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„Kapelle für Kids“ in der vergangenen und der kommenden Saison

Mit viel Liebe zum Detail „Kapelle für Kids“ in der vergangenen und der kommenden Saison

Wenn aus jungen Konzertgängern Eulen, Füchse, Rehe werden und damit Randfiguren einer komponierten Geschichte, dann haben sie wirklich Musik zum Anfassen erlebt. Konnten hören, wie vier Möchtegern-Jäger ausreiten, wie sie sich verirren, konnten den Nebel spüren, die Angst des allein gebliebenen Cellisten förmlich greifen.

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Emil (gespielt von Rodrigo Umseher) vertritt Puppe Alma, während die auf Weltreise ist, und hat zusammen mit den Kindern jede Menge Neues über Musik erfahren.

Dresden. Wenn aus jungen Konzertgängern Eulen, Füchse, Rehe werden und damit Randfiguren einer komponierten Geschichte, dann haben sie wirklich Musik zum Anfassen erlebt. Konnten hören, wie vier Möchtegern-Jäger ausreiten, wie sie sich verirren, konnten den Nebel spüren, die Angst des allein gebliebenen Cellisten förmlich greifen. Und ganz aus der Nähe sehen, was für Kunststücke die Musiker mit Bogen und Fingern vollbringen, um das alles auf ihren Instrument darzustellen.

Ein so wunderbar unmittelbares Hören von Musik verschaffte „Kapelle für Kids“ seinem Publikum jüngst auf dem kleinen Podium von Semper 2. Und damit zugleich eine sehr intensive Begegnung mit zeitgenössischer Musik. Denn unter dem Motto „Unerhört“ ging dieses letzte Programm der zu Ende gehenden Konzertsaison der Sächsischen Staatskapelle der Frage nach, warum uns ein Stück von Haydn oder Schumann – selbst wenn wir die betreffende Komposition noch nie gehört haben – vertraut vorkommt und wie es sich anfühlt, völlig neue Klänge zu entdecken. Kapell-Hornist Julius Rönnebeck, Erfinder und Moderator von „Kapelle für Kids“, hatte sich dafür mit Jörg Widmann getroffen, dessen „Jagdquartett“ Dreh- und Angelpunkt des Programms war. Per Tonaufnahme wurden einige persönliche Erläuterungen des Komponisten eingespielt, alles andere konnten die Kinder dank der lust- und energievollen Wiedergabe des Stücks durch Rafael Novak und Minah Lee (Violine), Juliane Böcking (Viola) und Titus Maack (Cello) und dank der spielerischen Einbeziehung ganz hautnah selbst entdecken.

Mit dabei war natürlich auch Puppe Emil, die das „Kapelle für Kids“-Publikum durch die vergangene Saison begleitet hatte. Emil, gespielt von Rodrigo Umseher, ist ein Freund der sonst immer an dieser Stelle auf musikalische Entdeckungsreise gehenden Alma. Deren Spielerin Magdalene Schaefer war leider zu pausieren gezwungen – für die Kinder ist Alma auf Weltreise, schickt immer mal Postkarten und wird ansonsten wacker durch den um einiges wilderen Knaben Emil vertreten. Wie Julius Rönnebeck jetzt freudig vermelden konnte, wird Alma in der neuen Saison aber zurückkehren und dann wieder mit von der Partie sein.

Emil seinerseits, bis dato eher fußball- denn musikaffin, hat in den zurückliegenden Monaten eine Menge toller klingender Erfahrungen gesammelt. Ein „Gemischtes Doppel“ präsentierte ihm und dem Publikum Musikfür Streichquartett (u.a. von Erwin Schulhoff) und natürlich Streichoktett samt einiger Informationen über die diversen Arten des Streichens mit und ohne Bogen.

Es gab einen herrlichen Nachmittag in der Gläsernen Manufaktur von VW, an dem die Schlagzeuger Simon Etzold und Manuel Westermann auf atemberaubende Weise den Satz „Bumm ist nicht gleich Bumm“ bewiesen. Und auch die „Reise nach Prag“, auf der die Aufmerksamkeit der jungen Hörer dank Smetanas „Moldau“ auf warme und kalte Tonarten, auf in Musik tanzende Tropfen, auf Mondenschein und Jäger gelenkt wurde, machte unglaublichen Spaß. Wofür nicht zuletzt natürlich der kleine Maulwurf sorgte, dessen Filmmusik Johannes Wulff-Woesten für dieses Konzert neu arrangiert hatte.

Kurzum: Eine rundum gelungene Saison der Musikvermittlung ist zu Ende gegangen, die Lust des Publikums auf dieses sorgsam entwickelte und mit Liebe zum Detail umgesetzte Konzept offenbar ungebrochen – ein paar Termine der kommenden Spielzeit sind bereits ausverkauft. Zunächst betrifft das jene in der dann neu bezogenen Spielstätte Semper 2: Am 30./31. Oktober und 1. November geht dort das erste Programm über die Bühne, dann unter dem Titel „Tanz, Kapelle & Co.“ mit dem Ensemble Dresdner Kapell-Salon. Am 4., 5. und 6. März 2017 stehen die Trompete und ihre unvergleichliche Karriere als Signal- und Musikinstrument im Mittelpunkt.

Auf der großen Bühne der Semperoper laufen zwei „Kapelle für Kids“-Programme: Am 5. Februar des neuen Jahres geht es um „Don Quichotte“ und die Musik, die Georg Philipp Telemann zu seinen Abenteuern komponiert hat, und am 5. Juni lassen sich Julius Rönnebeck, Alma und Emil von einer Coverband beeindrucken. Dahinter verbirgt sich die Kammerharmonie der Staatskapelle, die mit einer ganz eigenen Strömung der Musikgeschichte, der Harmoniemusik, vertraut machen wird.

Von Sybille Graf

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