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Konzert mit Jalda Rebling zu den jüdischen Kulturtagen

Konzert mit Jalda Rebling zu den jüdischen Kulturtagen

"Hilf uns, die Trümmer in den Köpfen und Herzen der Menschen aufzuräumen", bat Anna Seghers die jüdische Sängerin und KZ-Überlebende Lin Jaldati, als diese nach 1945 in der DDR auftrat.

Und diese kam dann 1952 in der Tat ins selbsternannte "besseren Deutschland", um hier als quasi "offizielle" Interpretin ihre alte Liebe zum jiddischen Lied weiterzuleben (als "Grande Dame" des jiddischen Liedes wurde sie durchaus auch im Westen gefeiert).

Mit zwei denkwürdigen Konzerten in Berlin nahm Jaldati nach ihrem 75. Geburtstag Abschied von der Bühne. 1988 starb sie in (Ost-)Berlin. Im Dezember 2012 wäre Jaldati, die als Rebekka Brilleslijper in Amsterdam zur Welt kam und im Joden-hoek-Viertel aufwuchs, 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat nun Jaldatis Tochter Jalda Rebling ein Konzertprogramm mit dem Titel "Der Mames Nign" erstellt, das im Rahmen der 16. Jüdischen Musik- und Theaterwoche Dresden im Theaterhaus Rudi zu erleben war.

Nur eines der vielen vorgetragenen Lieder war vergleichsweise bekannt. Mordechaj Gebirtigs "S brent, Brider, 's brent", das als Inbegriff jiddischen Liedguts gilt und auch Jaldatis musikalisches Credo war. Sonst aber kam man in der recht anrührend angelegten Multimediaperformance, bei der historische Bild- und Tonaufnahmen Lin Jaldatis und ihres Mannes Eberhard Rebling auf eine Leinwand projiziert wurden, in den Genuss vergleichsweise unbekannter Perlen jiddischer Musik. Manche davon sind nign (jidd. Pl. nigunim von hebr. nigun = Melodie, melodischer Akzent) aus kabbalistischer/chassidischer Tradition, also wortlose Lautmalereien à la dai-dai-dai oder bam-bam-bam, die nicht zuletzt der religiös-spirituellen Erbauung dienen.

Nicht wenige beruhen auf Liedern, die im Februar/März 1940 als Noten vom Jiddischen Wissenschaftlichen Institut in Wilna nach Amsterdam geschickt wurden, damit ins Archiv der Eltern wanderten, das dann der Akademie der Künste Berlin angeschlossen wurde. Nun ist es in der Tat erstaunlich, dass die Noten damals den Weg in die Niederlande fanden, da hat Rebling schon recht, aber streng genommen waren es im März 1940 nicht die Deutschen allein, die damals Polen besetzt hatten. Die stalinistische Sowjetunion hatte, das gehört auch zur historischen Wahrheit und wird von Rebling leider unterschlagen, die östliche Hälfte Polens okkupiert.

Die einerseits ausgebildete, aber zum Glück nicht überkünstelt wirkende Stimme Reblings zog einmal mehr in den Bann, den Rest besorgte das virtuose Akkordeonspiel Franka Lampes, mit der die ordinierte jüdische Kantorin und Spezialistin für mittelalterliche jüdische Musik seit zehn Jahren zusammenarbeitet.

Mitunter ging es an dem Abend etwas "verworren" zu, wie Rebling an einer Stelle selbst bemerkte. Das wurde noch dadurch verstärkt, dass Andeutungen und Begriffe verwendet wurden, die dem Gros von uns nicht geläufig sind. So blieb der Erkenntnisgewinn auf die Biografie Lin Jaldatis beschränkt.

Tipps für die 16. Jüdische Musik- und Theaterwoche Dresden: Das Ensemble Saltiel präsentiert am Sonnabend, 20 Uhr, im Gemeindezentrum der Jüdischen Gemeinde am Hasenberg 1 sein Programm "Boda". Es umfasst Hochzeitslieder, wie sie über Jahrhunderte hinweg in den Gemeinden der Sepharden im östlichen Mittelmeerraum gesungen wurden.

Am Sonntag, 20 Uhr, spielt im Kleinen Haus die Klezmer-Band Kroke aus Polen auf. Besonders die Kombination mit Elementen des Jazz und freie Improvisationen machen den Stil und die Vielfalt der Klangpalette des Trios aus.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.10.2012

C.R.

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