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Klangzeichen von Viola Schöpe im Kurländer Palais Dresden

Klangzeichen von Viola Schöpe im Kurländer Palais Dresden

Die Bildkünstlerin Viola Schöpe gehört fraglos zu den interessantesten Persönlichkeiten ihrer Generation in der hiesigen Kunstszene, obwohl sie sich nicht immer hier aufhält und vom herkömmlichen Bild der Dresdner Schule mit sehnsuchtsblauen Himmeln, feinem Impasto und eher problemloser Thematik krass abweicht, wozu aber gewisse Bezüge nicht fehlen.

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Viola Schöpe. Katzenmusik. 2013. Öl auf Leinwand.

Quelle: Repro: Viola Schöpe

Wenn die demnächst 50-Jährige jetzt im Kurländer Palais eine Kollektion von 2006 bis 2013 zeigt, so steht sie immerhin auf der Höhe eines schon opulenten Lebenswerkes von der Handzeichnung über Malerei und Assemblagen diverser Techniken, einem plastischen Œuvre und flächengewaltigen Gestaltungen im öffentlichen Raum hier und anderswo, die kein Kritiker leichthin zerreden kann.

Dabei hat alles so begonnen wie bei den meisten ihrer Zeitgenossen: Die am 23. April 1963 Geborene studiert 1983 bis 1988 bei dem als Lehrer immer stärker hervorragenden Günter Hornig an der Dresdner Kunsthochschule Szenografie und macht nach dem Diplom fachlich folgerichtig als Bühnen- und Kostümbildnerin am Schweriner Staatstheater weiter. Das kann aber als Episode angesehen werden, die dem geradezu explosiblen Potenzial der jungen Künstlerin, das über alle Bildkünste bis zur Aktion reicht, auf Dauer nicht entsprechen. Der friedliche Umsturz öffnet die Wege über die Studienreisen der 80er Jahre im Ostblock (u. a. Bulgarien, Russland, Mongolei) hinaus in die weite Welt, freilich nicht im touristischen Sinne. Neben dem nunmehrigen Nachbarland Frankreich sucht Viola Schöpe ihr Arbeitsfeld in entlegenen Territorien, wo der Mensch noch seinen Ursprüngen nahe ist. Es gibt bereits etliche kluge Kommentare zu ihrem Werk, die es einem schwer machen, sich auch noch in Rede oder Schrift dazu zu äußern. Das Beste stammt ohnehin von ihr selbst und sei in einer kurzen Passage hier zitiert: "Ich begreife mein Künstlertum als privilegierte Suche nach Quellen des Lebens und finde sowohl bei Brasiliens Busch-Indianern und den nordamerikanischen Navajo als auch beim afrikanischen Wüstenstamm der Tuareg eine große Nähe zu ursprünglichen Formen von Magie, Energie und Kunst. Es geht mir darum Dinge sichtbar zu machen, die man sonst nicht sieht. Ich nehme den Betrachter mit auf eine Reise in unbekannte Welten."

Diese verinnerlichten Urgrund-Kräfte prägen Viola Schöpes Schaffen seit den frühen 90er Jahren bis heute, notabene in stetiger Wandlung und Reife. Gestützt auf eine so sichere wie sensible Zeichenkunst, kann sie ihre Bildbotschaften zart und energisch bis zum Pathos formulieren, wie es das jeweilige Thema gerade erfordert. Sie baut daraus Kompositionen von großer Überzeugungskraft, mit einer Farbskala zum Klingen gebracht, die auf einem Grundfonds aus Erdfarben und Blautönen vom dunklen Kobalt bis zum strahlenden Azur besteht und mit den Restfarben der Palette im Detail gesteigert wird. Gefallsucht geht ihr dabei völlig ab.

Die archaische Kraft dieser Kunst mag gelegentlich allzu romantische Gemüter erschrecken, und natürlich geht es hier nicht um das ähnliche Abbilden von Menschen und Dingen. Die Künstlerin treibt vielmehr solchermaßen als Substrat ihrer Begegnungen und Erlebnisse die heilsamen Kräfte hervor, an denen es in unseren zivilisatorischen Breiten mangelt: Sinnlichkeit, Staunen, Riten und Mythen im ewigen Kreislauf von Geburt, Leben, Liebe und Tod.

Der Impetus, der Viola Schöpe in weite Ferne treibt, die Suche nach Menschlichkeit im Ursinne, gilt natürlich auch für Näherliegendes. Er manifestiert sich auf die wirkungsvollste Weise über die Kunst im öffentlichen Raum. Hier kann sie alle Künste, die sie selbst beherrscht, vereinen; auch Musik, Performances und dergleichen fänden da ihren idealen Ort. Namentlich ihre plastischen Werke, in denen ich immerhin Assonanzen zu Max Ernst (man vergleiche dessen Bronze "Eifriger Freund" mit ihrem "Herzensbrecher") und auch zu Willy Wolff wahrzunehmen meine, gehen wunderbar in diese Synthese mit Bauwerk und Malerei ein.

Da wir ihr Opus Magnum in dieser Hinsicht in etwa einem Kilometer Luftlinie erleben können, gehe ich jetzt auf weiteres dergleichen nicht ein. Er ist nicht "dergleichen", eher "sondergleichen": der Kunsthof in der Äußeren Neustadt zwischen Görlitzer und Alaunstraße. Die Künstlerin schuf hier auf 900 Quadratmetern Hinterhoffassaden eher durchschnittlicher Gründerzeitgebäude ein multimediales Gesamtkunstwerk, das inzwischen Legende und Touristenattraktion in einem geworden ist und das seit 15 Jahren! Was hier durchströmt, sind keine Kunstfans, das ist vielmehr "Bevölkerung" in dem Begriffe, wie ihn Hans Haake für die Überschrift des Berli-ner Bundestages seinerzeit gefordert hatte. In jedem Falle ist es verdienstvoll, dass im Kurländer Palais neben Kastenmeiers gastronomischen Künsten auch die Bildkunst Platz gefunden und dem Künstler hoffentlich gegeben wird, was er verdient. Da das nicht überall so ist, hat der Sächsische Künstlerbund eine "Richtlinie zur Ausstellungsvergütung für bildende Künstler in Sachsen" erarbeitet, die allen Interessenten zur Verfügung steht.

Jürgen Schieferdecker

"Klangzeichen", bis 6. März, Kastenmeiers im Kurländer Palais, Tzschirnerplatz 3-5, täglich 12-23 Uhr geöffnet

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.02.2013

Jürgen Schieferdecker

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