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Körper-Schauspiel und Gedankenexperiment - "Inquiline" im Projekttheater Dresden

Körper-Schauspiel und Gedankenexperiment - "Inquiline" im Projekttheater Dresden

Am Anfang steht der Neuseeländer Thom Monckton, ein sehniger Schlacks, in einer Jogginghose auf der Bühne. Er und die Frage "Why not?": Warum nicht? Warum nicht mal ein Gedankenexperiment wagen? Was wäre, wenn man sich weigerte, geboren zu werden und stattdessen in die Körper anderer Menschen schlüpfte.

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Schlüpft als menschlicher Parasit in die Körper anderer Menschen: Thom Monckton weiß bei der Premiere von "Inquiline - Der Parasit" zu überzeugen.

Quelle: PR

Ein Leben als menschlicher Parasit. Es ist bedrückend und gleichzeitig atemberaubend, wie Thom Monckton diesem Dasein Ausdruck gibt. Im Einpersonenstück "Inquiline - Der Parasit", das im Projekttheater Premiere hatte, wirbelt er allein über die spärlich mit Pappkisten und Kindermöbeln ausgestattete Bühne. Zum drastischen Gedankenspiel aber wird das Stück durch eine vom Tonband eingespielte Stimme, die Sprecherin Nicole Meier beigesteuert hat. Zu hören ist der immer wieder unterbrochene Bewusstseinsstrom des Parasiten, der auf seine menschlichen Wirtstiere wie auf das Publikum gleichermaßen einsäuselt. Einen Gutteil seiner Spannung bezieht das Stück von Regisseurin Sasha Milavic Davies aus den Widersprüchen, die sich zwischen dem stummen Spiel Moncktons und den eingespielten Äußerungen ergeben.

Die changieren von schlichten Wahrheiten zu Ungeheuerlichem. Perspektivwechsel, weiß der Parasit etwa, sind eine lohnende Sache, weil man dabei erkennt, dass es nicht nur eine Sicht auf die Dinge gibt. Eindringlich spielt dazu der in der clownesken Performance versierte Monckton, wie der Schmarotzer sich in andere Menschen buchstäblich hineinversetzt. Ein schmerzhafter Prozess, der mit Kontrollverlust und dem Streiten um die Oberhand im fremden Körper einher geht. Wen er verlässt, den schließt der Schmarotzer in Kisten ein, die er "selbst gebaut" habe, wie die Stimme aus dem Off erklärt. Was die Stimme nicht sagt, ist auf der Bühne zu sehen: Ohne Widerstände geht es nicht. Das hat wohl auch mit dem zwanghaften Handlungstrieb des Parasiten zu tun. "Wenn die Zeit kommt, zu der Sie einfach nur sind, dann werde ich für Sie tun", erklärt die Stimme. Der Schmarotzer ist ein Unruhestifter, wiederholt vor allem Alltagshandlungen. Im Körper einer Frau fährt er immer wieder mit dem Kamm durchs Haar. Das wirkt nicht verspielt, sondern zwanghaft und unbeherrscht. Einmal ist es der Spiegel, der durchs Haar gleitet, und der Kamm, in den die Frau blickt. Das scheinbar problemlose Beieinander ist brüchig. Denn dem Parasiten geht es natürlich trotz allen Gesäusels ums blanke Überleben.

Schließlich ist es ein Mann, der sich gegen den menschlichen Schmarotzer wehrt. Monckton, der sich zu-vor eher auf kleine Gesten verlegt hatte, weiß in dieser Szene zu beeindrucken. Mit atemberaubender Körperbeherrschung macht er glaubhaft, wie Mann und Parasit im Körper des Fremden miteinander ringen. Mit dem Schuh des linken Fußes schlägt er auf die rechte Hand ein, weil diese ihn zuvor zu erwürgen drohte. Am Ende gelingt es dem erschöpften Parasiten doch, den Wirtsmenschen in einer seiner Boxen zu verstauen. Triumph: Wie ein König sitzt der Schmarotzer auf einem Hocker, über sich eine mit Kreide an die Wand gemalte Krone. Wie gut es doch sei, bei anderen zu sein und nie allein, hallt es über die Bühne. Monckton legt in diesem Moment Hand an ein - ebenfalls mit Kreide gemaltes - Schwert. In dieser kriegerischen Pose klingt es wie einer Drohung: "Ich will bei Euch sein"!

Inquiline - Der Parasit, Sa. 20 Uhr im Projekttheater, Louisenstraße 47

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.01.2013

Uwe Hofmann

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