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Koloratursopranistin Edita Gruberova wird 65 Jahre alt

Koloratursopranistin Edita Gruberova wird 65 Jahre alt

Es gibt nur wenige Städte, die sich so glücklich schätzen können, Edita Gruberova (noch) leidlich regelmäßig in ihren Mauern zu wissen. Dresden gehört - nächst Wien und München - dazu, zuletzt mit ihrer konzertanten Donizetti-"Bolena" vom vergangenen Sommer.

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Edita Gruberova 2011 in der Semperoper.

Solche Begegnungen sind auch deswegen ein Glück, weil das slowakische Koloraturwunder von sich selbst sagt, dass sie in der Live-Situation noch mehr aus sich herausgehen und -holen kann als im Aufnahmestudio. So besteht inzwischen auch ein Teil ihrer CD-Veröffentlichungen aus Live-Mitschnitten, bei denen sie manchmal fast im Alleingang schafft (oder angesichts durchschnittlicher Co-Sänger schaffen muss), ein Repertoire am Leben zu halten, für das ein der Glanz hoher Oktaven schlechterdings existenziell ist: jene Opern des frühen Belcanto aus der Feder Donizettis und Bellinis, bei denen die Primadonnen meist gleichzeitig Titelheldinnen sind (wie in den drei "L"-Opern von Donizetti, die sie alle gesungen hat: "Lucrezia Borgia", "Linda di Chamonix" und natürlich "Lucia di Lammermoor") und selbst dann dominieren, wenn sie einmal nicht die Schlagzeile bilden wie im "Roberto Devereux", der überhaupt erst dank ihrer Bemühungen sozusagen wieder die Bühnenreife-Prüfung bestehen konnte.

Gestartet ist sie natürlich mit den Standard-Koloraturpartien: Mozarts Konstanze oder sternflammende Königin, die Reihe der Hoffmann-Geliebten bei Offenbach, vor allem aber Strauss' Zerbinetta, die über Jahrzehnte ihre Paradepartie blieb. Als sie mit dieser Rolle, befördert von Karl Böhm, furios in die internationale Spitze vorpreschte, war die Gruberova immerhin schon ins vierte Lebensjahrzehnt gekommen. Dafür hat sie nun, am anderen Ende, einen um so längeren Atem, was man in ihrem Falle sowohl wörtlich als auch symbolisch nehmen darf. Heute wird sie 65, doch von Rückzug ist noch keine Rede, obwohl sie ihre Präsenzen jetzt noch ein wenig sorgfältiger dosiert als schon von jeher; immerhin steht 2012 mit Bellinis "Straniera" sogar ein weiteres Rollendebüt an.

Bei der Sorgfalt und Akribie ihrer Arbeitsweise darf man auch da erwarten, dass von Technik quasi keine Rede sein wird: Was der Komponist hingeschrieben hat, wird geliefert, und das mit Schwindel erregender Sicherheit. So war es übrigens - ausweislich eines Videos von 1973 - schon, als noch kaum einer von ihr wusste; und gleichzeitig ist da in den Ausdruckswerten eine gewisse distanzierend-gespannte Strenge, die zu Mozarts rachsüchtiger Königin, welche sie damals sang, ziemlich gut passt, aber auch generell ein Markenzeichen der Slowakin blieb: Sie ist perfekt, sie ist auch - zumal in der Entäußerung gebrochener oder dämonischer Charaktere - außerordentlich ausdrucksstark, aber sie hat kaum jene Art warm-erotischer Sinnlichkeit, mit der sich vor einem halben Jahrhundert die großen Rivalinnen Callas und Sutherland, jede auf ganz anderem Wege, Bühnen und Herzen eroberten. Edita Gruberova wirkt kühler, nervöser - nicht als stimmliches Tremolo, sondern als geistige Haltung - und damit auch zerbrechlicher; insofern sind ihre Frauengestalten moderner als die jener großen Diven, und vielleicht wird das, wenn es - hoffentlich - neue Generationen großer Stimmen geben wird, als Kern ihrer Leistung erinnerlich bleiben: den Koloraturgesang, fern antiquierter Rarität, ins 21. Jahrhundert geführt zu haben.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.12.2011

Gerald Felber

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