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„Kids on Stage“ 2016 im Festspielhaus Hellerau erstmals auch mit internationalen Gästen

Eine herrliche Rasselbande „Kids on Stage“ 2016 im Festspielhaus Hellerau erstmals auch mit internationalen Gästen

Was gibt es Schöneres, als auf der Bühne glückliche, inspirierte Kinder und Jugendliche zu erleben, denen das, was sie spielen, tanzen, erzählen ganz offensichtlich viel Freude macht. Das im Festspielhaus Hellerau veranstaltete Festival „Kids on Stage“ bietet gerade das.

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Szene aus "Wolkenkuckucksheim" der Gruppe Tanzmanege.

Quelle: Klaus Gigga

Dresden.  Was gibt es Schöneres, als auf der Bühne glückliche, inspirierte Kinder und Jugendliche zu erleben, denen das, was sie spielen, tanzen, erzählen, ganz offensichtlich viel Freude macht. Und in deren Aufführungen spürbar die Größeren den Kleineren, die Stärkeren den Schwächeren helfen wie überhaupt jeder jeweils vom anderen etwas lernen kann. Dabei lässt sich erahnen, wie viel Geschick, künstlerisches und pädagogisches Können es braucht, um so unterschiedliche Projekte möglichst zu einem Ganzen zu formen und auch dem Publikum mit vielen Verwandten, Freunden und Bekannten den Spaß am Gestalten zu vermitteln.

Eine herrliche Rasselbande ist da zu erleben. Und die Mitwirkenden scheinen sich offenbar auch mehrheitlich gern zu bewegen. Wo doch allgemein beklagt wird, dass es daran überall mangelt. Nicht so bei dem „Kids on Stage“-Festival im Festspielhaus Hellerau in seiner nunmehr vierten Ausgabe. Bei der es deutlich nicht nur um auserwählt Begabte geht. Mehr noch um jeden, der gern dabei sein möchte, sich dafür Zeit nimmt und entdecken kann, wozu er fähig und bereit ist.

Allein schon das Tanzprojekt der Evangelischen Grundschule Grumbach ist ein solches Beispiel für Ermutigung, wie es generell Schule machen sollte. Unter Leitung der Tänzerin und Choreografin Katja Erfurth sowie der Musikpädagogin, Kantorin und Chorleiterin Anne Horenburg wie auch gemeinsam mit wunderbaren Musikern zeigen die Kinder in dem Tanzstück zu Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, was es heißen kann, wenn da gesagt wird: „Jeder Mensch ist ein Tänzer“. Dabei macht das Ganze zudem Sinn und hat Form, ist in den gestalterischen Mitteln fantasievoll variiert, fordert die bald 100 Schüler heraus, ohne sie zu überfordern.

Das gelingt beileibe nicht immer. Und schon gar nicht, wenn in allzu ambitionierter Spielweise praktiziert wird, was man so gemeinhin als Schultheater bezeichnet. Wo sich in gewisser Weise auch die Angestrengtheit der jungen Darsteller vermittelt, es überhaupt anstrengend sein kann. Wie beim Auftritt von Theater-AG, Schulchor und Bigband des St. Benno-Gymnasiums „mit einer neuen Textversion und viel Musik“ bei „Antigone 2.0“. Irgendetwas ist dabei trotz der musikalischen Inspiriertheit schiefgelaufen. So dehnt sich das Projekt in seinen „Bestandteilen“ endlos aus, könnte dichter und verquickter sein. Was gewiss nicht so einfach ist. Aber möglich. Zumal die jungen Mitwirkenden spürbar engagiert dabei sind.

Eine gut durchdachte, stimmig realisierte Geschichte lässt sich bekanntlich mit vielen szenischen Mitteln erzählen. Das haben auf überraschende Weise auch die jungen Gäste aus Stockholm gezeigt, die sich in „Aufenthaltserlaubnis“ mit der Situation von unbegleiteten Flüchtlingskindern auseinandersetzen. Der 2001 von Jan Norrman gegründete gemeinnützige Verein „Cirkus Normal“ betreibt eine Zirkusschule für Kinder und Jugendliche mit rund 300 jungen Artisten. Von denen nun das Jugendensemble mit 15 Mitwirkenden erstmals bei „Kids on Stage“ im Festspielhaus aufgetreten ist.

Sie haben es geschafft, mit ihren ganz eigenen bewegten Möglichkeiten zu assoziieren, was diesen Kindern und Jugendlichen widerfährt, wenn sie sich den Gefahren der Flucht aussetzen, Hunger, Krieg und Gewalt zu entkommen suchen. Und wie sie am Ziel ihrer Sehnsucht allgemein abgefertigt werden oder auch freundlich aufgenommen und in den so besonderen Kreis der Artisten einbezogen sind. Das ist liebenswert und zugleich spannend in Szene gesetzt, nutzt mit Akrobatik, Tanz, Trapez, Jonglage, mit Seilen, Vertikaltuch oder Slackline auch Mittel des Zirkus. Da geht es um Enge, Furcht, Balance und Fall, um ein freies Schwingen, Auffangen, Verlorenheit, Risiko oder Zuversicht. Unglaublich, welche Bilder sich dabei auftun, wie das Akrobatische deutlich zu einer beredten Metapher wird. Dieses Stück von Jan Norrman und Lea Norrman-Firus sollte man überall zeigen.

Eingeladen wurden die Stockholmer von ihren Freunden der TanzManege (JugendKunstschule Dresden), die sich ihrerseits auch noch mit Kindern vom Hort Tintenklecks in Gorbitz zu einer gar nicht so verträumten „Wolkenkuckucksheim“-Geschichte verbündet haben, so dass schließlich im Großen Saal vom Festspielhaus eine sacht verquickte Aufführung im Dreierbund entstanden ist. Für „Wolkenkuckucksheim“ gab es den von einer Jury vergebenen, mit 1500 Euro dotierten 2. Preis bei „Kids on Stage“ 2016. Den die Gruppe gewiss auch mit dafür einsetzen wird, um ihre Zusammenarbeit mit „Cirkus Normal“ fortzusetzen. Der 1. Preis mit 2500 Euro geht an „Paz sem Rosto“ („Frieden ohne Gesicht“), eine sehr berührende Inszenierung vom Teatro o Tablado Rio de Janeiro.

Von Gabriele Gorgas

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