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Kaltnadelradierungen von Heike Wadewitz in der Galerie Q in Kreischa

Ausstellung Kaltnadelradierungen von Heike Wadewitz in der Galerie Q in Kreischa

Zwischen Traum und Diesseitigkeit lässt die Künstlerin Heike Wadewitz ihre Figuren changieren. Bei ihren Radierungen lohnen weitere Blicke, Überraschendes offenbart sich im Detail. Dass der Blick aus den Galeriefenstern in die Landschaft allem noch eine besondere poetische Note gibt, kann den Betrachter nur noch mehr freuen.

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Heike Wadewitz. „...mit Vogel“, Kaltnadelradierung.

Quelle: Galerie

Quohren. Sie ziehen einen magisch an, diese Wesen zwischen Traum und Diesseitigkeit. Jene im Raum schwebenden Szenarien, nah und fern zugleich, doch immer so, dass man selbst mit hinein tauchen möchte. Um ihren Geheimnissen auf die Spur zu kommen, herauszufinden oder wenigstens zu erahnen, wer da auf wen trifft und warum? In den Kaltnadelradierungen von Heike Wadewitz, die derzeit in der landschaftlich zauberhaft gelegenen Galerie Q in Kreischa/Ortsteil Quohren zu sehen sind, lässt es sich lesen wie in einem Buch, in das man sich staunend vertieft. Ohne jedoch wahrhaft zu den Ursprüngen zu gelangen.

Wie zum Beispiel bei „Hund und Junge“, eine Arbeit von 2013. Die beiden Geschöpfe berühren sich nicht, sind jeweils nur mit den Köpfen an voneinander entfernten Randpositionen des Blattes und mit einer unterschiedlichen Intensität des Blickes angedeutet. Dennoch aber spürt man ihre Verbundenheit, wie der eine aufmerksam über den anderen wacht und der andere vielleicht schon aus der Ferne zurückdenkt. Da befinden sich nicht die Körper in der Schwebe, vielmehr ist es das, was sie verbindet, das Unwägbare überhaupt, bleibt offen, ob es eine vergangene Begegnung ist oder nur ein Traum.

Der in Dresden lebenden Zeichnerin und Grafikerin Heike Wadewitz scheinen die Ideen für fantasievolle, denkwürdige Schöpfungen nie auszugehen, was sich ebenso in dieser Ausstellung zeigt, die überraschend viele neue und auch weniger bekannte Arbeiten vorstellt. Wie beispielsweise das Blatt „vertraut“(möglicherweise ein Geschwisterpaar) oder die gewitzte Komposition „Polonaise“, beide von 2016. Bei letzterer ist es eine Katze, aus deren Blickwinkel, so scheint es, die kuriose Aufreihung im Raum beäugt wird, darunter ein Rollstuhlfahrer sowie eine lang gebogene Gestalt mit Hut und Flügeln, sowie mittendrin, quasi abgetaucht, ein Käuzchen, wie es sich immer wieder in ihren Arbeiten finden lässt. Wohin die „Reise“ geht, wer weiß das schon? Die Tür steht offen – und alle kommen mit. Aber erst beim genaueren Hinschauen entdeckt man ein Gesicht, das sich da in die Körperformen eingeschmiegt hat.

Solche Überraschungen gehören dazu, wenn Heike Wadewitz wiederholt in den Aufbau einer Arbeit eingreift, bevor diese letztlich zum Druck kommt. Und das in deutlich kleinen Auflagen. Wohl auch, um Feinheiten zu bewahren. Doch auch so dürfte dieser Künstlerin an einer „verwertbaren Menge“ eher kaum gelegen sein. Ihre sensiblen Kaltnadelradierungen erscheinen fast wie die Mitglieder einer Familie, weisen wie in einer Biografie diverse Schichtungen auf, verborgene und sichtbare, und dabei steht es dem Betrachter frei, sie so oder so zu deuten. Zumal da auch allerlei Getier zu entdecken ist, vor allem Vögel, Schnecken, Käuzchen, Katzen, Fische… Und diese bringen absurde Momente in die Bild-Konstellationen, geben diesen stets etwas Fabulierendes.

Wo auch immer man den Arbeiten von Heike Wadewitz in den vergangenen Jahren erstmals oder erneut begegnete, beispielsweise in Dresden in der Galerie Drei, in der Landesärztekammer oder der Kreativ-Werkstatt, in der Galerie am Plan in Pirna oder im Käthe-Kollwitz-Haus in Moritzburg, es wird einem nie langweilig beim Besuch der Ausstellungen. Die spürbar sorgfältig vorbereitet und in ihrer Auswahl erlesen sind. Vor allem aber scheint es, als würden sich diese bodenständigen und zugleich fabelhaften Geschöpfe an jedem Ort neu einnisten, quasi Besitz ergreifen von der unterschiedlichen Atmosphäre der Räumlichkeiten.

Das ist in der liebevoll ausgestatteten, in einem historischen Hofgebäude etablierten Galerie Q von Michael Lange ganz besonders zu spüren. Wo sich die Ansicht der Arbeiten und der Rundblick aus zahlreichen kleinen Fenstern wunderbar ergänzen, die künstlerischen Arbeiten wie auch die üppige Landschaft rundherum bestens miteinander korrespondieren. Das eine wie das andere ist etwas Gewachsenes. Und man freut sich natürlich, auch in Quohren neue Lieblingsbilder wie bereits vertraute zu entdecken. Zum Beispiel diese herrlich vorwitzige Möwe, die einer schlanken Frauengestalt (Vogel mit Frau, 2014) scheinbar in den Rücken piekst. Oder das denkwürdige Kinderbildnis „dreieinhalb“ (2015). Heike Wadewitz spielt mit den Zufällen, ist hintergründig auch dann, wenn man es vielleicht nicht vermutet, belässt bewusst Spuren von Arbeitswegen, nutzt überraschende Einblicke.

Über sie ist schon vieles geschrieben worden; man muss es nicht immer wieder aufs Neue sagen. Zumal bekannt ist, dass sie an der HFBK Dresden bei Claus Weidensdorfer sowie für einige Zeit auch an der Kunsthochschule Stockholm studierte und in den Jahren 1999 bis 2001 in Dresden Meisterschülerin von Elke Hopfe war. Diese Studien und Reisen haben sie in gewisser Weise geprägt. Vor allem aber frei gelegt, was in ihr steckt. Etwas ganz Besonderes, Zartes und Kraftvolles zugleich. Eine Kunst, die den Betrachter zum Verbündeten macht, ihn hineinzieht in ihre Bildwelten und ermutigt, Geschichten zu erfinden.

Heike Wadewitz „… mit Vogel“, Ausstellung bis zum 1. Juli in der Galerie Q, Schulweg 3, 01731 Kreischa/ OT Qohren, Freitag/Samstag 15 bis 19 Uhr und nach telefonischer Absprache (035206 39561)

www.galerieq.com

Von Gabriele Gorgas

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