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Keimzeit lockte im Dresdner Alten Schlachthof per Esel ins All

Zeitversonnene Reitreise Keimzeit lockte im Dresdner Alten Schlachthof per Esel ins All

Keimzeit luden in Dresdens Altem Schlachthof auf eine Reise zwischen seliger Vergangenheit und vielleicht gediegener Zukunft ein. „Auf einem Esel ins All“ heißt die Tour zur neuen Scheibe.

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Die aktuelle Scheibe von Keimzeit.

Quelle: Keimzeit

Dresden. Es war eines jener sanften Abende, an denen Fremde Dresden sofort lieben lernen: Der große Regen vorbei, die Sonne treibt Städter und Gäste ins Freie, überall liegen Duft und Musik in der Luft, das Epizentrum der Freiluftkultur war am Freitagabend zwischen Neustädter und Pieschener Hafen, in der Mitte davon lockte der Alte Schlachthof mit Keimzeit auf eine Reise zwischen seliger Vergangenheit und vielleicht gediegener Zukunft. „Auf einem Esel ins All“ heißt die Tour zur neuen Scheibe, auch „Bekloppt“ oder „Guten Morgen Deutschland“ zeugen von Wachheit, aber der Mythos der Band ist älter als die Zeitenwende, aber vor allem hype- und medienunabhängig: legendäre Livequalitäten mit Tanz-Konzerten, deren einstige Dauer von fünf runden Stunden überliefert ist.

Aufgrund der Umgebung und anderer Reize geriet das Konzert im kleinen Saal nicht ausverkauft – vielleicht waren es auch der Metamorphosen zu viele, die die Tanzcombo aus Bad Belzig in der zweiten Hälfte ihrer Existenz hinter sich hat, so dass jüngeres Publikum recht selten erscheint – obwohl es keine Ostband gibt, bei der die Anzahl des musikbefruchteten Nachwuchses höher sein dürfte.

Erinnern wir uns kurz an den 07.07.07: Da spielte Keimzeit in der Tante JU ihr Dresdner 25-Jahre-Jubiläum – mit allen elf Freunden, die bis dato in der Bandchronik zu finden waren. Im Stammsechser standen damals noch ein Leisegang-Brudertrio – also auch Roland am Schlagwerk. Heute sind noch Norbert an Mikro und Gitarren und Hartmut am Bass vom 1982 gestarteten Geschwisterkleeblatt dabei, drei neue Leute ergänzen das Stammtrio, zu welchem auch noch Andreas Sperling, seit 24 Jahren am Keyboard, zählt. Martin Weigel spielt statt Rudi Feuerbach Gitarre, am Schlagzeug sitzt Lin Dittmann, und mit Sebastian Piskorz steht ein junger, smarter Jazztrompeter neben dem Frontmann und versucht, Saxofonist Ralf Benschu zu ersetzen. Er weiß in den Spielpausen, in denen er nicht mitsingen kann, nicht wohin mit seiner Energie und dreht ab und an eine Pirouette um sich selbst – so viel Bewegung ist gewöhnungsbedürftig.

Auch Martin Weigel hat einen spektakulären Soloauftritt: „Das Leichteste der Welt“ ist eine knarzige, geradlinige Rocknummer ohne Firlefanz, die durchaus auch stimmlich überrascht. Erstaunlich ebenso, wie die tiefsinnigen Klassiker, denen man normalerweise im Fünfjahresrhythmus begegnet, immer wieder neu funktionieren: Ob „Singapor“ „Irrenhaus“ oder „Flugzeuge“ – kontextstabile Hymnen, die offenbar eine Generation lebenslang begleiten und ob derer man all jene bedauert, die darauf verzichten müssen.

Aber auch „Kling Klang“ – einst hitgewordene Beliebigkeit, ist seit Jahren wieder im Programm und zeugt wie „Maggie“ von der anderen, beschwingten Seite, die in der ausgewogenen Dramaturgie zum Tragen kommt und vor allem die weibliche Gemeinde in harmonische Schwingungen versetzt, für die hier genügend Platz ist.

Nach einhundert Minuten Selbstpflicht plus fünfzig Zugabenkür zeigt sich, dass die Band auch die Inflation sozial gestaltet: Waren es vor neun Jahren mit Päuschen noch leicht über zwölf Cent pro Minute Livegenuss, so sind es diesmal 20 (bei Spontankauf an der Abendkasse) – so als Anreiz für Vergleichskalkulationen aller Art, wobei Beispiele hier erspart bleiben.

Der Schlusspunkt, oft peinlich, aber unnütz kreischend gefordert, verheißt wie gewohnt die legendäre Mitsingreise Norbert Leisegangs – mittlerweile 55 Jahre jungreif – gen Moskau. Weil – und da sind wir wieder beim Fremde(l)n: Ossis verstehen, heißt „Nathalie“ – mittlerweile 20 Jahre alt, live hören. Die nächste Gelegenheit dazu wäre am 8. Juli in der Landessportschule Osterburg, besser noch das Heimspiel auf Burg Eisenhardt in Bad Belzig am 23. Juli. Und nächsten Sommer – Rechner haben es längst erkannt – wartet schon das nächste Jubiläum. Dort wünscht man sich dann mehr Rekurs auf die kurze Hamburger Schrammelphase um die Jahrtausendwende.

www.keimzeit.de

Von Andreas Herrmann

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