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Kaltfront siegten beim Showdown in der Groovestation

Kaltfront siegten beim Showdown in der Groovestation

Der gemeine Hurone ist ein nordamerikanischer Indianer. Die hässlichen Huronen gibt es hingegen nur in Deutschland, denn The Ugly Hurons stammen aus dem Thüringer Hermsdorf, gründeten sich laut Bandlegende 1987, verleibten sich in ihrer besten Zeit passenderweise zwei Mitglieder der Deutschen Kinder aus Eisenberg ein, spielen seit jeher nur Punk und Ska und nennen das seit geraumer Zeit nicht ganz unpassend "Brutalo-Schlager".

Am 27. September 1989 - und das trägt für Uneingeweihte zum Verständnis dessen bei, was nun am Spätabend des zweiten Weihnachtsfeiertages auf der Bühne der Dresdner Groovestation geschah - luden sich The Ugly Hurons die Dresdner Punkhelden namens Kaltfront in ihren Jugendklub ein und wechselten sich - mangels Einstufung und damit einer offiziellen Spielgenehmigung - ständig mit diesen ab, um mögliche Zensoren zu verwirren. Die Pogofusion gelang der Überlieferung nach gut - und nun erfolgte Mitte November eine Neuauflage in Hermsdorf und somit eine Art Rückspiel, offiziell beworben als "Showdown", bei dem "die (verjüngten) Ostpunk-Veteranen Kaltfront (Doubledee City) und der Clan der Ugly Hurons (Devil's Valley) einreiten".

Und weil die Rolle der Rothäute per Definition vergeben war, musste Kaltfront die großstädtischen Bleichgesichter geben - und vergriff sich dabei neben Cowboyhut auch noch am Country. Die Gruppe um Gitarrist J. B. Gouthier und Frontmann Tom Wittig feierte laut Bandbiografie den ersten Erfolg als beste Band der "Werkstattwoche der Amateurtanzformationen des Bezirkes Dresden" im Juni 1987 in Görlitz und den größten schon drei Jahre später bei der eigenen Abschiedstour (1990 als Vorband der Toten Hosen). Seit 2005 spielen sie wieder ab und an, was den Fans endlich ordentliche Aufnahmen der legendären Songs ("Zieh dich warm an" und "Live '88") sowie mit "Zwischen allen Fronten" (2012) sogar ein allererstes Studioalbum bescherte. Auf diesem beruhte auch der aktuelle Auftritt.

Nur fiel der Beifall des überwiegend musikerfahrenen Teils unter den rund 130 Zuschauern in der Groovestation, schließlich erlebt man hier relativ selten Enttäuschungen, ähnlich spärlich aus wie zuvor bei The Ugly Hurons, das einstündige Programm war einfach zu unausgegoren. Das lag vor allem an der Programmatik: Rasanter Punk zum gemütlichen Country konvertiert - das klingt ebenso ambitioniert wie ein Orgelkonzert im Einkaufsmarkt. Ohne Wut- und Protestattitüde verenden auch die Botschaften. So mag man (wie bislang) lieber die starken Kaltfront-Liveauftritt bei den Hechtfesten 2012 oder 2013 als Maßstab beibehalten.

Beim avisierten Zweikampf der sächsischen Cowboys mit den thüringischen Indianern hingegen drohte von vornherein keine Gefahr: The Ugly Hurons waren mehr Vorband als Sparringspartner. Deren punkige Bandbiografie, mittlerweile komplett auf eine private Sozialplattform ausgelagert, verrät den Grund. Sie zeigt, dass es den hässlichen Indianerstamm aus dem autobahnkreuzbekannten Hermsdorf zwar seit 1987 gibt, aber die spielerischen Lücken einer rein ideellen Existenz mehr als zwei Drittel der Zeit beanspruchen. Seit 2010 wird wieder regelmäßig geprobt, nur die Integration der jüngeren Bandmitglieder in einen arteigenen Sound und eine Bühnenperformance lassen noch auf sich warten.

So geriet dann das gemeinsame Spiel, gedacht als Höhepunkt und Zugabe, just eine halbe Stunde nach Mitternacht zu einem musikalischem Fiasko, das Kaltfront hernach noch durch vier Zugaben zu kitten versuchte, von denen zwei einigermaßen ungeprobt auch gelangen. Für eine Rückkehr auf größere Bühnen bedarf es noch ein ganzes Stück Arbeit.

Andreas Herrmann

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.12.2013

Andreas Herrmann

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