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„Kammweg“-Literaturförderpreis für die Dresdner Autorin Wiete Lenk

Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen „Kammweg“-Literaturförderpreis für die Dresdner Autorin Wiete Lenk

„Posamenten“ von Wiete Lenk ist der Gewinnertext des diesjährigen, von einer fünfköpfigen Fachjury vergebenen „Kammweg“-Literaturförderpreises des Kulturraumes Erzgebirge-Mittelsachsen. Wiete Lenk lebt als Autorin, Dozentin und Schreibtherapeutin in Dresden.

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Wiete Lenk bei ihrem gegenwärtigen Stipendienaufenthalt bei Bratislava.

Quelle: privat

Dresden. „Posamenten“ von Wiete Lenk ist der Gewinnertext des diesjährigen, von einer fünfköpfigen fünfköpfigen Fachjury vergebenen „Kammweg“-Literaturförderpreises des Kulturraumes Erzgebirge-Mittelsachsen. Umrankt von „Posamenten“, also allerlei Franzen, Kordeln und Quasten, sei es an Uniformen oder Vorhängen, lässt Wiete Lenk die Figuren ihrer Kurzgeschichte durch die Unwägbarkeiten ihrer Zeit gehen und stolpern.

Wiete Lenk lebt als Autorin, Dozentin und Schreibtherapeutin in Dresden. Sie gibt regelmäßig Kurse an der VHS Dresden. Die gebürtige Dresdnerin studierte in der DDR Betriebswirtschaft und fuhr als Stewardess zur See. Seit Jahren veröffentlicht sie Kurzprosa in Anthologien und ist Preisträgerin verschiedener Literaturausschreibungen. 2013 erschien ihr Einzelband, die Kurzgeschichtensammlung „Drei Wochen drüber“, im Kölner Schroer Verlag. Augenblicklich arbeitet sie im Rahmen eines Stipendienaufenthaltes bei Bratislava an ihrem zweiten Buch. Als literarische Begleiter nennt sie unter anderem Hemingway, John Updike, Alice Munro und Wolfdietrich Schnurre.

Die Autorin hat eine Vorliebe für Details, die wie unter einem Vergrößerungsglas in die Aufmerksamkeit der Leser gerückt werden. Kleine Gesten und Bewegungen ihrer Figuren verraten Anspannung, Erleichterung oder Befangenheit. Seltsame Marotten und Spleens ziehen sich als skurrile Konstanten durch ihre Erzählungen. In „Plattenspiel“ (aus „Drei Wochen drüber“) beispielsweise muss die Protagonistin permanent Gehwegplatten berechnen und auf eine bestimmte Art und Weise betreten, wohl um den Halt in ihrem schwierigen Leben nicht vollends zu verlieren. Unscheinbare Gegenstände rücken häufig ins Licht. Wiete Lenks Schreiben interessiert sich für Irritationen, unerwartete Fügungen und Verschiebungen, die zur Bindung oder zum Bruch zwischen den Menschen führen.

In „Posamenten“ nun sind es die Troddeln und Tressen für Militäruniformen und für schmückende Wohnelemente, die die Menschen miteinander verbindet – oder doch eher verstrickt? Anfang des 20. Jahrhunderts werden die Posamenten in ihrem Text in einem kleinen Erzgebirgsort hergestellt. Der erste Weltkrieg lässt die Firma zunächst florieren, bis er Menschen und Handel ruiniert. Wiete Lenks Text endet mit Beginn des zweiten Weltkrieges trocken konstatierend: „In Deutschland hat ..., ein überzeugter Nazi, mit der Herstellung von Fallschirmseide begonnen. Man expandiert. Das Militär benötigt viel davon.“ Dass verheerende Kreisläufe menschlicher Machenschaften allzu oft zeitlos sind, lässt der Text mitschwingen.

Den „Kammweg“-Literaturpreis und den „Kammweg“-Literaturförderpreis gibt es seit nunmehr dreizehn Jahren. Gründungsanliegen war es, den Blick auf das aktuelle literarische Schaffen im Erzgebirge zu lenken. Die Preise sind als kreativer Anreiz für Literatur gedacht, die in den regionalen Besonderheiten des Erzgebirges wurzeln. Die Preisvergaben erfolgen seither in drei Rubriken: Es gibt einen Förderpreis für bislang unveröffentlichte Lyrik, einen Förderpreis für noch unveröffentlichte Kurzprosa und einen Literaturpreis für bereits publizierte Werke, die einen deutlichen Bezug zum Erzgebirge beinhalten. Daneben werden Buchpreise und Besuche von Textwerkstätten vergeben. 2008 wurde der Literaturwettbewerb erweitert zum „Wettbewerb des Kulturraumes Erzgebirge und Mittelsachsens“, wobei der Erzgebirgsbezug weiterhin den Schwerpunkt bildet.

Was verbindet nun aber die Preisträgerin Wiete Lenk persönlich mit dem Erzgebirge? Erzgebirgische Bräuche, Geschichten und Mundart, so verrät sie, seien ihr von Kindesbeinen an vertraut. Die Familie des Vaters stammt aus dem Erzgebirge. Lenks Urgroßvater schnitzte noch traditionelle Weihnachtspyramiden. In ihrer Kindheit kursierten Geschichten vom „Eier-Freilein“, das mit dem Tragkorb aus Böhmen kam. Oder vom Nodeloswald aus Wiesendohl (Oberwiesenthal), der seine Sachen günstig zum Verkauf anbot, um das karge Auskommen der Leute wissend: „De Leit homs a net asu, wu sulln ses där harhamme...“

Neben Wiete Lenk erhält der junge Dresdner Autor Rene Markus einen Anerkennungspreis. 2011 war schon einmal ein Dresdner Autor erster Preisträger. Ulf Großmann überzeugte mit seinem Gedichtzyklus „Schnittstelle“. 2015 erhielt mit dem Reisejournalist Jan Hübler erneut ein Dresdner einen der Kammweg-Preise. In der Jury ist neben vier anderen Mitgliedern derzeit die Dresdner Schriftstellerin Undine Materni aktiv, die auch Wiete Lenks Laudatorin sein wird.

Die Preisverleihung der „Literaturförderpreise Kammweg 2016“ findet am Sonnabend, 15.30 Uhr in der Stadtbibliothek Freiberg statt, die sich im frisch restaurierten Gebäude des Kornhauses befindet. Vier Förderpreise und zwei Anerkennungspreise werden für die besten Kurzgeschichten vergeben, die zum diesjährigen Ausschreibungsthema: „Gewinn und Verlust“ eingesandt wurden.

Von Kerstin Becker

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