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Karin Funke mit Kennenlerngeschichten im Thalia

Karin Funke mit Kennenlerngeschichten im Thalia

Ein Blick auf die omnipräsente und prächtige Umsätze machende Kontaktfront (Flirtschulen, Partnerschaftspor- tale, Tanztreffs, Speed-Datings etc.) scheint zu belegen: Die Welt ist offenbar angefüllt mit einsam dahinvegetierenden Personen beiderlei Geschlechts, die sich vorgenommen haben, ihr unbefriedigendes, ungeliebtes, unverdientes Single-Dasein zu beenden - und das völlig ungeachtet der Tatsache, dass der Vorsatz Risiken birgt (Zweisamkeit zerbricht zwar nicht weniger Herzen, aber dafür wesentlich mehr Porzellanteller als Einsamkeit).

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Die Kontaktaufnahme ist nicht ohne Risiken, liefert aber reichlich Erzählstoff. Zu komisch, bizarr waren auch viele der Begegnungen, die Karin Funke hatte. Die in Radebeul lebende Autorin hat das, was sie erlebt hat, nicht einfach nur ihrer besten Freundin erzählt, sondern daraus ein Buch gemacht, das sie am Mittwoch in der Thalia Buchhandlung am Dr.-Külz-Ring vorstellte. "Goldene Momente" ist der Titel und beinhaltet 16 Kurzgeschichten, die das Kennenlernen eines Mannes aus Sicht einer Frau zum Thema haben, lediglich bei einer wurde die umgekehrte Perspektive gewählt. Manche Geschichten wurden frei erfunden, die meisten beruhen auf eigenen Erfahrungen, wurden aber verfremdet, sodass Ähnlichkeiten mit wem auch immer im Großraum Dresden selbstverständlich rein zufällig und nicht absichtlich sind.

Funkes Werk ist eine Chronologie des Scheiterns, eine Aneinanderreihung von Pleiten, Pech und Pannen, von hier und da sogar witzigen Momenten (manchmal unfreiwillig), meist aber absurd-haarsträubenden Situationen, hier und da auch selbstkritischen Reflexionen. Es ist nicht eine Frau, die hier ihr Herz ausschüttet, sondern verschiedene Frauen. Unterschiedlichen Alters und Temperaments, mit unterschiedlichen Wünschen, aber allesamt auf der Suche nach Mr. Right. Nun ist es nicht so, dass die Frauen in diesen Geschichten (noch) allzu wählerisch wären. Dem Backfischalter erst mal entwachsen, weiß Frau, dass sie Kompromisse machen muss, es etwa hinzunehmen hat, dass es Männern evolutionsbiologisch bedingt völlig unmöglich ist, einen Staub- oder Scheuerlappen in die Hand zu nehmen.

Aber die Ignoranz und Selbstverliebtheit der Männer, denen man hier mitunter begegnet, ist schon ganz besonderer Natur. Da wäre etwa jener Typ aus "Fisch am Kino", der selbst alles andere als ein Adonis ist, sich aber als schön empfindet. Er teilt der Frau, die sich fürs Date im Gegensatz zu ihm aufbrezelte, nach intensiver Musterung von oben bis unten und wieder zurück gleich zum Auftakt mit: "Nicht gerade, was ich mir vorgestellt habe." Eigentlich ist unklar, warum die Frau nicht auf dem Absatz kehrtmacht, noch ein Gespräch einfordert. Aber gut, Liebe auf den zweiten Blick ist eine Option, die man nicht leichtfertig verschenken soll. Aber die Zeit ist verschenkte Liebesmüh. Der Gipfel ist, als der Kerl beim Abschied allen Ernstes fragt, ob sie sich Sex mit ihm vorstellen könne.

Nun mag es Leser geben, männliche in der Regel, die diese und andere Darstellungen in dem Buch als völlig aus der Luft gegriffen bezeichnen könnten. Aber wenn ich den befreundeten Gewährsfrauen von der Kontaktfront Glauben schenken darf - und es besteht kein Anlass, dies nicht zu tun -, dann steckt in den Schilderungen Funkes viel nur allzu Wahres. Die Geschlechteranalysen und persönlichen Erfahrungsberichte von Autorinnen wie Susanne Fröhlich oder Eva Heller lesen sich mit Sicherheit kurzweiliger, aber Tristesse pur verbreiten die "Geschichten vom Kennenlernen" Funkes auch nicht.

Christian Ruf

Karin Funke: Goldene Momente. Notschriften Verlag, 120 Seiten, 5 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.09.2012

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