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Klaus F.K. Schmidt sammelt Kunst und betreut Künstler - als Steuerberater. Ein Spannungsfeld als Gesprächsanlass.

Klaus F.K. Schmidt sammelt Kunst und betreut Künstler - als Steuerberater. Ein Spannungsfeld als Gesprächsanlass.

Mit Geld kennt sich der Wahldresdner Klaus F.K. Schmidt aus. Als Wirtschafts- und Steuerberater muss er das natürlich. Darüber hinaus ist er aber zusammen mit seiner Frau seit Jahrzehnten ein passionierter Kunstsammler.

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Klaus F.K. Schmidt vor einem Werk seiner Sammlung, das vom Düsseldorfer Künstler Ferdinand Kriwet stammt. Kriwet lebt mittlerweile auch in Dresden.

Quelle: Patrick Johannsen

Im Gespräch mit Dirk Birgel, Kerstin Leiße und Torsten Klaus erzählt er über Pro und Contra von Kunstmessen, die kleinen Fallen der Umsatzsteuer und die Bedeutung der Galeristen.

Frage: Kunst und Steuern sind kein vordergründiges Thema, vor allem bei den bildenden Künstlern. Wird ein junger Künstler, sagen wir an der Dresdner Hochschule für Bildende Kunst, während seiner Ausbildung überhaupt einmal mit dem Thema Steuern konfrontiert?

Klaus F.K. Schmidt: Ja, vor Jahren war das so. Ich habe selbst jahrelang Vorlesungen für die Meisterschüler gehalten zu diesem Thema. Das schlief dann wieder ein. Es ist aber ein wichtiges Thema für den Künstler, weil man viele Fehler machen kann - zum Beispiel beim Schreiben der Rechnung: Die korrekte Rechnungserstellung entscheidet über die Höhe der Umsatzsteuer, die letztlich für den Künstler einen Kostenfaktor darstellt. Normalerweise wird Kunst mit sieben Prozent Umsatzsteuer belegt. Ein Wandgemälde aber, also ein Bild direkt auf die Wand gemalt, mit 19 Prozent. In einer Liste wurde einst vorgegeben, wofür der geringere Satz zu zahlen ist. Damals waren Kunstformen wie Ölmalerei, Grafik oder Guss gängig. Mittlerweile haben sich die Kunst und ihre Formen aber stark gewandelt. Videos, Fotoarbeiten oder Installationen aus den verschiedensten Materialien sind beispielsweise dazugekommen - und lösen häufig den Umsatzsteuersatz von 19 Prozent aus, weil sie nicht in die erwähnte Tarifliste eingeordnet werden können. Das sind Themen, für die der Künstler sensibilisiert werden muss. Dagegen sind die aktuellen Steuerdebatten wie im Fall Georg Baselitz eher kleine Hexenjagden. Das lässt sich für die bevorstehenden Wahlkämpfe politisch ausnutzen. Angeblich sind 95 Prozent aller Deutschen steuerlich unehrlich. Das wird auch solange bleiben, bis endlich auch Steuerverschwendung wie Steuerhinterziehung geahndet wird, bis die privaten Mauscheleien, die Vetternwirtschaft und das Postengeschachere der politischen Kaste ein Ende gefunden hat.

Apropos Baselitz: Wie wird der Fall Ihrer Ansicht nach ausgehen?

Ich kenne die Details nur aus den Medien. Baselitz hat offenbar keine Selbstanzeige gemacht, sondern war als Person auf einer der sogenannten Steuer-CDs vermerkt. Die dort verzeichneten Konten und Kapitalerträge bedeuten aber deshalb noch lange nicht, dass sie nicht versteuert gewesen wären. Die Tatsache einer staatsanwaltlichen Hausdurchsuchung ist natürlich schon bedenklich, entspricht aber leider einer mittlerweile bei den Strafverfolgern hinsichtlich Steuervergehen eingerissenen total überzogenen Vorgehensweise, die selbst der Präsident des Bundesfinanzhofs als äußerst fragwürdig und teilweise schon als rechtswidrig eingestuft hat. Es darf nicht geduldet werden, dass der Staat sich selbst vorsätzlich rechtswidrig und damit letztlich kriminell verhält, um angebliches Fehlverhalten seiner Bürger zu ermitteln. Dazu gehört auch das Öffentlichmachen von Steuerermittlungen, das nach dem Gesetz einwandfrei als Verletzung des Steuergeheimnisses eine Straftat ist.

Wie sieht das Thema Steuern für Sammler und Galeristen aus? Wo können sie in die Bredouille geraten?

Im internationalen Kunstmarkt spielen deutsche Sammler eine geringe Rolle. Da dominieren russische, amerikanische, asiatische. Dort ist das Zahlen ohne Rechnung leider sehr weit verbreitet. Und da haben auch die Galeristen Probleme, wenn jemand einfach eine hohe Summe Bargeld hinlegt und sagt: Ich will dafür dieses und jenes Kunstwerk kaufen. Hier und jetzt.

Das ist ja auch schon im kleinen Rahmen denkbar...

Natürlich. Angenommen, da kommt jemand direkt in irgendein Dresdner Atelier und sagt: Dieses Gemälde zum Preis von 10 000 Euro hätte ich gerne, zahle bar, Rechnung brauche ich nicht. Als Käufer privater Dinge bin ich nicht verpflichtet, eine Rechnung zu verlangen oder aufzubewahren. Der Künstler als Verkäufer muss natürlich jede Bareinnahme aufzeichnen. Bei einem Betrag von über 15 000 Euro muss er sich als Empfänger des Geldes sogar den Ausweis seines Kunden zeigen lassen und aufschreiben, wer genau ihm diese Summe gegeben hat. Das basiert auf dem sogenannten Geldwäschegesetz. Sollte der Künstler irgendwann nach diesen Daten gefragt werden, sind sie zu nennen. Mittlerweile werden die kaufmännischen Pflichten der Künstler in aller Regel von Assistenten oder von den Galerien erledigt. Es ist eine klassische Aufgabe des Galeristen, die Verkäufe für den Künstler zu regeln. Der Künstler, der meint, aus seinem Atelier verkaufen zu können, an seinem Galeristen vorbei - der macht einen riesengroßen Fehler. Es gibt keinen Künstler, der auf diesem Weg bekannt wird. Er kann nur dann reüssieren, wenn er sich mit einem Galeristen zusammentut. Ihn braucht er dringend in dem System des Kunstmarktes, nicht nur in finanzieller Hinsicht. Es geht darum, den Künstler bekannt zu machen, mit Kuratoren zu sprechen, Verbindungen zu Museen oder auch zur Presse herzustellen etc. Der Galerist ist praktisch die Netzwerkzentrale für den Künstler. Ohne diese Arbeit läuft eigentlich nichts.

Wie ist es bei Kunstkäufen aus dem Atelier?

Ich bin als Sammler mit vielen Künstlern freundschaftlich verbunden. Besuche in den Ateliers sind eher selten. Sie sind letztlich ein Eindringen in die Intimsphäre des Künstlers. In den seltenen Fällen eines Kunstkaufes aus dem Atelier wird dies grundsätzlich über die Galerie des Künstlers finanziell abgewickelt. Der Kaufpreis ist dann zwar um den Galerieanteil höher, aber...

Wie sieht diese Spanne denn genau aus?

In aller Regel beträgt die Spanne 50 Prozent. Bei einem Galerieverkaufspreis von 10 000 Euro erhält der Künstler also 5000 Euro. Das erscheint im ersten Moment eine große Spanne für die Galerie. Aber es gibt wie überall sonst auch Rabatte, für professionelle Sammler oder Museen etwa. Also wird ein Bild nicht für 10 000 Euro, sondern für, sagen wir 8000 verkauft. Es bleiben dem Galeristen also nur 30 Prozent Rohgewinn. Davon müssen alle Kosten, angefangen von der Galeriemiete, den Personal- Versicherungskosten bis zu den immensen Präsentations- und Messekosten gezahlt werden. Läuft es bei den Messen nicht schon am ersten und zweiten Tag, wird jeder folgende Tag für die Galeristen eigentlich zum Problem. Dieses finanzielle Engagement aus der Verantwortung dem Künstler gegenüber (häufig mit Hilfe von Bankkrediten und persönlichen Bürgschaften) ist in der Vergangenheit oft die Basis für ein dauerhaftes Agieren der Galerien, letztlich insbesondere zugunsten der von ihnen vertretenen Künstler gewesen. Es gibt Galerien, die jahrzehntelang ihre Künstler am Leben erhielten, ohne nennenswerte Kunstwerke dieser Künstler je verkauft zu haben. Bei dieser Kenntnis relativiert sich die Spanne von 50 Prozent sehr schnell.

Ganz abgesehen davon muss man ja einfach festhalten, dass ein Künstler ohne seine Galerie überhaupt keine Chance auf eine Messebeteiligung und damit auf ein breites Publikum hat.

Kunstmessen, gerade die großen, sind ein eigenes Themenfeld. Die gerade beendete Art Basel hat das wiederholt gezeigt.

Die großen Kunstmessen wie die Art Basel sind Schauplatz des Kaufens und Verkaufens, mit einigen überraschenden Aspekten. Amerikanische Sammler neigen dazu herumzulaufen und alle möglichen Werke zu reservieren. Dann überlegen sie es sich oft anders oder melden sich gar nicht mehr bei den Galeristen. Amerikanische Käufer gelten deshalb oft als unzuverlässig. Und beim Kauf steht häufig der Renditegedanke im Vordergrund. Das greift aber auch hierzulande immer mehr um sich. Der Sammler, der ein Kunstwerk wegen seiner Ästhetik, seiner Aussage, seines Kontextes erworben hat, wird immer seltener. Kunst degeneriert zum Spekulationsobjekt, ähnlich einer Aktie. Das scheint wohl auch keine vorübergehende Entwicklung, eine Blase zu sein, die irgendwann platzt. Meine Frau und ich werden mit unserer Einstellung "Sammeln um zu kuratieren" häufig wie Wesen von einem anderen Stern angeschaut.

Für manche Sammler ist das ständige Kaufen und Verkaufen zum wichtigen Erlebnis mit der Kunst und vor allem auch mit den Künstlern geworden. Sie entwickeln sich damit zu Quasihändlern. Und vielleicht auch ungewollt zu potenziellen Steuerhinterziehern. Regelmäßiges Kaufen und Verkaufen von Kunst ist ein steuerlich gewerbliches Verhalten. Es reicht schon, pro Jahr drei, vier oder fünf Werke zu verkaufen, um in den gewerbsmäßigen Bereich zu rutschen. Das muss man dann nicht als Gewerbe anmelden, aber die Gewinne trotzdem versteuern. Andersrum: Wenn ich einmal in fünf Jahren als Sammler ein Bild verkaufe, unabhängig von der Höhe des Gewinns, ist das ein privater Verkauf und somit steuerfrei.

Was halten Sie von Messen, bei denen die Künstler selbst in der Box stehen, wie die Dresdner Künstlermesse?

Kunst spielt sich natürlich nicht nur in den höheren Preiskategorien ab, sondern auch im dreistelligen Bereich, bei Grafik zum Beispiel. Das ist ein wichtiger Part. Denn der Normalbürger fährt eben nicht zur Kunstmesse nach Basel und schaut sich das dort an. Selbst wenn er es täte, würde er vor den Preisen kapitulieren. Also ist es wichtig, dass auch regionale Kunst ihr Publikum findet, wie auf der Dresdner Künstlermesse beispielsweise.

Doch der Kunstmarkt ist international und wird es immer stärker.

Die Kunstszene ist mittlerweile gerade auch durch die Globalisierung und die modernen Kommunikationsmittel nur international zu beurteilen. Da ist es für die regional agierenden Künstler und Galerien schwierig, am Kunstmarkt angemessen teilzunehmen. Das hat nichts mit der Qualität der Kunst zu tun, das sind Marktmechanismen, die vom Einzelnen wohl nicht zu beeinflussen sind. Die Beschränkung auf die Region gilt es zu überwinden. Der Stipendiat von der Hochschule der Bildenden Künste hier in Dresden, der beispielsweise drei Monate in den USA leben und arbeiten darf, hat die Chance sich international zu vernetzen. Er sollte sie intensiv nutzen.

Sie sind Sammler und Steuerberater in Personalunion.

Das versetzt mich in die Lage, für gewisse Situationen der Künstler auch viel mehr Verständnis aufzubringen. Branchenspezifische Kenntnisse helfen mir. Ich berate ja auch viele Künstler in Steuerfragen. Nehmen Sie zum Beispiel einen verheirateten Künstler, der sich scheiden lässt. Existiert kein Ehevertrag, muss auch er die Hälfte seines Vermögens an die Ehefrau abgeben. Dieses Vermögen besteht oft in einem großen Lager unverkaufter Werke. Die Herausgabe von Teilen des Werkbestandes ist steuerlich aber als eine Entnahme aus dem Betriebsvermögen zu behandeln und löst damit erhebliche, möglicherweise existenzbedrohende Steuerbelastung aus. Sie sehen, Kunst und Steuern ist ein weites Feld teilweise absonderlich anmutender Konsequenzen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.06.2013

DNN

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