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Kolja Blacher gastiert als Geiger und Dirigent in Personalunion bei der Dresdner Philharmonie

Kolja Blacher gastiert als Geiger und Dirigent in Personalunion bei der Dresdner Philharmonie

Einer der besten und bekanntesten deutschen Geiger ist Kolja Blacher, gleichermaßen sesshaft und weitgereist. Seinem Geburtsort Berlin ist der 50-Jährige bis heute treu geblieben, doch Konzertreisen führten ihn um die Welt.

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Kolja Blacher: "Man spürt immer noch die berühmte Dresdner Streicherschule."

Quelle: Priska Ketterer

Und selbstverständlich in alle großen Städte Deutschlands.

Der Dresdner Philharmonie, bei der er schon vor fast 30 Jahren debütierte, fühlt er sich besonders verbunden, ist er doch hier immer wieder aufgetreten mit Werken von Spohr, Berg, Beethoven, Strawinsky oder Ravel und natürlich mit einem Konzert seines Vaters Boris Blacher. "Ich spiele sehr gern mit diesem Orchester", berichtet er, "denn es hat sich über Jahrzehnte einen sehr persönlichen Stil erhalten, mit einem schönen dunklen Klang. Man spürt immer noch die berühmte Dresdner Streicherschule, und die Qualität hat in den letzten Jahren noch enorm zugenommen. Und was auch wichtig ist: Es ist ein wahnsinnig nettes Orchester!"

Diesmal hat sich Kolja Blacher etwas Besonderes vorgenommen: Er tritt mit den Philharmonikern am Sonntag im Großen Saal des Hygiene-Museums in Personalunion als Geiger und Dirigent auf, und zwar mit Mendelssohns Streichersinfonie Nr. 10, Schumanns Violinkonzert und Mozarts "Haffner"-Sinfonie. Er stellt sich aber auch bei den Orchesterwerken nicht vor den Klangkörper, sondern spielt in der Streichergruppe mit und leitet das Geschehen.

"Ich bin vor Jahren quasi durch Zufall zu dieser Interpretationsform gekommen, die mir und dem Orchester zunehmend Spaß macht",berichtet er. "Die Musiker hören viel intensiver aufeinander, und ich kann meine Auffassung, meine Interpretationsabsichten viel konsequenter und umfassender umsetzen. Beim Schumann-Konzert ist es z. B. ein seltener Zufall, wenn die Vorstellungen des Dirigenten lückenlos den meinen gleichen. In den letzten Jahren häufen sich bei mir solche Aufgaben, und ich hoffe, dass es bei dem von mir sehr geschätzten Dresdner Publikum auch Anklang findet. Allerdings habe ich - zumindest vorläufig - keine Ambitionen, vom Pult aus große Sinfoniekonzerte zu leiten."

Dabei fehlt es Kolja Blacher keineswegs an gründlicher Orchestererfahrung. Der jüngste Sohn des angesehenen Komponisten Boris Blacher und der Pianistin Gerty Herzog begann sein professionelles Studium bereits mit 15 Jahren an der berühmten Julliard School in New York und erhielt danach den letzten Schliff beim legendären ungarischen Meister Sándor Végh in Salzburg. Nach einigen Jahren solistischen Konzertierens erhielt er von den Berliner Philharmonikern das Angebot, die Konzertmeister-Stelle anzutreten. "Ich habe den sechs Jahren in dieser Position sehr viel zu verdanken", bestätigt er. "Die Orchesterliteratur konnte ich auf höchstem Niveau unter den besten Dirigenten kennenlernen und dabei erfahren, wie ein Orchester funktioniert. Das kommt mir heute bei der Arbeit mit vielen verschieden besetzten Klangkörpern zugute."

Auf seinem musikalischen Weg zur Spitze war es für Kolja Blacher ein großes Glück, dass er von einer reichen Kunstmäzenin, Kimiko Powers, eine wunderbare Stradivari-Geige, die "Tritton" aus dem Jahre 1730, zur Verfügung gestellt bekam. "Die Violine hat einen fantastischen Klang und eine tolle Farbpalette", schwärmt er. "Aber ich musste damit auch die riesige Verantwortung für diese unersetzliche Kostbarkeit übernehmen, sie hegen und pflegen, vor Schaden bewahren."

Verantwortung hat Kolja Blacher schon seit langem auch für den musikalischen Nachwuchs übernommen. Ab 1999 war er Professor an der Musikhochschule in Hamburg, zehn Jahre später wechselte er in gleicher Funktion an die Hochschule für Musik "Hanns Eisler", sehr zur Freude seiner Frau und seiner vier Kinder in Berlin. "Das Unterrichten bedeutet für mich weniger Verpflichtung als große Freude", so der Geiger, "und es macht mich glücklich, wenn ich sehe, wie erfolgreich meine Absolventen ihren beruflichen Weg beispielsweise beim Bayrischen Rundfunk, beim WDR, an der Hamburgischen Staatsoper, in Köln oder am Gewandhaus-Orchester Leipzig bestreiten. Es ist ein Balance-Akt, die Lehrtätigkeit mit meinen solistischen Aufgaben, den damit verbundenen Reisen und dem Familienleben zu verbinden. Aber bei guter Organisation ist das möglich."

Nach Dresden warten in nächster Zeit die Musikliebhaber u.a. in Florenz, Bern, Athen und Rom auf Kolja Blacher, und sie werden vermutlich die Meinung eines Kritikers teilen, der schrieb: "In Blachers leidenschaftlich-intellektuellem Spiel verdunstet alles Vordergründige. Er pflegt einen Rigorismus der Interpretation, der den Geist erhellt und das Herz öffnet."

Sonntag, 11 und 17 Uhr, Philharmonie im Museum, Großer Saal im Hygiene-Museum: Werke von Mendelssohn, Schumann und Mozart. Kolja Blacher, Leitung und Violine

Karten im Besucherservice der Dresdner Philharmonie, Mo-Fr, 10-19 Uhr, Sa 10-18 Uhr. Tel. 0351/4866 866

www.dresdnerphilharmonie.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.02.2013

Livia Neugebauer

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