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Kammermusik mit vielen inspirativen Glücksmomenten: Moritzburg Festival 2014 beendet

Kammermusik mit vielen inspirativen Glücksmomenten: Moritzburg Festival 2014 beendet

Mit den Klängen des Streichoktetts Es-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy geht traditionell jedes Jahr das Moritzburg Festival zu Ende - so war es auch am Sonntag in der Moritzburger Kirche der Fall.

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Impression von einem der Konzerte des Festivals in der Kirche Moritzburg.

Quelle: Oliver Killig

Das Werk passt nicht nur, weil es viele Musiker noch einmal zum Abschluss vereint, sondern auch in seinem inspirativen, lebensbejahenden Charakter das Profil des Festivals quasi in Noten widerspiegelt.

So abwechslungsreich sich die vier Sätze des Oktetts entfalten, so vielfältig gab sich auch das gesamte letzte Wochenende musikalisch. Vor dem Sonnabendkonzert in der Kirche Moritzburg stellte sich die französische Pianistin Lise de la Salle solistisch vor. Für ihre gute halbe Stunde Musik hatte sie ein großes romantisches Klavierwerk ausgewählt, das es in sich hatte: Johannes Brahms' "Händel-Variationen" zelebrieren den Schulterschluss zwischen barockem Vorbild und romantisch weiträumiger Ausarbeitung. Die 25 Variationen samt vollgriffiger Fuge fordern Pianisten einiges ab - Lise de la Salle beeindruckte hier mit charaktervollem und virtuosem Zugriff und schaffte es mit flotten Tempi und dabei jederzeit deutlicher Phrasierung, einen großen Spannungsbogen über das gesamte Werk zu legen.

Als Kontrast und Entspannung durfte das Publikum als Zugabe dann einen wunderbar empfunden musizierten Choral von Johann Sebastian Bach genießen.

Im anschließenden Konzert standen drei außergewöhnliche Stücke aus Klassik, Romantik und dem 20. Jahrhundert auf dem Programm: Joseph Haydns "Zigeunertrio" G-Dur ist wohl einer der frühesten Beweise dafür, wie man innerhalb strenger Formen individuelles Kolorit gewinnen kann. Dass schon im 19. Jahrhundert kräftig in gemischten Besetzungen experimentiert wurde, zeigte Robert Schumanns "Andante und Variationen" für 2 Celli, 2 Klaviere und Horn - das Stück ist eine vor allem akustisch diffizile Geschichte, die aber von Guy Johnston, Harriet Krijgh, Oliver Triendl, Antti Siirala und Peter Müseler in einem durchweg lyrischen Klanggewand souverän dargeboten wurde.

Höhepunkt des Abends war das Klavierquintett von Dmitri Schostakowitsch - neben der aufmerksamen Lise de la Salle am Klavier waren es die Streicher Baiba Skride, Kai Vogler, Lars Anders Tomter und Guy Johnston, die Schostakowitschs Werk hier nahezu mit einer gemeinsamen Stimme erklingen ließen - in aller Zerrissenheit und Härte, aber auch mit viel Gefühl für Gesangliches.

Auch das vom Publikum heftig bejubelte Abschlusskonzert am Sonntagmorgen begann mit Schostakowitsch - die Stücke für Streichoktett des 18-jährigen Komponisten sind jedoch in ihrer rohen Wildheit von anderem Kaliber und wurden mitreißend interpretiert. Noch einmal kam der Composer in Residence David Philip Hefti zu Wort, diesmal mit seinem 2. Klaviertrio "Lichter Hall" aus dem Jahr 2012, das episodenhaft in einem einzigen Satz verschiedene Ausdruckswelten zwischen ausgestellten Flächen und zögerlicher Entwicklung vereinte. Mit "Navarra" von Pablo de Sarasate gelang gleich darauf der denkbar größte Kontrast: Es ist eine echte "Pièce" für 2 Violinen und Klavier, die mit viel Charme und lockerer Virtuosität von Mira Wang, Baiba Skride und Oliver Triendl dargeboten wurde.

Kirche Steinbach als neue Spielstätte

Unauffällig am Wegesrand liegt die kleine Dorfkirche zu Steinbach. Sie hat romanische Ursprünge, eine kleine Orgel aus dem 19. Jahrhundert und einen geschnitzten spätgotischen Flügelaltar. Das Schönste aber ist die noch gar nicht so lange wieder freigelegte Kassettendecke, die eine zauberhafte Blumenmalerei zeigt - ein richtiges "Paradiesgärtlein". Und auch für die Ohren und Sinne erfolgte an diesem Abend eine Einladung ins Paradies, nämlich ins Bach-Paradies.

Bach spielt innerhalb des Moritzburg Festivals schon immer eine große Rolle. Es gab da denkwürdige Aufführungen, die im Gedächtnis geblieben sind. Nun bot diese Kirche den idealen, intimen Rahmen, um die ganz persönliche Sicht der Ausführenden auf grandiose Solowerke Bachs zu offerieren, ihre sehr persönliche Bindung zu ihm. Und dies sollte zu einem faszinierenden Erlebnis werden.

Die Niederländerin Harriet Krijgh begann mit der ersten der Cello-Suiten. Sie wie alle anderen Instrumentalisten des Abends konnten als Grundlage für alles Tun auf eine geradezu makellose, vortreffliche und finessenreiche Technik verweisen, doch wie gesagt "nur" als Grundlage. Harriet Krijgh spielte die Sonate mit einem Höchstmaß an Übersicht, nobelster Tongebung, klug die Tanzsätze vom ritornellartigen Prélude abgrenzend. Eine Interpretation wie aus einem Guss.

Bachs d-Moll-Suite (BWV 1008) erklang dann durch Lars Anders Tomter in einer Adaption für Bratsche. Auch hier bezauberten die Wärme und Biegsamkeit des Tons, die berührende Tiefe des Ausdrucks. In puncto Phrasierung und Artikulation ließ Tomter keinerlei Wünsche offen. Seine sehr individuelle Art, die Mittelsätze mit klingendem Leben zu erfüllen, war dann noch das Sahnehäubchen.

Der Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel bemerkte einmal, dass Bach "die Möglichkeiten aller Geigeninstrumente vollkommen" verstand. Das trifft neben den Cello-Suiten insbesondere auch für Solosonaten und -partiten BWV 1001 bis 1006 zu, die sich bei Publikum und Musikern großer Beliebtheit erfreuen - ungeachtet der enormen technischen wie gestalterischen Ansprüche. Man steht immer wieder staunend vor dem gewaltigen Gebäude, das Bach aus einer schlichten absteigenden Figur in der berühmten Chaconne seiner 2. Partita geformt hat - atemberaubend. Hyeyoon Parks Wiedergabe verließ zu keinem Zeitpunkt den nötigen Spannungsbogen, wirkte immer wohldurchdacht und dennoch spontan. Mit welcher Selbstverständlichkeit sie es verstand, bis zum Schluss der Chaconne einen leichtfüßigen Gestus zu verleihen - das war nicht nur verflixt schwer, sondern eben große Geigenkunst.

Die dritte der Partiten in E-Dur kommt heiter und scheinbar schwerelos daher. Mira Wang vertiefte sich mit Furor und der zutreffenden, gestalterischen Hand für die einzelnen Abschnitte hinein - herzhaft die Gavotte, anmutig die Menuette, sprühend die Gigue. Das war alles mitreißend vital und klanglich ausbalanciert. Wunderbar!

Der künstlerische Leiter Jan Vogler zeigte sich mit dem diesjährigen, dem 21. Festival sehr zufrieden und benannte eine in diesem Jahr musikalisch sehr starke Festival Akademie und die Uraufführung des Auftragswerkes von Hefti als Höhepunkte - mit letzterer wurde auch thematisch ein Bogen zur Moritzburger Geschichte und zum Gedenken an den Beginn des 1. Weltkriegs gezogen. Zudem seien diesmal durch die Werkauswahl besonders herausragender oder außergewöhnlicher Stücke inspirative Glücksmomente unter den Künstlern entstanden, die auch das Publikum intensiv wahrnahm." Zu den 14 Konzerten, zwei Porträtkonzerten und einem Komponistengespräch kamen insgesamt 7000 Zuhörer, damit war das Festival zu 98 Prozent ausgelastet. 2015 wird das Moritzburg Festival vom 15. bis 30. August stattfinden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.08.2014

Alexander Keuk und Mareile Han

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