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Klaus Florian Vogt singt in Dresden den Cavaradossi

Klaus Florian Vogt singt in Dresden den Cavaradossi

Wenn Tosca stirbt, wenn sie von der Engelsburg in Rom in den Tod springt, wollen viele dabei sein. Die 22. Vorstellung des beliebten Opernkrimis von Giacomo Puccini in der Semperoper war ausverkauft.

Der Todessprung fällt in der Inszenierung von Johannes Schaaf aus dem Jahre 2009 eher behäbig aus, aber bis dahin konnte das Publikum den ganzen Zauber der Musik genießen. Puccini geht mit seinen melodischen Künsten, mit den Schattierungen in den vielen Farben des Orchesterklanges ja wahrhaft verschwenderisch um.

Sicher wollten nicht wenige Besucher dabei sein, wenn der Tenor Klaus Florian Vogt hier, wo er von 1998 bis 2003 dem Ensemble angehörte, sein Debüt in einer großen italienischen Partie gibt. Jetzt zieht er frei als romantischer Held, besonders in den jugendlichen Partien Wagners, als Lohengrin, Siegmund oder Parsifal, um die Welt. Mit Erfolg. Wirklich schön, dass er in Dresden Station macht, wenn auch nur für drei Vorstellungen.

Vogt ist als Maler Cavaradossi ein sympathischer junger Bohemien mit ziemlich langer blonder Mähne. Fast schüchtern zunächst schlittert er in eine Geschichte, die für ihn und seine Geliebte Tosca tödlich ausgeht, in deren Verlauf der junge Mann aber vehement an Größe gewinnt. Das ist szenisch ein so interessantes wie ungewöhnliches, bei Vogt aber überzeugendes Angebot. Gesanglich bleibt er seinen geschätzten lyrischen Tugenden verpflichtet, jugendlich und hell ist seine Tenorstimme, nach anfänglicher Zurückhaltung immer mehr an Kraft gewinnend, bis in den trügerisch jubelnden Ausbruch kurz vor dem Finale. Eine authentische Gestaltung die am Ende überzeugt und mit starkem Beifall belohnt wird. Begeisterung des Publikums auch für Emily Magee in der Titelpartie und Andrzej Dobber als Scarpia, die sich im zweiten Akt eine spannende Auseinandersetzung liefern und dabei stimmlich richtig auftrumpfen können.

Das Ereignis dieses Opernabends aber vollzieht sich im Orchestergraben. Hier beschert die Sächsische Staatskapelle unter Leitung von Julian Kovatchev dem Publikum eine Abfolge klingender Genüsse. Wie beispielsweise im dritten Akt so zart die Morgenstimmung aufsteigt, wie der Klang des Orchesters nach dunklen Passagen tragischer Vorahnung und kurzem kammermusikalischem Innehalten mit betörendem Klang der Klarinette den Tenor hinaufträgt zu den Sternen, Toscas Geschäftigkeit bedenklich begleitet, in der Gemessenheit eines Trauermarsches den trügerischen, a cappella gesungenen Jubel der Liebenden schon vor den tödlichen Schüssen widerlegt, das macht die zuverlässige Sonderklasse eines Dresdner Opernabends aus. Boris Michael Gruhl

Weitere Aufführungen: 17.12, 19 Uhr mit Emily Magee (Tosca), Klaus Florian Vogt (Cavaradossi); 28.12. sowie 2. und 13.1.2012, jeweils 19 Uhr, mit Oksana Dyka (Tosca), Giorgio Berrugi (Cavaradossi)

www.semperoper.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.12.2011

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