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Kim Taylor spielt unverhofft im Thalia Dresden, wo auch ihr Film "I Used To Be Darker" gezeigt wird

Kim Taylor spielt unverhofft im Thalia Dresden, wo auch ihr Film "I Used To Be Darker" gezeigt wird

Bill bittet seinen Kumpel zu sich, damit es wird, wie es früher war. Ein wenig zumindest. Zusammen gehen sie in den Keller des Hauses, wo Schlagzeug, Gitarren und Verstärker noch spielbereit sind.

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Die Sängerin Kim Taylor spielt eine Hauptrolle bei "I Used To Be Darker".

Quelle: PR

Bill singt zur Klampfe ein verzerrtes Stück. Darüber, dass er bestimmt kein Interesse mehr hat, mit "ihr" zu schlafen. Nie mehr. "Sie" ist mutmaßlich Kim, Ex-Frau und Mutter der gemeinsamen erwachsenen Tochter Abby. "Sie" ist fort, und bald sind es auch Schlagzeug, Gitarren und Verstärker. Eine letzte Akustische wird Bill noch bleiben, er zerschlägt sie nach einem melancholischen Lied.

Vieles in Matt Porterfields leisem Familien-Drama "I Used To Be Darker" hängt sich an Musik auf, an wildem Punk und feinen Singer/Songwriterklängen, an Liedern, die Seelenzustände beschreiben. Das Paar war einst auch eines auf der Bühne, bis Bill aufgab, um die Familie ernähren zu können. Kim blieb dabei und eine lokale Größe in Baltimore. Ausgerechnet jetzt, da die Beziehung endgültig zerbröselt, kommt Nichte Taryn aus Nordirland zu Besuch - verzweifelt, schwanger, ängstlich. Auch Abby hat Semesterferien und gerät in den kleinen Krieg der Eltern, der fast wortlos gekämpft wird. Trauer überwiegt, der Riss im Gemüt, der feste Wille, Schaden zu begrenzen.

Ein Song von Bill Callahan (Smog) gab Matt Porterfield den Titel seines starken, völlig unprätentiösen Films vor: In "Jim Cain" heißt es: "I started telling the story without knowing the end. I used to be darker, then I got lighter, then I got dark again. Something too big to be seen was passing over and over me." Eine Geschichte erzählen, ohne das Ende zu kennen. Dunkle Seiten vor dem Licht, dann wieder Dunkel. Etwas, das zu groß ist, um sichtbar zu sein. Paare während der Trennung, 19-Jährige beim Taumeln, Ende und Neubeginn, Triumph und Verlust: Das sind echte Film- wie Liedthemen, solche, die wiederkehren. Auch im Schaffen von Kim Taylor, die in "I Used To Be Darker" eine der Hauptrollen spielt. An ihrer Seite agiert mit Ned Oldham (Bruder von Will Oldham) ein weiterer Musiker und nicht-professioneller Schauspieler. Dem Film bekommt diese Authentizität natürlich gut, vor allem weil auch Konzertminuten zu sehen sind und man dabei sehr deutlich merkt, dass Kim Taylor eben Interpretin ist, nicht spielt. Sie singt "American Child", ein exemplarisches Stück für diese Film-Ehe und die Folgen.

Beim Sundance Festival und zur Berlinale 2013 wurde "I Used To Be Darker" vorgestellt (damals sangen Taylor und Oldham eine himmlische Version von "Love Hurts"), seit Donnerstag ist er in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

Drumherum gibt es eine kleine Tour von Kim Taylor, die kurzfristig und unverhofft, aber sehr willkommen um einen Dresdner Termin erweitert werden konnte. Mit dieser Frau kommt eine bei uns eher unterbelichtete Künstlerin erstmals in die Stadt, eine großartige Sängerin und Texterin. In Florida geboren, heute in Cincinnati lebend, begann sie mit 18 Musik zu machen, nachdem die Kinderschuhe mit Klavierunterricht und Flöte in der Marschkapelle ihrer Schule zu klein geworden waren. 2002 kam Taylors erste CD heraus, im Herbst letzten Jahres erschien ihre sechste. Sie spielte auf den großen Festivals der Szene, eröffnete Konzerte u.a. für Grant Lee Phillips und Ron Sexsmith, betrieb ein Café, wurde Mutter.

Die Filmrolle baut auf ihrer Erscheinung als Folksängerin auf: zurückgenommen, konzentriert, erdverbunden, reflektierend. Mit unangestrengter Einfachheit erschafft sie Atmosphäre, ihre markante, rauchige Stimme und eine akustische Gitarre dürften dafür ausreichen. Gern darf es mehr sein.

iDer Film "I Used To Be Darker" läuft bis Sonntag, 20 Uhr, Montag bis Mittwoch 18.15 Uhr im Thalia. Das Konzert mit Kim Taylor beginnt nach der Aufführung am Mittwoch, 20.30 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.01.2014

Andreas Körner

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