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Keine Angst vor großen Namen: Sängerin Gala El Hadidi ist nicht nur in Dresden auf Erfolgskurs

Keine Angst vor großen Namen: Sängerin Gala El Hadidi ist nicht nur in Dresden auf Erfolgskurs

Warum nicht für eine Anna Netrebko oder eine Renée Fleming einspringen? Die Ägypterin Gala El Hadidi hat vor solchen Fußstapfen keine Scheu.

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Gala El Hadidi (Dorina) probt die Neuproduktion des Intermezzos «Dorina e Nibbio» von Domenico Sarro mit einer «Contrascena» von Lucia Ronchetti in der Semperoper (Archivbild)

Quelle: dpa

Zuletzt war es bei einer Voraufführung des Silvesterkonzertes der Staatskapelle Dresden mal wieder so weit. Als „Csárdásfürstin“ glänzte die Mezzosopranistin nicht minder als später Sopranistin Netrebko bei der Fernsehübertragung. Auch vier Jahre zuvor war sie schon einmal als Vertretung eingesprungen, als Fleming wegen Schneegestöbers in ihrer Heimat USA nicht rechtzeitig zum Jahresausklang zur Semperoper reisen konnte.

Inzwischen hat Gala El Hadidi nicht nur in Dresden eine Fangemeinde. Hinter ihrer Karriere steckt ein hohes Maß an Respekt und Bescheidenheit, aber auch Selbstbewusstsein, Durchsetzungsvermögen. „Man kann seine Entwicklung schon selbst steuern. Ich selbst mache das behutsam“, sagt El Hadidi. Agenturen würden unterdessen nach Verdi-Rollen bei ihr anfragen: „Ich weiß, dass ich mit meiner Stimme in diese Richtung gehe. Aber jetzt möchte ich das noch nicht machen. Ich würde gern noch warten“, sagt die 32-Jährige.

Gala El Hadidi ist eine musikalische Kosmopolitin. In Kairo ist sie geboren und aufgewachsen. Dort hat sie auch die Deutsche Schule besucht. In den Schulferien ging es immer nach Deutschland: „Meine Eltern wollten, dass ich Deutsch wie die Deutschen spreche.“ Direkt nach dem Abitur erhielt sie ein Engagement am Opernhaus Kairo. Parallel zum Gesang studierte sie Philosophie, Englisch und Vergleichende Literatur. El Hadidi hat in den USA und Italien gelebt. Seit 2010 ist sie in Dresden. Ihre erste Hauptrolle war hier der Hänsel in Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“.

„Als Hänsel bin ich ziemlich blond“, sagt die dunkelhaarige Frau. Mittlerweile hat sie in Dresden und auf internationalem Parkett noch andere Partien bekommen. Mit Bizets „Carmen“ erfüllte sich ein Traum. Die Rolle war ihr schon mit 15 Jahren vorausgesagt worden. Wer El Hadidi betrachtet, kann das nachvollziehen. Den Typ Carmen verkörpert sie, ohne in die Maske zu müssen. 2015 singt sie die Partie beim renommierten Aspendos-Festival in der Türkei. Auch in Dresden, in der Schweiz, in Norwegen und in Kairo kann sie ihr Temperament als Carmen auf die Bühne bringen. Über die Figur hat sie einst ihre Magister- Arbeit geschrieben. „Carmen ist keine Show-Frau. Sie kann alles mit kleinsten Bewegungen auslösen“, sagt Gala El Hadidi.

Vor einem Jahr hatte sie an der Semperoper in einer Inszenierung - der „Elektra“ von Richard Strauss - als 2. Magd zwar die kleinste Rolle. Dennoch zählt die Arbeit an dieser Oper für Gala El Hadidi zu den bislang wertvollsten künstlerischen Erfahrungen. Denn an der Seite von Stars wie Evelyn Herlitzius, Anne Schwanewills oder René Pape erhielt sie Lehrstunden der besonderen Art. „Das war Gänsehaut. Das sind Momente, wo man viel über das Theater lernen kann. Denn solche Leute sind nicht nur großartige Sänger, sondern auch Darsteller“, sagt El Hadidi. Man könne gut aus den Erfolgen, aber auch aus den Fehlern der ganz Großen lernen.

Obwohl El Hadidi zunehmend Anfragen aus dem Ausland erhält, sieht sie Dresden auch künftig als Lebensmittelpunkt. „Ich wachse noch, es wird mit jedem Jahr besser“, sagt die Künstlerin. An der Elbe hat ihr Johannes Wulff-Woesten mit „Prinz Bussel“ unterdessen eine Kammeroper auf den Leib geschneidert. Im Herbst 2014 trat sie erstmals mit der Camerata des Royal Concertgebouw Orchestra in Madrid in Mahlers „Lied der Erde“ auf. Sie hat es wieder einmal gewagt, obwohl die meisten Sänger Mahler erst im reifen Alter interpretieren. „Da geht es gar nicht in erster Linie um die Stimme, es geht um die Reife als Mensch, die man erst mit einem bestimmten Alter besitzt“, sagt die Sängerin.

Ihre Reife drückt sich auch in einer anderen Erkenntnis aus. „Früher hatte ich immer den Wunsch, unbedingt die großen Rollen zu singen. Doch mit dem Älterwerden habe ich gemerkt: Wer echt professionell ist, singt auch die kleinen Partien so gut, als wären es die großen. Das zeichnet einen Künstler aus“, meint die Ägypterin. Besonders aus kleinen Rollen lasse sich viel lernen. Experimentierlust und Spielfreude hält sie neben der Stimme für die besten Voraussetzungen, um im Opernfach zu bestehen. Früher sei sie ein „Ja-Mensch“ gewesen, sagt El Hadidi. Sie habe ihr Repertoire schnell verbreitern wollen und Angebote selten abgelehnt. Inzwischen könne sie auch Nein sagen.

Jörg Schurig, dpa

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