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Königliche Textilien im Sponselraum des Dresdner Schlosses: Augusts Paradesuite soll 2019 fertig sein

Königliche Textilien im Sponselraum des Dresdner Schlosses: Augusts Paradesuite soll 2019 fertig sein

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, speziell die Rüstkammer, geben in Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Immobilien- und Baumanagement einen Vorgeschmack auf das, was Museumsbesucher in einigen Jahren in der Paradesuite Augusts des Starken erwarten wird.

Im Sponselraum des Neuen Grünen Gewölbes ist mit der Ausstellung "Paradetextilien Augusts des Starken - 1697 und 1719" ein "kleiner Ausschnitt aus einem sehr bedeutenden und komplexen Projekt" präsentiert, so Generaldirektor Hartwig Fischer vor der Presse, das, wie er hofft, "noch vor Abschluss der Rekonstruktion des Berliner Schlosses" der Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Die ersten Schritte in der Parade- und Festetage seien mit der Eröffnung des Riesensaals getan, unterstrich Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer, der sich bezüglich der Fertigstellung des Paradeappartements auf eine angestrebte Jahreszahl festlegte: 2019. Wissenschaftlich, baulich und die Vorarbeit an den Textilien betreffend, sind die Voraussetzungen jedenfalls da, wie Ausstellung, Katalog sowie eine Videoanimation der Räume zeigen.

Die "Paradetextilien Augusts des Starken" waren Ausdruck seines königlichen Repräsentationsanspruchs, inspiriert vom Glanz Versailles zu Zeiten Ludwig XIV, dessen Prachtentfaltung ihn fasziniert hatte. Kostbare Stoffe, die sowohl die Kleidung wie auch die Räumlichkeiten prägten, hatten dabei einen zentralen Platz. Diesen beiden Aspekten ist auch die kleine Schau gewidmet: Zum einen werden einige jener Stücke präsentiert, die August der Starke (1670-1733) zur Krönung als polnischer König 1697 in Krakau trug, zum anderen werden partiell Textilien vorgestellt, die der Ausstattung der Paraderäume dienten, wie er sie anlässlich der Hochzeit seines Sohnes mit der Kaisertochter Maria Josepha 1719 herrichten ließ.

So wie es zukünftig in der zweiten Etage des Schlosses der Fall sein wird, trifft der Besucher im Sponselraum sowohl auf erhaltene Originaltextilien wie Rekonstruktionen. Zum einen geht es um die Krönungsfigurine, die wieder präsentiert werden soll - und zwar mit einer fadengenauen Rekonstruktion bis hin zum Krönungstalar, während in Vitrinen die erhaltenen Originalteile, etwa des Römischen Kostüms, gezeigt werden. Etwas davon sieht man bereits jetzt: den weißgoldenen Schurz und den poncaeuroten Unterschurz dieses Ornats, das August, an die römischen Kaiser angelehnt, in einem extra Zeremoniell trug. Aber auch fadengenau neu gewebter königsblauer Samt mit goldenem Granatapfelmuster (für den Talar) hat in einer Vitrine Platz. Zu sehen sind ebenso königliche Stiefel - allerdings von August III. - und dessen originale Samthaube, die er unter der Krone trug.

Zudem erhält man einen kleinen Eindruck von der zu erwartenden Pracht. Zumindest die Beispiele der Gold- und Silberstoffe, der Seidensamte in Karmesinrot und "Sächsischem Grün", der schweren Goldstickereien, Goldposamenten und -borten sind ebenso barocke Spitzenqualität wie die Tapisserie. Was aber fast noch beeindruckender ist: Mit der fadengenauen Rekonstruktion dieser Textilien - das heißt Verwendung gleichen Materials und gleicher Herstellungsprozesse - in französischen, italienischen und deutschen Werkstätten, darunter auch die Dresdner Firma von Susanne Heilmann-Schink, ist die Prachtentfaltung unmittelbar nachvollziehbar. Die neu gefertigten Textilien sind ja frei von Korrosionserscheinungen und anderen Beschädigungen, so dass der Glanz der Seide, des Seidensamtes und der Goldfäden ungebrochen ist. Hier und auch zukünftig kommen zwei Dinge zusammen: die historische Aura des Erhaltenen und der besondere Glanz des Rekonstruierten. Dank des Erhaltenen, darunter auch die "Krone" des Paradebetthimmels, konnte man im Vorfeld sehr genau nachvollziehen, wie etwas aussehen muss. Zudem wurden neueste technische Möglichkeiten, beispielsweise in der Zusammenarbeit mit Fraunhofer-Instituten, in Anspruch genommen - etwa um zu erfahren, wie bestimmte Fäden aufgebaut sind.

Ganz gewiss wird es zu einem großartigen Erlebnis werden - Syndram sprach davon, dass "die rekonstruierte Paradesuite das Grüne Gewölbe übertreffen wird" -, wenn man diese Einheit von Überliefertem und neuem "Alten" durchschreiten wird, vorbei an goldenen Pilastern, glänzenden Spiegeln, mit von wunderbaren Tapisserien und Seidensamten überzogenen Wänden, dem mit Seidensamten ausgestalteten Paradebett und den Silbermöbeln. Alles wird dank goldener Tressen und Posamenten strahlen, darunter das Audienzgemach mit Audienzsessel Augusts des Starken. Eine kleine Vorstellung, wie die Räume aussehen werden, gibt die erwähnte Videoanimation, die ebenso einige Einblicke in die Werkstätten der beteiligten Handwerker, eher muss man wohl von Künstlern sprechen, vermittelt.

Natürlich ist diese Exposition nur ein Vorgeschmack auf Kommendes - aber ein sehr Phantasie anregender, der ein wenig schon die Aura anklingen lässt, die das Paradeappartement unter anderem mit Erstem Vorzimmer, Zweitem Vorzimmer, Audienzgemach und Paradeschlafzimmer verströmen wird. Den beiden Kuratorinnen jedenfalls - Charlotte von Bloh und Sabine Schneider - war ihre Begeisterung anzumerken. Wenn man sich so intensiv wie diese beiden Wissenschaftlerinnen mit der Materie auseinandersetzt, dann entdeckt man eben auch Feinheiten - wie versteckte Taschen im Römischen Kostüm Augusts des Starken. Was er wohl darin aufbewahrt haben mag? Vielleicht so etwas Profanes wie ein Tuch zum Schnäuzen.

ibis 24. Februar 2014, Neues Grünes Gewölbe, Sponselraum, geöffnet täglich (außer Di) 10 bis 18 Uhr, 20.-31. Januar 2014 Schließzeit, Katalog 25 Euro (im Buchhandel 34 Euro)

www.skd.museum

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.11.2013

Lisa Werner-Art

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