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Konzert zu 40 Jahre Schuke-Orgel der Diakonissenhauskirche Dresden

Konzert zu 40 Jahre Schuke-Orgel der Diakonissenhauskirche Dresden

Gebaut wurde sie natürlich mit dem ernsten Anspruch, die Gottesdienste in der Dresdner Diakonissenhauskirche zu begleiten. Und wie jeder Orgel wohnt auch der im Januar 1973 geweihten Schuke-Orgel die musikalische Idee ihrer Entstehungszeit inne: Damals orientierten sich Organisten und Orgelbauer gern am norddeutschen Barock - an jener Klangwelt, aus der Buxtehude seine Musik schuf und die auch Bach begeisterte.

Aber zu einem solch runden, dem 40. Geburtstag darf auch eine Orgel einmal aus der ihr zugedachten Rolle heraustreten und vergnügt feiern. Der Orgel-Winter 2013 begann so am Sonnabend auf das Datum genau mit einem ungewöhnlichen Konzert, das an seinen Ecken durchaus auf die Bestimmung des Instrumentes verwies und in dem drei Organisten ihrem Spaß am Orgelspiel freien Lauf ließen.

Fast geräuschlos wechselten sich Jan Katzschke, Thomas Lennartz und Hansjürgen Scholze auf der Orgelbank ab, ihre ganz persönliche "Handschrift" war dennoch unverkennbar. Im intensiv artikulierten Beginn mit Storaces frühbarockem "Ballo della Battaglia" und der Chaconne "Lobt Gott ihr Christen allzugleich" von Vincent Lübeck ließ Katzschke das Instrument in seiner ganzen Kraft strahlen. Dem Reichtum seiner Klangfarben ging Thomas Lennartz in den Variationen von Scheidts "Gagliarda" mit virtuosem Spiel auf den Grund.

War das Programm bis hier noch fast "klassisch", rückte nun der "Guckguck" dem Publikum auf den Pelz. Ein Brief des Orgelbaumeisters Christian Vater an einen Auftraggeber (gelesen von Jan Katzschke) bewies, dass die barocken Zeitgenossen vom eintönig- en Ruf des Vogels nicht recht angetan waren. Das "Capriccio sopra il Cucu" von Kerll umspielte lebhaft das wiederkehrende Intervall. Anders nahmen die Franzosen den Kuckuck wahr, und Daquin verlieh ihm Eleganz, die Hansjürgen Scholze mit den typischen Farben von Krummhorn und Terz unterstrich. Den lärmenden Vogel aber vertrieb Scholze endgültig mit der "Marschkapelle" von Mozarts "Rondo alla Turca" - dieser musikantische Humor hat den Organisten schon in den Jahren im Amt an der Silbermann-Orgel in der Dresdner Hofkirche ausgezeichnet.

Eher als Märsche für Zinnsoldaten passten zwei "Stücke für eine Flötenuhr" von Haydn, und Mozarts Leipziger Erinnerung an die polyphone Kunst Bachs in der "Gigue" machte Katzschke zu einem musikalischen Juwel des Konzerts. Dann wurde es romantisch-skurril: Mit "Marcia" von Vincenzo Petrali, Viernes "Scherzetto" und Lefebure-Wélys "Marche" wetteiferten Lennartz und Katzschke um die Gunst mitwippender Füße im Publikum. In den "Mondschein"-Variationen von Heino Schubert führte Scholze die Ohren ins Dickicht musikalischer Parodien im Stil berühmter Meister, und nur noch einen Schritt vom Sound der Hammond-Orgel entfernt präsentierte Thomas Lennartz die Schuke-Orgel mit "A Rag" (Ralf Bölting) und "Sine nomine" (John Weaver).

Endlich wurde die Orgel zum Opernorchester: Alle drei Organisten nahmen auf der Orgelbank Platz und spielten sechshändig (und sechsfüßig) den "Abendsegen" aus Humperdincks "Hänsel und Gretel" - mit großem musikalischen Gewicht und klanglicher Raffinesse. Ein würdiger Schluss, nach dem Musiker und Zuhörer mit einem Glas Sekt auf das Jubiläum der Schuke-Orgel anstoßen durften.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.01.2013

Hartmut Schütz

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