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Komponist Hans Werner Henze wird in Dresden zum Vermächtnis

Komponist Hans Werner Henze wird in Dresden zum Vermächtnis

Manchmal spannt die Welt des Theaters seltsame Bezüge zur Realität. Als die amerikanische Choreografin Helen Pickett ihr Stück „Zwischen(t)raum“ zu Musik von Hans Werner Henze schuf, konnte sie nicht ahnen, dass der Komponist gerade am Tag der Uraufführung sterben würde.

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Komponist Hans Werner Henze starb am Samstag in Dresden.

Quelle: Britta Pedersen

Gleich zu Beginn ihrer Choreografie schwebt eine Gestalt engelsgleich vom Bühnenhimmel herab, um kurz darauf in der Erde zu verschwinden.

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Ein Komparse probt in der Semperoper in Dresden eine Szene der Oper „Wir erreichen den Fluss“

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Henze bleibt am Samstagabend zur Premiere in der Dresdner Semperoper allgegenwärtig, obwohl er nicht mehr da ist. Stunden vor der Aufführung stirbt er im Alter von 86 Jahren in einem Dresdner Krankenhaus.Die Dresdner Staatskapelle, als deren „Cappel-Compositeur“ Henze in dieser Spielzeit wirkt, erfährt die Nachricht auf einer Asien- Tournee kurz nach ihrer Ankunft in Taiwan.

„Erst vor wenigen Tagen hatte ich Henze zuletzt getroffen, als er unsere Aufführung seines Orchesterwerkes „Sebastian im Traum“ in der Semperoper besuchte. Dabei haben wir uns herzlich ausgetauscht. Wir konnten nicht ahnen, dass dies seine letzte Reise sein würde“, sagt Dirigent Christian Thielemann. Er ist dankbar, Henze so lange gekannt zu haben: „Für mich ist er der bedeutendste deutsche Orchesterkomponist nach Richard Strauss“.

Semperoper und Staatskapelle haben ihre aktuelle Spielzeit Henze gewidmet, nach mehreren Opernaufführungen, einem Orchesterwerk und dem Ballett soll am 24. November ein weiteres Stück folgen: Dann spielt die „Kapelle“ mit Musikern des Gustav Mahler Jugendorchesters in der Dresdner Frauenkirche Auszüge aus Henzes „Requiem. Neun geistliche Konzerte“. Bei der Planung konnte niemand ahnen, dass die Aufführung nun zu Henzes eigenem Requiem wird. „Wir haben einen der ganz Großen verloren“, sagt Orchesterdirektor Jan Nast. Man werde Henze nun die restlichen Konzerte der Asien-Tour in Taiwan und China widmen.

Für Konzertmeister Matthias Wollong ist der Tod Henzes trotz dessen hohen Alters unfassbar. Beim letzten Treffen in Dresden sei er noch erstaunlich vital gewesen. „Schade, dass wir den „Capell- Compositeur“ nicht mehr dabei haben, wenn wir seine Musik spielen. Ich halte ihn für einen der bedeutendsten Komponisten des 20./21. Jahrhunderts.

Ein Künstler, der immer Haltung und Position bezogen hat und darüber hinaus für die Schönheit und Macht der westeuropäischen Musik eintrat“, betont der Geiger. Er habe Henze stets gern gespielt, auch wenn sich einem nicht alles gleich erschlossen habe.„Sein Tod in Dresden ist für uns eine große Verpflichtung, auch über die aktuelle Saison hinaus“, sagt Wollong und erinnert daran, dass Henze schon seit Jahrzehnten einen besonderen Stellenwert in den Dresdner Konzert- und Opernplänen einnahm.

Tatsächlich war Henze schon in den frühen 1960er Jahren in der Elbestadt zu Gast, dirigierte hier eigene Werke oder konnte sich über die DDR- Erstaufführung seiner Oper „Der junge Lord“ (1967) freuen. Im Programm für die laufende Spielzeit erinnert sich Henze an gemeinsame Probentage: „Das waren wichtige Augenblicke für mich in einem Lernprozess, der auch heute noch nicht abgeschlossen ist.“

Nach der Wende rückte Henzes Schaffen in Dresden verstärkt in den Fokus. Im Semperbau waren unter anderem die Opern „Die Bassariden“, „L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe“ sowie „Gisela! oder: Die merk- und denkwürdigen Wege des Glücks“ zu sehen - letztere entstand als Auftragswerk auch der Semperoper. Als erste Premiere in dieser Spielzeit kam im September das Anti-Kriegsstück „Wir erreichen den Fluss“ auf die Bühne.

Auch wenn nicht alle Pläne mit Henze nun Vollendung finden: „Ich glaube, er war sehr glücklich darüber, dass wir ihn in dieser Saison mit einem so umfangreichen und vielfältigen Schwerpunkt würdigen“, sagt Dramaturg Tobias Niederschlag.

von Jörg Schurig, dpa

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