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Kabarett Breschke & Schuch übergibt einen Unterlagen-„Vorlass“ ans Dresdner Stadtarchiv

Satire im Aktenregal Kabarett Breschke & Schuch übergibt einen Unterlagen-„Vorlass“ ans Dresdner Stadtarchiv

Das Dresdner Kabarett Breschke & Schuch begeistert seit 18 Jahren sein Publikum. Zeit genug, sich zu sondieren und ihren satirischen Bestand an das Stadtarchiv Dresden zu übergeben.

Stadtarchiv-Direktor Thomas Kübler, Thomas Schuch, Annekatrin Klepsch, Monika und Manfred Breschke (v.l.) bei der Übergabe der Archivbestände des Kabaretts Breschke & Schuch.
 

Quelle: Carola Fritzsche

Dresden.  Quizfrage. Welcher Institution verlieh 2008 das Kabarett Sündikat in Berlin in „Anerkennung hervorragender Leistungen bei der Erfüllung von Satire anlässlich des 10. Jahrestages seiner Gründung den Titel „Hervorragendes Volkskunstkollektiv“? Die richtige Antwort lautet: dem Kabarett „Breschke und Schuch“. Die Würdigung erinnert in Tonfall und Duktus natürlich an jene Zeiten, in denen „den Genossen Satirikern“ schon mal deutlich verklickert wurde, „dass die wichtigste Aufgabe der sogenannten inneren Kritik darin besteht, gegen die Anhänger des Imperialismus im eigenen Staatsbereich vorzugehen“, wie es etwa Politbüro-Mitglied Albert Norden im Dezember 1956 „so schön“ auf den Punkt brachte.

Aber das Sündikat wusste, was es tat. Ehre, wem Ehre gebührt. Und in diesem Fall dem Kabarett Breschke & Schuch, das seit mittlerweile nun schon 18 Jahren eine feste Größe am Humorstandort Deutschland ist. 50 Programme haben Manfred Breschke und Thomas Schuch seit der Gründung mit vielen Helfern vor und hinter der Bühne gestemmt, darunter auch etliche Ausgaben der alljährlichen Striezelmarktwirtschaft, mit der das Haus mit all dem Wahn- und Schwachsinn abrechnet, der sich im Lauf eines Jahres so tut.

Aber es wird eben nicht nur Satire produziert, sondern es fallen auch Aktenberge an. Und die wandern jetzt – und zwar sogar geordnet – ins Stadtarchiv Dresden. Satire landet also im Aktenregal, und zwar, wenn keine Katastrophe erfolgt, für alle Ewigkeit. Für Archivdirektor Thomas Kübler ein Grund zur Freude, gehören damit nun doch wichtige Dokumente einer bedeutenden Dresdner Kulturinstitution zu den Beständen seines Hauses. Die Donation Breschkes und Schuchs umfasst 5,50 laufende Meter Aktenmaterial, darunter Fotos, Plakate, Spielpläne, Textbücher, Urkunden... Der Flut von 2002 fiel zum Glück nur wenig zum Opfer, allenfalls ein paar Fotos, wie Breschke gegenüber den DNN mitteilte.

Auch all die übergebenen Programmhefte spiegeln die Geschichte des Hauses wider, wie Schuch darlegt. Aus dem Zwei- wurde ein Vierfarbdruck, das Format veränderte sich. Höchst aufschlussreich ein Buch, das von Mitarbeitern des Hauses anlegt wurde und ein bisschen an ein Brigade-Tagebuch aus DDR-Zeiten erinnert. Da finden sich Briefe oder auch ausgedruckte Mails, die Besucher ans Haus schickten. Man kann Lob wie Tadel für dieses oder jenes Programm nachlesen, Ärger darüber, dass die Gastronomie überfordert gewesen sei, weil bereits nach zehn Minuten die Würstchen ausverkauft waren, oder auch die Bitte, einen Liedtext zugeschickt zu bekommen, weil der so großartig gewesen sei. Realsatire ist der Brief einer ins Mark getroffenen Sozialarbeiterin, die es gar nicht fassen kann, dass „Gewalt gegen Frauen ins Lächerliche gezogen und damit bagatellisiert wird“. Da hat jemand mal wieder ein Stilmittel der Satire nicht verstanden. Schuch kennt das Dilemma. „Politisches Kabarett polarisiert die Menschen, in dieser Stadt sowieso. Es ist schwer, Probleme satirisch aufzugreifen, ohne dass man einen Teil des Publikums verschreckt.“ Und sein Kollege Breschke ergänzt, was die Auseinandersetzung mit Lokal- und Landespolitik angeht: „Wir haben uns immer eingemischt, aber Dresden auch immer verteidigt.“

Die überlassenen Unterlagen sind laut Kübler ein „Vorlass“, kein Nachlass also, da der Spielbetrieb ja weitergeht. Er sei mit seinem Anliegen bei Breschke & Schuch auf offene Ohren gestoßen, lässt Kübler wissen. Auch Dresdens Bürgermeisterin für Kultur und Tourismus, Annekatrin Klepsch (Linke), stimmte ein Loblied auf „das Kleinod der freien Szene jenseits der großen Spielstätten“ an, würdigte neben der klaren Bekenntnis zur kritischen Aufarbeitung der Vergangenheit (Breschke und Schuch erinnern jedes Jahr an die Bücherverbrennung in Dresden im März 1933) auch die Arbeit von Breschke & Schuch mit Behinderten. Auch hier hat nicht zu knapp Manfred Breschkes Frau Monika ihre Finger mit im Spiel, denn die langjährige Geschäftsführerin hat sich nicht zuletzt auf die Theaterarbeit mit jugendlichen Behinderten spezialisiert.

Was die Zukunft angeht, gibt es Pläne in Zusammenarbeit mit dem Theater Junge Generation, das ja demnächst in fast unmittelbarer Nachbarschaft im Kraftwerk Mitte den Spielbetrieb aufnimmt, ein Kabarettprogramm speziell für Jugendliche zu erarbeiten. Gespräche mit Pädagogen und Dramaturgen laufen bereits, wie Breschke durchblicken ließ.

Von Christian Ruf

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