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Katja Erfurth zeigt ihren Dore Hoyer gewidmeten Abend "Tänze in Schwarzweiß" in Hellerau

Katja Erfurth zeigt ihren Dore Hoyer gewidmeten Abend "Tänze in Schwarzweiß" in Hellerau

Die Dresdner Tänzerin und Choreografin Katja Erfurth bringt am 28./29. Mai im Festspielhaus Hellerau den Dore Hoyer gewidmeten Abend "Tänze in Schwarzweiss" in Hellerau heraus.

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Katja Erfurth ehrt Dore Hoyer.

Quelle: Max Messer

Gabriele Gorgas sprach mit Katja Erfurth.

Frage: Dore Hoyer ist eine der Großen unter den Tänzern des 20. Jahrhunderts. Bekannt und unbekannt zugleich. Was zieht Sie so unausweichlich zu ihr?

Katja Erfurth: Wenn ich mich in meiner Körpersprache verständlich machen will, dann ist es stets so, als ob ich etwas auch bildnerisch ausforme, nach Bewegungen suche, die in ihrer Essenz grafische oder skulpturale Qualitäten besitzen. Daher stammt sicher auch meine Affinität zu Dore Hoyer und ebenso zu Mary Wigman, wobei ich in der intensiveren Zuwendung letztlich gespürt habe, dass mir Dore Hoyer einfach näher ist. Allein schon in der Abstraktion ihrer Bewegungssprache, in einer zeitlosen, zwingenden Reduziertheit. Dank eines Stipendiums vom Freistaat Sachsen konnte ich zum Beispiel in den Tanzarchiven in Leipzig und Köln arbeiten. Das war unglaublich spannend und aufregend für mich. Nicht zuletzt auch als weitere Erfahrung dessen, wie Mary Wigman stets darum gerungen hat, wieder Sinn in den Tanz zu bringen. Und Inhalte.

Ist es überhaupt möglich, Dore Hoyer nah zu kommen?

Ich habe enormen Respekt vor ihr. Und hätte diesen Abend auch keinesfalls schon früher machen können. Man muss davon überzeugt sein, dass es zu schaffen ist. Ein Wagnis bleibt es dennoch.

Worauf wird sich die Aufführung konkret beziehen?

Ich habe mir in den Archiven Dokumente angeschaut zur Struktur der Soloabende von Dore Hoyer, besonders in den 60er Jahren. Diese Vielseitigkeit, ihre Auseinandersetzung mit "dunklen" wie auch "feurig hellen Dämonen" versuche ich aufzunehmen, beginne mit einem Ravel-Prolog und bringe mit "Liebe" und "Angst" zwei Rekonstruktionen aus dem Zyklus "Affectos Humanos". Das ist ihre einzige Arbeit, von der es auch Filmaufnahmen gibt. Und ebenso Aufzeichnungen in der Labanotation. Mit diesem Zyklus haben sich beispielsweise schon Susanne Linke (mit Urs Dietrich) oder Arila Siegert und in jüngerer Zeit ebenso Martin Nachbar befasst, der daraus eine eindrückliche Spurensuche machte. Zudem bringt dieser Abend auch eigene Tanzstücke zu zwei Praeludien aus dem "Wohltemperierten Klavier" von Bach sowie zu einer Komposition, die Karsten Gundermann extra für mich geschrieben hat. Und zum Abschluss gibt es meine Version vom Bolero-Drehtanz. Alles mit Live-Musik, gespielt von so feinfühligen Musikern wie Camillo Radicke und Sascha Mock.

Sind die Hürden hoch, um Originalchoreografien von Dore Hoyer rekonstruieren zu dürfen?

Die Rechte an ihren Choreografien sind nach dem Tod von Waltraud Luley mit dem Hoyer-Nachlass an das Tanzarchiv Köln gegangen. Dort wacht man natürlich darüber, wer sich damit und wie auseinandersetzt. Zunächst gab es noch deutliche Vorbehalte, aber letztlich hat ein Schreiben von Susanne Linke dafür gesorgt, dass ich den Abend tatsächlich auch mit Rekonstruktionen realisieren kann. Ich bin sehr glücklich, ihn nun im Großen Saal vom Festspielhaus Hellerau vorstellen zu dürfen. Womit sich der Kreis wieder schließt. Dore Hoyer hatte zunächst eine Ausbildung im System Hellerau-Laxenburg bei Ilse Homilius in Dresden-Blasewitz absolviert, bevor sie 1930 zur Palucca Schule kam. Wobei sie sich mehr auch als eine Schülerin von Irma Steinberg sah, denn Palucca war damals häufig auf Tournee oder arbeitete mit der Gruppe.

Haben Sie mit Susanne Linke zusammen gearbeitet?

Ich habe mich jeweils für mehrere Tage mit ihr in einem Studio in Berlin getroffen, konnte ihr das zeigen, was ich bereits erarbeitet hatte. Und bin ihr außerordentlich dankbar für viele Hinweise, zum Beispiel auch zur speziellen Arbeitsweise von Mary Wigman, deren Schülerin sie in Berlin-Dahlem war. Wie wichtig es ist, dass sie mich in dieser Arbeit bestärkt hat, lässt sich gar nicht beschreiben. Es ist ja zuweilen auch eine recht einsame Suche. Und zugleich eine so inspirierende, dass sie mich in den Begegnungen und Studien nicht mehr loslassen wird.

Gibt es auch schon weitere Aufführungsorte?

Bislang bin ich im Gespräch mit den Theatern in Chemnitz wie auch in Plauen, wohin Dore Hoyer 1931 in ihr erstes Engagement ging. Allerdings hat sie es dort nur eine Spielzeit ausgehalten, weil auf eigene tanzschöpferische Arbeit nicht zu hoffen war. Und auch die winzige Gage reichte wohl nicht aus als Schmerzensgeld für permanente Operetten-Auftritte. Doch vorerst konzentriere ich mich ganz und gar auf die Premiere in Hellerau, bevor ich überhaupt an weitere Aufführungen denken kann.

"Tänze in Schwarzweiß" von und mit Katja Erfurth, 28./ 29. Mai, 20 Uhr, Festspielhaus Hellerau, Großer Saal

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.05.2014

Gabriele Gorgas

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