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Kleine Dresdnerin erobert das Staatsschauspiel

Kleine Dresdnerin erobert das Staatsschauspiel

Mit ihren geflochtenen Zöpfen, einer blauen Jeans und dunklem Pullover mit Blümchenmuster wirkt die neunjährige Philine Menzel wie ein ganz normales junges Mädchen.

Was sie von allen anderen Kindern in ihrem Alter unterscheidet? Im Dresdner Schauspielhaus kennt sie sich aus wie keine andere ihres Alters. Vor allem hinter der Bühne, in den Proberäumen und Garderoben. Philine wandelt zielsicher durch die vielen Gänge. Der Grund: Seit Wochen ist das Theater ihr zweites Zuhause, denn in Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald" spielt sie eine entscheidende Rolle.

Ein Aufruf auf der Facebook-Seite des Staatsschauspiels war der Auslöser für Philines Engagement bei der Produktion von Barbara Bürk. "Meine Tante hatte uns erzählt, dass für das Stück noch Nachwuchsschauspieler gesucht werden", erzählt das Mädchen. Kurzerhand ging Philine zum Casting. Einige Wochen später stand sie auf der großen Bühne. "Ich bin eine Art Erzähler", berichtet sie. Zusätzlich singt sie und spielt am Klavier Johann Strauß' "Zithermotiv".

Zum ersten Mal auf der Bühne stand Philine erst in diesem Jahr, denn an ihrer Schule, der 30. Grundschule am Hechtpark, führen jedes Jahr die Drittklässler für die Erstklässler zur Schuleinführung ein Theaterstück auf. "Ich hatte die Hauptrolle", erzählt Philine stolz. Gegeben wurde das Schulmusical "Traum zu Glauben" - eine Aufführung, die der Grundschülerin viel Spaß bereitete und die Leidenschaft zum Schauspielern in ihr weckte. Doch vom Schulmusical auf eine der großen Theaterbühnen Dresdens ist ein Schritt, den wohl nicht jedes Kind so souverän gemeistert hätte. Nicht nur dem Publikum zur Premiere am 23. November ist Philine positiv aufgefallen, auch die anwesenden Pressevertreter fanden nur Lob für die junge Dresdnerin. So schrieben die DNN in ihrer Rezension des Stückes: "Eine schöne Idee ist es, die Regieanweisungen des Autors von einem kleinen Mädchen im blauen Kleidchen sprechen zu lassen, das auch als Symbol von Unbekümmertheit fast immer präsent ist, hüpft und beobachtet, musiziert und singt. Zur Premiere spielte Philine Menzel bewundernswert selbstbewusst dieses Kind."

Doch um was geht es eigentlich in dem zweieinhalb Stunden langen Stück? "Also Oscar möchte Marianne heiraten, die liebt aber Alfred und bekommt auch ein Kind mit ihm. Allerdings wird Alfred spielsüchtig, und das Kind wird an seine Großmutter gegeben. Die tötet dann den kleinen Leopold", berichtet Philine. Grundsätzlich gefällt ihr das Stück, nur das Ende mag sie nicht. Doch die Hauptsache ist, dass sie mit ihrer eigenen Leistung zufrieden ist, und genau trifft zu: "Ich habe bei der Premiere nicht einmal meinen Text vergessen", erklärt Philine. Aber aufgeregt war sie trotzdem. "Bei der öffentlichen Probe war ich so nervös, dass ich bei jedem Satz schlucken musste", berichtet sie. Außerdem sei es schwierig gewesen, sich zu merken, wo sie auf der Bühne stehen muss. "Aber meine Assistentin hat mir immer geholfen, und auch alle Schauspieler waren sehr nett", so Philine. Bei der Premiere lief dann alles wie am Schnürchen, und das Schönste war am Ende das Verbeugen, wie die Dresdnerin erzählt: "Vor allem die Einzelverbeugung war toll. Das Publikum hat laut applaudiert."

Für diesen Erfolg musste Philine aber auch lange Zeit proben. Über sechs Wochen lang, bis zu drei mal pro Woche, war sie im Theater, ging aber auch noch zur Musikschule und zum Training. "Ich mache Boden- und Geräteturnen", erzählt Philine. Und wann besuchte sie die Schule? "Manchmal bin ich eher gegangen oder wurde freigestellt", berichtet die junge Schauspielerin. "Das musste aber vorher alles genehmigt werden", fügt Jenny Menzel, Philines Mutter hinzu. Außer der Erlaubnis der Schule benötigte Philine unter anderem auch ein ärztliches Attest. Für die Stunden, die sie im Unterricht fehlte, bekam sie zusätzliche Hausaufgaben, alle Klassenarbeiten schrieb sie nach. "Die Theaterproben und die Schule unter einen Hut zu bekommen war gar nicht das Problem", erklärt Jenny Menzel. "Das eigentliche Problem war, Philine überhaupt noch in die Schule zu bekommen", erzählt die Mutter lachend. Und auf die Frage, was ihre Tochter später mal werden möchte, kommt auch nur eine logische Antwort in Frage: "Schauspielerin!"

Nadine Steinmann

i"Geschichten aus dem Wiener Wald", am 18. Dezember, 19.30 Uhr im Schauspielhaus Dresden, Tickets ab 10 Euro gibt es unter der Tel. 0351/ 4913 555, am Kassen- und Servicezentrum im Schauspielhaus, Theaterstraße 2 in 01067 Dresden (Mo. bis Fr. 10 bis 18:30 Uhr, Sa 10 bis 14 Uhr).

www.staatsschauspiel-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.12.2013

Nadine Steinmann

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