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Kabarett Breschke und Schuch bittet zur Striezelmarktwirtschaft

13. Auflage Kabarett Breschke und Schuch bittet zur Striezelmarktwirtschaft

Geschenke sind das große Thema der diesjährigen Ausgabe der Striezelmarktwirtschaft. Schuch und Breschke packen – musikalisch mal wieder vortrefflich unterstützt von Multiinstrumentalist Daniel Vedres – allerlei an und aus, womit die Menschen im Land vorher eingewickelt wurden, neue Gesetze der Regierungskoalition inklusive.

Breschke und Schuch bittet zur Striezelmarktwirtschaft

Quelle: Elisabeth Schuch-Wiens

Dresden. Wenn Kinder zu Weihnachten ihre Päckchen befühlen, bevor sie an der Schleife ziehen oder das Papier aufreißen, dann tun sie das nicht ohne Grund. Erwachsene hoffen ja dann gerne, dass ihr Fleisch und Blut den Akt des Beschenktwerdens genießt, aber innerlich ahnt man, man war ja selber mal klein, dass die Kinder nur wissen wollen, was sie erwartet. Fühlt sich ein Päckchen weich an, dann könnte es ein Schlafanzug sein, eine Strickjacke oder ein Schal. Und in der Regel sind sie klug genug, den Familienfrieden des Heiligen Abends nicht durch Jammern zu stören. Durch den Tastsinn vorbereitet, pressen sie ein „Schön!“ hervor und hoffen, dass noch etwas Sinnvolles folgt. Am besten was zum Spielen.

Nun ist der Kabarettist Manfred Breschke ja schon älteren Semesters (im nächsten Jahr wird er nach Lage der Dinge schon Spötterrente beziehen, die Striezelmarktwirtschaft 2017 muss ohne in über die Bühne gehen), aber reicht das allein als Grund, so ein misstrauisches, ja regelrecht missmutiges Gesicht zu machen, als sein Bühnenpartner Thomas Schuch auf der Bühne ein Geschenk überreichen will? Und wenn das Geschenk keine Freude macht? Muss er sich dann verstellen?

Geschenke sind das große Thema der diesjährigen Ausgabe der Striezelmarktwirtschaft. Schuch und Breschke packen – musikalisch mal wieder vortrefflich unterstützt von Multiinstrumentalist Daniel Vedres, der bei einer Gelegenheit sogar auf einem Krückstock bläst, als wäre es eine Busine – allerlei an und aus, womit die Menschen im Land vorher eingewickelt wurden, neue Gesetze der Regierungskoalition inklusive. Wer es noch nicht wusste, dem wird nochmal verklickert, dass die Devise gilt: „Geschenkt ist geschenkt!“ Ein relativ kurzer Weg ist es dann zur Einheitsfeier in diesem Jahr in Dresden, wo bekanntlich „Nizza-Blocker“ noch einmal ein Mauergefühl vermitteln sollten, wie gespottet wird.

Wie es bei einer Striezelmarktwirtschaft nach Art des Hauses bewährte Tradition ist, werden zum einen am Bratwurst-, zum anderen am Glühweinstand Betrachtungen über Gesellschaft und Politik angestellt. Mal fällt dann ein bissiges Bonmot wie „Kreuzfahrt mit Helene Fischer, das ist wie Seebestattung bei vollem Bewusstsein“ ab, mal kommt es über Altherrengegreine nicht hinaus. In zwei, drei Nummern äußert man verklausuliert wie verquast viel Verständnis für Putin, wacker trotzend der Gefahr, als Putinversteher dazustehen, bekanntlich jämmerlichste Ausprägung des Russlandverstehers. Ich kann mir nicht helfen, das ist nicht Fisch, nicht Fleisch, da macht man sich unnötig lieb Kind bei denen aus der PDS, den Putinverstehenden deutschen Sozialisten, hervorgegangenen Linken, wie den AfD-lern, den Angsthasen für Deutschland, die zumindest hier Brüder im Geiste sind. Klare Haltung wird – das verlangt einfach die linke Kabarettistenseele – gegen die drei großen Ks bezogen: Kapitalismus, Konsum, Krieg. Ins Rudern kommt man allerdings bei dem Song „Kein bisschen Frieden“ frei nach dem bekannten Song von Nicole. Der Text hat zweifelsohne Biss, aber letztlich offenbart sich, was hoffentlich Absicht ist, dass hinsichtlich des Krieges in Syrien jede Seite Dreck am Stecken hat, dass da nicht mal ansatzweise klar ist, wer denn nun die Guten und wer die Bösen sind.

Eine Steilvorlage in puncto Programmgestaltung war auch die Bitte der Bundesregierung an die Bürger, sich durch Hamsterkäufe auf einen Katastrophenfall vorbereiten. Die Hamstervorräte sollen zehn Tage abdecken, da braucht eine vierköpfige Familie etwa 40 Hamster, wenn man einen Hamster pro Tag und Person rechnet, wie so mancher monieren dürfte. Jedenfalls ist Manfred Breschke alias Brunhilde Mömmerich dafür, dass die Laube, die ihrem Mann vor nun schon 14 Jahren weggeschwommen ist, wieder aufgebaut wird. Aus Gründen der Selbstversorgung, denn es ist ja nicht ausgemacht, dass der Russe, wenn der wieder vor der Tür steht, wieder Russisch Brot verteilen wird.

Walter Unten und Amadeus Oben haben dieses Jahr keinen Auftritt auf der Striezelmarktwirtschaft, dafür tummelt sich ein Softie auf der Bühne (erklärtermaßen „das Haushälterin von Alice Schwarzer“), der dem Chauvinismus in der Sprache auf der Spur ist. Thematisch ist das ausgelutscht. Und eine olle Kamelle sind auch die Kalauereien darüber, ob nun es nun an oder zu Weihnachten, viertel zehn oder viertel nach neun heißt. Das ist kein Ost-West-Ding, das war schon in der alten Bundesrepublik eine Nord-Süd-Kiste, die nur noch Provinzler hüben wie drüben der Mainlinie amüsant fanden.

Die Striezelmarktwirtschaft steht noch bis 19 Januar auf dem Spielplan (nicht täglich), Karten unter: (0351) 4904009

kabarett-breschke-schuch.de

Von Christian Ruf

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