffsichere Silbenakrobatik macht ihr so rasch niemand nach, aber auch die Lieder auf Worte - mal englisch, mal portugiesisch, mal auf Shangana, der Sprache ihrer mosambikanischen Mutter - haben den Saal rasch erwärmt. Nicht zuletzt dank ihrer ausgesprochenen Hoffnung auf den inzwischen geglückten Wahlsieg.

Das Können dieser ausstrahlungsstarken Sängerin ist fraglos enorm, und doch hat man den Eindruck, sie zeigt oft nur Bruchteile ihres sagenhaften Potentials. Wirklich süß und wahrhaft stark. Blümchenjazz bedeutet nichts anderes, als dass uns Jazzblüten ohne Zahl überflutet haben. Am Klavier mal nur betupft, oft aber virtuos gepflückt und sogleich dekorativ arrangiert von Mário Laginha.

Ortswechsel, Klotzsche. Hier waren es Schmetterlinge, die das zahlreiche Publikum in der klitzekleinen Kirche umschwirrten. "Papillons" heißt das neue Album von FisFüz, auf dem Gianluigi Trovesi, der Italiener aus Bergamo, mit von der Partie ist. Der Klarinettenvirtuose ließ sich offenbar gern darauf ein, sich hier als charmante Symbolfigur zu begreifen. Er steuerte ein paar seiner eigenen Titel und Bearbeitungen bei, brillierte wie stets mit "Her Cab" und "Ose Shalom", bewies aber auch, dass Trovesi immer Trovesi ist. Da kann er in noch so fulminanten Arrangements wie jenen der FifFüz-Klarinettistin Annette Maye mitwirken, sein weises Augenzwinkern bricht sich stets tönend Bahn.

Dass er sich in diesem deutsch-türkischen Ensemble wohlfühlt, liegt auf der Hand. Ist er doch selbst ein Grenzüberschreiter gewesen und in seiner Musik immer geblieben. Direkt vom Café Pierre Loti an Istanbuls Goldenem Horn wurden wir in die kalte Nachluft von Klotzsche entlassen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.11.2012

Aldo Lindhorst

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