Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Google+
Karolina Trybala, Silvio Schneider und der Mond in der Dreikönigskirche

Karolina Trybala, Silvio Schneider und der Mond in der Dreikönigskirche

Der Mensch und der Mond, das ist auch die Geschichte einer ganz besonderen Beziehung. Der Trabant der Erde lupft die Meere, kappt die Warzen, reinigt die Messer, gebietet den Perioden.

Die Zahl der Dichter, denen die Sinne schwirrten, bis ihnen vor lauter mondbeglänzter und deshalb als poetischer empfundener Zaubernacht ganz schummrig und dullijöh war, ist Legion, reicht von Claudius bis Morgenstern. Das hätte natürlich ewig so weitergehen können, bis, ja, bis im 20. Jahrhundert die Mondfalle zuschnappte. Menschen bildeten sich ein, als großen Schritt für die Menschheit den Mond betreten zu haben (Armstrong am 21. Juli 1969, 3 Uhr 56 MEZ - siehe dazu H. Proebst "Mondlandung als Fiktion und Fetisch").

Ganz dem Mond huldigend erwies sich jedenfalls auch das Programm, das das aus Karolina Trybala und Silvio Schneider bestehende Duo Karasol am Freitag im Rahmen der Reihe "Musik zwischen den Welten" in der Dreikönigskirche präsentierte. "Twelve Moons" lautete der Titel, Stings "Sister Moon" wurde - frei adaptiert und in portugiesischer Sprache intoniert - ebenso dargeboten wie ein Jazz-Klassiker von Duke Ellington aus den 1940er Jahren, in dem laut Trybala vom "Durst nach Küssen" die Rede ist. Um die nicht minder wichtigen Dinge des Lebens, nämlich Wasser und Liebe, geht es in einem brasilianischen Volkslied, ein anderes, das mit den schwarzen Sklaven nach Lateinamerika kam, beschwört - ein bisschen Utopie kann nicht schaden - die Liebe und das Verzeihen.

So wie Karasol zwischen Stilen und Zeiten mäanderte, von Jazz und Folk zu Klassik und nicht zu knapp Latin, von der Renaissance ins Heute sprang, so munter wechselte das Duo auch die Sprachen (naja, jedenfalls die Sängerin Trybala), schlug Brücken zwischen Alter und Neuer Welt. Italienisch hat die im Glatzer Bergland geborene Sängerin ebenso drauf wie Französisch oder eben Portugiesisch. Und Polnisch sowieso, eine Sprache, die für den gebürtigen Görlitzer Schneider anfangs "etwas gewöhnungsbedürftig" war, wie der Gitarrist lässig ironisch einwarf. Mit einem Lied in ihrer Muttersprache "beglückte" (Zitat Schneider) Trybala also die geballte Zuhörerschaft und stimmtechnisch war es wie alle anderen Gesangsdarbietungen auch einfach umwerfend. Trybala, die u.a. an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater studierte, ist in der Lage, von einer Minute auf die andere die Stimmlage zu wechseln. Rau und betörend, aber auch weich und romantisch. Mag sein, dass es schrecklich klingt, wenn andere den Mond anheulen, bei ihr ist das nicht der Fall. Manchmal allerdings wird die Melodie eines Liedes regelrecht zerhackt, ihr die Eingängigkeit genommen. Manchmal ist weniger an Expressivität dann doch mehr. Der Zauber, den das als Zugabe gespielte Weihnachtslied "Maria durch ein Dornwald ging" versprüht, stellte sich in der überkandidelten Version von Karasol nicht ein. Bei mir jedenfalls.

Kongenial an der Seite der gelegentlich auch zur Rahmentrommel oder einer Art Harmonium greifenden Trybala und manchmal bei Instrumentalstücken auch solo auf der Bühne: Silvio Schneider, der in Dresden dank seiner Auftritte mit Jörg Nassler oder auch Katharina Ahlrichs ein guter alter Bekannter ist. Er versteht es meisterhaft, mit einer einzigen Gitarre Klanglandschaften auszubreiten, in denen sich Trybalas Gesang genüsslich ausbreiten kann. Christian Ruf

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.01.2013

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr