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Kniefall vor den Künsten - Ein Literaturabend mit Hans-Jörg Dost und Uta Hauthal

Kniefall vor den Künsten - Ein Literaturabend mit Hans-Jörg Dost und Uta Hauthal

Dieser Abend war der Schönheit der Sprache gewidmet, der Kunst des wohlgesetzten Wortes. In der Stadtteilbibliothek in Reick las Hans-Jörg Dost vor einem kleinen Publikum ältere und neue Gedichte zum Thema "Orte zu leben".

Es war auch ein Abend der schönen, mit Bedacht gewählten Töne. Denn zu dem Programm gehörten auch die Chansons der Dresdner Sängerin und Autorin Uta Hauthal und des Pianisten Derek Henderson.

"Wo ist Heimat?" fragt Hans-Jörg Dost, der seit fast vier Jahren in Dresden lebt. Bis zu seiner Pensionierung arbeitete er als Pfarrer einer kleinen, evangelischen Gemeinde im österreichischen Murau in der Steiermark. Die Jahre der Wende erlebte er als Pfarrer in einem Erfurter Neubaugebiet und gründete auch den Demokratischen Aufbruch in Thüringen mit. Hans-Jörg Dost, der neben diesen - wie er es nennt - "Aufgaben" zahlreiche Hörspiele, Theaterstücke, Gedicht- und Prosabände veröffentlichte, ist 1941 in Leipzig-Leutzsch geboren. "Nichts wollte ich sagen zum Thema Heimat...", heißt es in einem seiner Gedichte.

In der Hochgebirgslandschaft von Murau hat der Lyriker das "Wiederleben im Rhythmus des Jahres" erfahren. Er beschreibt, wie man in der Natur und in der Stille gesunden kann ("hier wollte ich schweigen/dann begann es mich zu erzählen"). "Auf nimmt uns immer der eine Boden", sagt der Dichter und bezieht sich dabei auf ein Bild des expressionistischen Malers und "großen Gärtners" Emil Nolde. Was Dost auf seinen Reisen durch Finnland, Kroatien und Prag erfuhr, bündelt er in philosophischen Betrachtungen. "Hier hast du nichts außer dem dass du bist", heißt es in einer seiner Wort-Ergründungen.

Gediegen und traditionsbewusst sang Uta Hauthal mit angenehmer Alt-Stimme die meist melancholischen Chansons von Manfred Schmitz und zum Teil eigene Kompositionen zu Texten von Wilhelm Busch und Louis Fürnberg. Der Pianist Derek Henderson, der aus Schottland stammt und seit 1997 in Dresden lebt, begleitete sie dazu und spielte auch ein Solo - ganz im Stil der elegisch-glitzernden Verstörung der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Auch Uta Hauthal fragte in ihren Texten nach "Lebensorten". Hauthal wurde 1966 in Dresden geboren, arbeitet als Schriftstellerin, Sängerin und Pädagogin und ist seit 2009 Vorstandsvorsitzende der Unabhängigen Schriftsteller Assoziation Dresden (ASSO). Sie stellte die Begeisterung eines Griechenland-Aufenthalts dem nüchternen Alltagsleben in Dresden gegenüber. In ihrer ausgesuchten, literarischen Sprache "grüßt das Meer mit kalter Windeshand", will sie sich die "Spitze des Turms als Kette um den Hals legen". Doch nicht jede Metapher gelingt, sondern kommt mit "holperndem Geröllschritt" oder "murmelt im Keller im Schlaf" wie ein Motorrad.

Dosts Sprache wirkt ebenfalls wie aus dem vergangenen Jahrhundert - und sie ist es ja wirklich! Auf einem Spaziergang auf dem Moritzburger Gabelweg, den auch der mit ihm befreundete, 2006 verstorbene Grafiker Hans Georg Anniès besonders mochte, "verbirgt sich im Laubberg die Gestalt der Moräne". Mitunter sind es die Adjektive, die wie mit "trunkenen Matten ins unentrinnbare Tal" den klaren Blick verstellen. Wer auch Konflikte, Leidenschaften, schwere Schicksale kennt, der hatte an diesem Abend nichts zum Vergleichen. Nein, auch was "Heimat" ist, erfuhren die geduldigen Zuhörer nicht. Dafür blieben die Worte zu sehr an der Oberfläche, in der Rezitation, in dem Kniefall vor den schönen Künsten stecken. Wie sagen die Meister unter den Buddhisten: Alle Gefühle sind Schmerz. Und Schönheit ist auch nur ein Gefühl.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.01.2012

Andrea Rook

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