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Kinderführer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden führt durch den Orient

Kinderführer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden führt durch den Orient

Der Durchschnittsgläubige hat von Engeln eine, sehr behutsam gesagt, vorwissenschaftliche Anschauung. Von ihrem Wesen her begreift er sie nicht als "unendliche Prinzipien der Struktur kosmischer Teilordnungen" (so Karl Rahner), sondern als ätherische bis putzige, jedenfalls aber vergleichsweise gute Geister, und was ihre äußere Erscheinung angeht, so orientiert er sich an Raffaels (B)Engeln respektive den auf ihre Art nicht minder trefflichen Elfpunkteengeln aus dem Hause Wendt und Kühn.

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SKD (Hrsg.): Zwei Engel und der Zauber des Orients. Sandstein Verlag, 40 Seiten, 9,95 Euro

Quelle: Verlag

Die beiden Engel Raffaels sind an sich namenlos wie der namenlose Rächer in dem Western "Pale Rider", unter den Namen Angelus und Uriel tummeln sie sich allerdings in Museumsführern, die die Staatlichen Kunstsammlungen speziell für Kinder herausgeben. Der erste Band erschien 2006, der frisch erschienene siebte führt in die Rüstkammer und die Türckische Cammer. Verfasst hat das Werk Ramona Nietzold, illustriert der Dresdner Mediendesigner und Illustrator Michael Kaden. Gemäß der Textvorlagen fertigte Kaden Skizzen, dann nahmen die Figuren am Computer ihre Gestalt an, wobei das Personal zeichnerisch dem Stil der pausbäckigen Wonneproppen angepasst ist. Anschließend wurden die Hintergründe für die Illustrationen vor Ort von Kaden fotografiert und danach hineinprojiziert.

Erstmals nehmen Angelus und Uriel also die Englische Treppe in Augenschein und finden sich im Riesensaal wieder, der nicht deshalb so genannt wird, weil er so groß ist, sondern weil die Wände zwischen Fenstern einst mit überlebensgroßen Kriegern bemalt waren, wie sie von einem Mann erfahren, den sie erst mal aus einer Rüstung befreien müssen, aber Engel helfen ja gerne, ob es sich nun um gelbe wie beim ADAC oder um nackige wie bei diesen beiden Gesellen handelt. Der Mann erweist sich als Kurfürst August, dem es schon lange auf die Nerven geht, mit seinem Ur-Ur-Urenkel August den Starken verwechselt zu werden. Er klärt die Engel auch über das Turnierwesen seiner Zeit auf, weist darauf hin, dass eine ganz besondere Erfindung aus Sachsen dafür sorgte, dass sich die Ritter nicht verletzten. "Schaut euch mal den Harnisch von hinten an. Der Kopf des Ritters wird mit einem Bügel, der mit dem Helm und dem Harnisch am Rücken verschraubt ist, zusätzlich gesichert. Nichts kann verwackeln. Alles ist geschützt", lässt August die Engel wissen, die alsbald in einem Kinderharnisch stecken. Mit Harnischen wie diesen konnte ein Kurfürst jedem zeigen, wie reich und mächtig er ist, wenn sogar schon Kinder solche prunkvollen Rüstungen tragen. "Die waren nämlich sehr teuer", erklärt Kurfürst August.

Dann geht es in die Sammlung orientalischer Kunst (weitgehend handelt es sich um Waffenkunst), die in der Türckischen Cammer von Glanz und Gloria des Osmanischen Reiches kündet. August der Starke, der in diesem Kinderführer nun auch seinen Auftritt hat, oder andere Vertreter des sächsischen Hochadels machten bei Festen ganz gern mal auf Türke, nicht zuletz,t weil so ein Sultan wie Süleyman mit seiner scheinbar uneingeschränkten Macht und dem Glanz seiner Prachtentfaltung in gewisser Weise als Vorbild diente. Auch sonst hatte man keine Berührungsängste, wenn es um Türkisches ging. August der Starke stellte immer wieder Janitscharen-Garden auf, eingekleidet nach Vorbild der osmanischen Eliteinfanterie.

Angelus jedenfalls schießt einen Signalpfeil ab. In der Spitze des Pfeils ist ein Loch, deshalb gibt es ein pfeifendes Geräusch, wenn er durch die Luft fliegt, wie man erfährt. Zwischen Osmanen und Sachsen herrscht Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung, Angelus und Uriel, Süleyman, die beiden Auguste und alle anderen, darunter auch Frauen mit Gesichtsschleier, versammeln sich um einen riesigen Kochkessel, in dem der Mundkoch Augusts des Starken Suppe für alle zubereitet. Einen faden Beigeschmack hat das Ganze. Gut, es ist ein Kinderführer, aber zur historischen Wahrheit gehört nun mal auch, dass sächsische und türkisch-osmanische Truppen sich auf dem Balkan so manches Gefecht geliefert haben, Völkerfreundschaft nicht mal ansatzweise in der Luft lag.

Wie immer liegt dem Führer ein pfiffiges "Kreativ-Teil"(-heft) bei. Da kann man etwa Blumenranken ausmalen, die im Reich Sultan Süleymans "Rumi" genannt wurden, in Europa hingegen als "Arabesken" bekannt sind. Sehr hübsch auch die Bauanleitung für eine Laterne. Auf dieser sind Figuren abgebildet, die dem Schattentheater Karagöz (auf türkisch in etwa mit "Schwarzauge" zu übersetzen) nachempfunden sind.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.11.2014

Christian Ruf

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